AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Youtube

Das doppelte Testament – Aufhebung durch Zerreißen möglich?
27. Mai 2020

Das doppelte Testament – Aufhebung durch Zerreißen möglich?

Eine Frau hatte zwei Ausfertigungen ihres Testaments erstellt. Nach einem einschneidenden Ereignis zerriss sie eines der Dokumente. Das OLG Köln musste nach dem Tod der Frau nun klären, ob die bestehende Ausfertigung weiterhin gilt oder ob der Wille der Frau wirksam aufgehoben wurde.

2 / 2


Eine Frau hatte zwei Ausfertigungen ihres Testaments erstellt. Nach einem einschneidenden Ereignis zerriss sie eines der Dokumente. Das OLG Köln musste nach dem Tod der Frau nun klären, ob die bestehende Ausfertigung weiterhin gilt oder ob der Wille der Frau wirksam aufgehoben wurde.


Das doppelte Testament – Aufhebung durch Zerreißen möglich?
Streit um wirksames Testament

Als die Frau starb, wurde dem Nachlassgericht ein Testament überstellt, das die Haushälterin als Alleinerbin begünstigte. Hierbei handelte es sich um die zweite Ausfertigung des Nachlassdokuments. Der Urenkel der Verstorbenen behauptete daraufhin, dass seine Urgroßmutter dieses Testament widerrufen habe und damit wieder das ursprüngliche Dokument gelte, welches ihn als Erben vorsehe.

Nachlassgericht bevorzugt Urenkel

Das Nachlassgericht vernahm im Zuge des Klärungsverfahrens mehrere Zeugen, um Aufzudecken, wer Anspruch auf das Erbe der Frau habe. Dabei sagte der Rechtsanwalt der Erblasserin aus, seine Mandantin habe ihre Ausfertigung des Originals vor seinen Augen zerrissen. Daraufhin erteilte das Nachlassgericht dem Urenkel den Erbschein und ließ die ehemalige Haushälterin leer ausgehen. Doch diese legte Beschwerde gegen die Entscheidung ein.

Aufhebungswille muss deutlich erkennbar sein

Das OLG Köln wies die Beschwerde jedoch zurück. Ein Erblasser könne sein Testament auch durch die Vernichtung von lediglich einer Ausführung des Dokuments widerrufen. Hierfür sei lediglich zusätzlich nötig, dass kein Zweifel am Aufhebungswillen des Erblassers bestünde. Da der Anwalt der Verstorbenen, der kein erkennbares, persönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens hat, dies bestätigen konnte, sei die Aufhebung des Testaments mit dem Zerreißen des Dokuments erfolgt.

Weitere Indizien sprechen für Aufhebungswillen

Das Gericht ging in seiner Urteilsbegründung davon aus, die Erblasserin habe die andere Ausfertigung des Dokuments schlichtweg vergessen. Nach dem Vertrauensbruch habe auch kein Kontakt mehr zwischen den Frauen bestanden und mit dem Bestreben nach Rückabwicklung des Grundstücksverkaufs gebe es ein weiteres Indiz für die Absichten der Erblasserin. Das Urteil des Nachlassgerichts hat damit Bestand. Der Urenkel hat Anrecht auf das Erbe der Frau. (tku)

OLG Köln, Beschluss vom 22.04.2020, Az.: 2 Wx 84/20

Bild: © reinhard sester – stock.adobe.com




Ähnliche News

Das LG Berlin nimmt an, dass der sogenannte Mietendeckel in der Hauptstadt verfassungsgemäß ist. Im Frühjahr noch hatte eine andere Kammer das Gesetz als verfassungswidrig angesehen. Die aktuelle Einschätzung entstammt dem Urteil eines Falles, in dem ein Vermieter auf Mieterhöhung geklagt hatte. weiterlesen
Kosten für eine künstliche Befruchtung können als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden. Das gilt auch für alleinstehende Frauen. Das geht aus einem Urteil des FG Münster zu einem Fall hervor, in dem die Frau nun auch die Kosten für die Samenspende von der Steuer absetzen darf. weiterlesen
Faxe werden unverschlüsselt versandt. Deshalb dürfen Behörden sie nicht zu Übermittlung personenbezogener Daten verwenden. Das geht aus einer Entscheidung des OVG Lüneburg hervor. Im verhandelten Fall ging es zwar um Sprengstoff, aber die Entscheidung hat Bedeutung für alle, die mit sensiblen Daten arbeiten. weiterlesen


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.