Die Meldungen im Jahr 2025 waren geprägt von KI, Cybervorfällen, Naturkatastrophen, aber auch bereits vollzogenen oder anstehenden politischen „Beben“, die die Weltgemeinschaft stark verändern könnten. Da läge es nahe, wenn auch die im Allianz Risk Barometer befragten Unternehmen, die je nach Branche mehr oder weniger von diesen Entwicklungen betroffen sind, sich besonders viele Gedanken um solche Themen machten. Doch welche sehen sie als die größte Gefahr für ihr Unternehmertum?
Platz 5 bis 10 im weltweiten Ranking
In die globalen Top 5 schaffen es noch die Naturkatastrophen, gefolgt von Klimawandel auf Platz 6. Platz 7 geht an politische Risiken und Gewalt. Auf Platz 8 liegen global die makroökonomischen Entwicklungen, Platz 9 belegt – zumindest je nach Branche – eine ganz konkrete Gefahr für Unternehmen: Feuer und Explosionen. Und auch die Marktentwicklungen schaffen es noch in die globale Top 10 im Jahr 2026: auf Platz 10.
Platz 4: Wozu zunehmender Protektionismus führen könnte
Gesetzes- und Regulierungsänderungen – einschließlich Handelszöllen – liegt weltweit auf Platz 4. Hier ist besonders interessant, dass sich die Prozentzahl der Befragten erhöht hat, die dieses Risiko nennen. Die Allianz führt dies auf die Sorge vor zunehmendem Protektionismus zurück. 51% der Befragten glauben übrigens, eine Lähmung der globalen Lieferketten aufgrund eines geopolitischen Konflikts wäre das wahrscheinlichste „black-swan“-Szenario, das in den nächsten fünf Jahren auftreten könnte. In Deutschland kommt die Sorge vor Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung sogar auf Platz 3, also noch weiter vorn im Ranking.
Betriebsunterbrechungen nicht mehr unter den zwei größten Risiken weltweit
29% der Befragten stufen Betriebsunterbrechungen als größte Gefahr ein. Das ist Platz 3 im internationalen Ranking. Doch zum ersten Mal überhaupt gehören Betriebsunterbrechungen nicht mehr zu den beiden größten Risiken weltweit, wie die Allianz anmerkt. Allerdings bleiben sie ein wichtiges Thema, da sie oft als Folge anderer Risiken auftreten. In Deutschland liegen Betriebsunterbrechungen noch weiter vorne. Mit 40% landen sie hierzulande auf Platz 2.
KI – Risiko oder Chance für die Branchen? Oder beides?
Den größten Sprung in der diesjährigen globalen Rangliste macht die künstliche Intelligenz. Hatte es die KI im Vorjahr noch knapp in die Top 10 auf Platz 10 im internationalen Ranking geschafft, ist sie nun in die Spitzengruppe der globalen Unternehmensrisiken aufgestiegen. Im Jahr 2026 belegt KI mit 32% Platz 2. Sie wird in allen Regionen als ein wichtiger Faktor gesehen. In Europa landet KI auf Platz 3, in Deutschland mit 26% auf Platz 4. Auch stellt sie sich laut Allianz für Unternehmen jeder Größe als wachsendes Risiko dar: KI ist nun bei großen, mittleren und kleinen Unternehmen in den Top 3. Doch woher kommt das?
Da die Einführung von KI immer schneller voranschreitet und die Technologie immer tiefer in das Kerngeschäft eingebettet werde, erwarten die Befragten eine Zunahme der KI-bezogenen Risiken, insbesondere im Hinblick auf Haftungsfragen, so die Allianz. Die rasante Verbreitung generativer KI-Systeme in Verbindung mit ihrer zunehmenden Nutzung in der Praxis habe das Bewusstsein dafür geschärft, wie stark Unternehmen diesen Risiken ausgesetzt seien. Trotzdem meint rund die Hälfte der Befragten, dass KI ihrer Branche mehr Vorteile als Risiken bringen wird. Ein Fünftel ist gegenteiliger Meinung.
