Gerade Makler und Berater machen sich viele Gedanken um den Kostendeckel von 1% beim Standardprodukt und die Verteilung der Verwaltungs- und Vertriebskosten auf die gesamte Vertragslaufzeit. Wie sehen Sie das?
Es stellt sich tatsächlich die Frage, ob es diesen Kostendeckel überhaupt gebraucht hätte, da der Wettbewerb ohnehin sehr groß sein wird und es eine Reihe sehr günstiger Lösungen im Standardbereich geben wird. Zudem gibt es auch im Standardprodukt eine Nachfrage nach dedizierten Angeboten, die unter einem pauschalen Kostendeckel von 1% schlichtweg nicht immer angeboten werden können.
Was ist Ihre Meinung zur Frage Auszahlplan vs. lebenslange Rente? Das Langlebigkeitsrisiko wird ja nur bei einem davon zu 100% abgesichert.
Wir sehen hier einen klaren Markt für beide Ansätze und sind sehr froh über diese neue Flexibilität. Die Erfahrung der Vergangenheit hat deutlich gezeigt, dass die starre Zwangsverrentung viele Anleger überhaupt erst davon abgehalten hat, ein staatlich gefördertes privates Altersvorsorgeprodukt abzuschließen. Die Bevölkerung ist nun mal nicht homogen. Endlich können durch die Wahlmöglichkeiten alle individuellen Bedarfe passgenau abgedeckt werden, was der Verbreitung der privaten Altersvorsorge in Deutschland einen deutlichen Schub nach vorne geben wird.
Mit dem AV-Dpot kann man nun ohne Versicherungsmantel staatlich gefördert am Kapitalmarkt investieren. Gerät die Versicherungsbranche jetzt unter Druck?
Der Bedarf für verschiedenste Lösungen ist groß und der Gesamtmarkt wird durch die Reform deutlich wachsen. Die Bevölkerung hat längst verstanden, dass eine private Zusatzvorsorge unabdingbar ist, um die Rentenlücke zu schließen. Mit den neuen Gesetzesänderungen wurde ein transparenter und flexibler Rechtsrahmen geschaffen, der das Thema Altersvorsorge insgesamt massiv belebt. Hier werden sowohl depotbasierte als auch versicherungsförmige Lösungen ihre Berechtigung haben, da die heterogenen Bedürfnisse der Sparer nun endlich umfassend bedient werden können.
Was würden Sie Vermittlern raten, jetzt zu tun? Wie sollten diese am besten mit der Reform umgehen?
Vermittler sollten sich zunächst intensiv mit dem neuen Rechtsrahmen und der neuen Produktwelt vertraut machen, um die veränderten Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können. Im nächsten Schritt gilt es, die Kunden zu kontaktieren und ihnen klarzumachen, dass aktuell keine Schnellschüsse erforderlich sind. Vermittler sollten das Gespräch nutzen, um sich gemeinsam mit dem Kunden in aller Ruhe über die individuell beste Lösung für die Altersvorsorge zu unterhalten.
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