Ein Artikel von Lisa Knörrer, Geschäftsführerin der bbg Betriebsberatungs GmbH
Wenn wir in unserer Branche über Frauen sprechen, wird das Thema noch immer zu oft belächelt. „Das machen wir doch schon seit Jahren“, „Bei uns werden alle gleich behandelt“ oder ganz direkt: „Warum sollten wir uns überhaupt auf Frauen fokussieren?“ Solche Sätze habe ich in den letzten Jahren immer wieder gehört. Gerade aus eher traditionell geprägten Strukturen kommt häufig genau dieser Reflex.
Potenzial oft immer noch wenig sichtbar
Gleichzeitig kämpft die Versicherungswirtschaft mit Fachkräftemangel, Transformationsdruck und der Frage, wie sie attraktiv für die nächste Generation bleiben kann. Wir sehen seit Langem, wie viel Potenzial in Frauen für unsere Branche steckt – und wie wenig sichtbar dieses Potenzial an vielen Stellen noch ist. Für mich ist deshalb klar: Wenn wir es mit der Zukunft ernst meinen, geht das nur mit mehr Vielfalt – und mit Frauen, die nicht nur „dabei sind“, sondern aktiv gestalten.
Mitgedacht, aber nicht mitgefragt
Ich bin in einem Familienunternehmen groß geworden, das seit vielen Jahren tief in der Versicherungsbranche verankert ist. Heute führe ich gemeinsam mit meinem Bruder die bbg in der nächsten Generation und habe mich ganz bewusst dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen und die Entwicklung des Unternehmens aktiv mitzugestalten. In Studium und Beruf habe ich immer wieder erlebt, wie schnell Frauen unterschätzt oder „mitgedacht, aber nicht mitgefragt“ werden.
Vertrieb ist männlich geprägt
Der Blick in die Zahlen bestätigt dieses Gefühl: In Deutschland wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil der kleinen und mittleren Unternehmen von einer Frau geführt. Beim Thema Unternehmensnachfolge geht nur ein Bruchteil der Übergaben an Frauen – obwohl es genügend qualifizierte und motivierte Kandidatinnen gäbe. Im Vermittlerbereich sind die Zahlen noch niedriger: Je nach Analyse kommen Frauen im Versicherungsvertrieb nur auf einen niedrigen zweistelligen Prozentanteil – der selbstständige Versicherungsvertrieb ist weiterhin klar männlich geprägt.
Wie FemSurance entstand
Ich habe mir damals selbst ein Netzwerk von Frauen gewünscht, die in ähnlichen Situationen sind: als Gründerinnen, Nachfolgerinnen, Führungskräfte oder als junge Talente mit Ambitionen. Aus diesem Wunsch ist FemSurance entstanden: als Ort, an dem Frauen sich gegenseitig stärken, Erfahrungen austauschen und sichtbar werden können – in einer Branche, in der das noch längst nicht selbstverständlich ist.
Weibliche Vorbilder und starke Netzwerke
FemSurance ist für mich ein Stück Haltung: die klare Überzeugung, dass gemischte Teams bessere Entscheidungen treffen, innovativer sind und Unternehmen resilienter machen. Ich habe selbst viel Unterstützung – auch von männlichen Wegbegleitern – erfahren, weiß aber genauso, wie wertvoll weibliche Vorbilder und starke Netzwerke sind. Es ist wichtig, den eigenen Platz am Tisch auch wirklich zu nutzen – gerade dann, wenn man eine Position mit Einfluss erreicht hat. Wenn ich heute die Möglichkeit habe, mitzugestalten, dann möchte ich diese Chance nutzen – nicht nur für mich, sondern für viele andere Frauen in unserer Branche.
Dabei war uns von Anfang an wichtig, FemSurance nicht als separate „Frauenveranstaltung“ zu verstehen, sondern als integrierten Bestandteil unserer bestehenden Formate. FemSurance ist heute Teil der DKM und der AssCompact – und damit bewusst mitten in der Branche verankert. Für mich war es schlicht Zeit, dieses Thema nicht mehr als Sidekick zu behandeln, sondern als strategischen Erfolgsfaktor.
Seite 1 FemSurance: Veränderung durch Community
Seite 2 Darum geht es
Lisa Knörrer - Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