Einführung von KI oft schneller als Governance und Unternehmenskultur
„Unternehmen sehen KI zunehmend nicht nur als eine leistungsstarke strategische Chance, sondern auch als eine komplexe Quelle für operative, rechtliche und Reputationsrisiken. In vielen Fällen schreitet die Einführung schneller voran, als Governance, Regulierung und Unternehmenskultur mithalten können“, so Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz. „2026 werden immer mehr Unternehmen versuchen den Einsatz von KI auszuweiten. Sie werden sich vermehrt mit Problemen hinsichtlich der Systemzuverlässigkeit, Datenqualität, Integrationshürden und dem Mangel an qualifizierten Fachkräften konfrontiert sehen.“ Gleichzeitig entstünden neue Haftungsrisiken im Zusammenhang mit automatisierten Entscheidungsprozessen, voreingenommenen oder diskriminierenden Modellen, dem Missbrauch geistigen Eigentums und der Ungewissheit darüber, wer haftet, wenn durch KI generierte Ergebnisse Schaden verursachen, sagt Subran.
Platz 1: Das größte Risiko für Unternehmen – weltweit und in Deutschland
Auf Platz 1 finden sich im Jahr 2026 nun schon zum fünften Mal in Folge Cybervorfälle als das weltweit größte Risiko. Mit 42% landen sie im internationalen Ranking mit Abstand auf dem vordersten Rang und sind damit das Top-Risiko. Zudem ist dies der höchste jemals erreichte Wert. Im Ranking für Deutschland liegen Cybervorfälle mit 52% prozentual sogar noch weiter vorne. Darüber hinaus stehen Cyberrisiken in jeder Region der Welt – das heißt Amerika, Asien-Pazifik, Europa sowie Afrika und Naher Osten – an erster Stelle, wie die Allianz mitteilt.
Warum schon zum fünften Mal in Folge?
Die anhaltende Spitzenplatzierung im Allianz Risk Barometer spiegele die zunehmende Abhängigkeit von digitaler Technologie in einer Zeit wider, in der sich die Cyberbedrohungslandschaft sowie das geopolitische und regulatorische Umfeld rasch verändern, heißt es weiter. Die anhaltende Bedrohung für Unternehmen aller Größen wird auch durch die jüngsten prominenten Cyberangriffe deutlich. Kleine und mittelgroße Firmen geraten vor allem aufgrund fehlender Ressourcen für Cybersicherheit zunehmend ins Visier von Kriminellen und stehen unter massivem Druck, so die Allianz.
Doch vollkommen ausgeliefert sind Unternehmen auch dieser Bedrohung nicht. Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services bei Allianz Commercial, weist darauf hin, dass die Investitionen großer Unternehmen in Cybersicherheit und Resilienz sich ausgezahlt hätten. Diese Investitionen sorgten dafür, dass die Unternehmen Angriffe frühzeitig erkennen und darauf reagieren können, sagt er. „Allerdings entwickeln sich Cyberrisiken ständig weiter. Unternehmen sind zunehmend auf Drittanbieter für kritische Daten und Dienste angewiesen, während KI die Bedrohungen verstärkt, die Angriffsfläche vergrößert und bestehende Schwachstellen noch verschärft“, so Bruch.
Top 10: Die größten Risiken für Unternehmen in Deutschland
Im Ranking für Deutschland bleiben die Plätze 1 und 2 unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung sind jedoch neu auf Platz 3. Dies könnte der Allianz zufolge ein Hinweis auf bürokratische Pflichten für Unternehmen und regulatorische Unsicherheiten sein. KI ist übrigens ganz neu im Ranking vertreten. „Überraschend“ nennt die Allianz, dass politische Risiken und Gewalt gegenüber dem Vorjahr von Platz 6 auf 10 fallen, und zwar vor dem Hintergrund zahlreicher politisch motivierter Anschläge in Deutschland, z. B. auf die Bahn-Infrastruktur oder kürzlich in Berlin. In der nebenstehenden Grafik sind die zehn größten Risiken für Unternehmen in Deutschland aus dem Allianz Risk Barometer 2026 aufgelistet.
Über das Allianz Risk Barometer 2026
Für das Allianz Risk Barometer 2026, das von Allianz Commercial in Zusammenarbeit mit anderen Allianz-Einheiten erstellt wird, sind über 3.300 Teilnehmende, u. a. Risikoexperten, aus 97 Ländern nach ihren Top-Unternehmensrisiken befragt worden. (lg)
Grafik: © Allianz Commercial
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