Das klassische Monopol der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) scheint nicht mehr selbstverständlich. Denn einer aktuellen Erhebung von Swiss Life Deutschland, der Industriegewerkschaft IGBCE und der Branchenlösung ChemieRente zufolge ziehen die Grundfähigkeitsversicherung und die BU bei den Beschäftigten-Präferenzen gleich: Demnach finden 31% der Befragten aus der Industrie die gezielte Absicherung von Grundfähigkeiten am attraktivsten – bei der klassischen BU sind es genauso viele. Übergreifend sehen sich zudem 27% zu einer Beurteilung nicht in der Lage.
Ungenutztes Marktpotenzial für Vermittler
Für Vermittlerinnen und Vermittler eröffne dieses Spannungsfeld aus Wunsch und Wirklichkeit ein großes, ungenutztes Marktpotenzial, heißt es von Swiss Life. Auch, weil über die Hälfte aller Beschäftigten laut der Erhebung erwartet, dass die physischen und mentalen Belastungen in den nächsten Jahren für sie weiter steigen werden. Mehr als jeder Zweite erwartet zudem steigende und ein Drittel teilweise steigende Anforderungen an die persönliche Flexibilität und Belastbarkeit. Nur 10% sehen diese eher nicht oder überhaupt nicht auf sich zukommen.
Als Ursache werden vor allem drei Gründe genannt: Zusätzliche Arbeit durch Kosteneinsparungen und Effizienzprogramme (49%) sowie Personalabbau oder nicht nachbesetzte Stellen (48%) führen bei rund der Hälfte zu Mehrbelastung. Häufige Umstrukturierungen und kurzfristige Prozessänderungen (40%) sind die dritthäufigste Stressursache. Doch 45% sind mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz für die kommenden fünf Jahre trotzdem optimistisch.
„Weckruf aus der Mitte der industriellen Realität“
„Die Arbeitsverdichtung steigt und steigt, genauso wie der Veränderungsdruck und das eigene Stresslevel: Die Belastung am Arbeitsplatz hat für die Mehrheit der Industriebeschäftigten weiter zugenommen. Das zeigt unsere aktuelle Umfrage eindrucksvoll“, sagt der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. „Wirtschaft und Politik sollten das als Weckruf aus der Mitte der industriellen Realität verstehen.“
Wird Bedeutung von Vorsorge und Absicherung gesehen?
Industriebeschäftigte haben u. a. durch die schwierige wirtschaftliche Lage am Standort Deutschland, Zukunftssorgen und steigenden Druck am Arbeitsplatz ein stark ausgeprägtes Risikobewusstsein erlangt. Mehr als 7 von 10 Befragten halten die Bedeutung von Vorsorge und Absicherung in der heutigen Zeit des Wandels für wichtig. Lediglich 5% sehen (eher) keinen Bedarf.
Grundfähigkeit überholt BU teilweise
Doch galt bisher die BU als Standardlösung zur Absicherung der Arbeitskraft, überrascht die Studie unter den Industriebeschäftigten: Beispielsweise im White Collar-Bereich, d. h. in Verwaltung, Außendienst, Entwicklung oder Labor, würden 34% eine gezielte Absicherung von Grundfähigkeiten bevorzugen (BU: 29%).
So sind BU und Grundfähigkeitsversicherung verteilt
Entgegen den in der Erhebung geäußerten Präferenzen haben zwar 40% eine BU abgeschlossen, aber nur 12% eine Grundfähigkeitsversicherung. Rund ein Fünftel der Befragten möchte sich noch über das Thema informieren und plant, eine passende Versicherung abzuschließen. Insgesamt haben 54% eine Versicherung zum Schutz ihrer Arbeitskraft abgeschlossen.
Über die Hälfte fühlt sich nicht gut informiert
Doch über die Hälfte aller Befragten, nämlich 56%, fühlt sich nur teilweise oder schlecht über die Absicherungsmöglichkeiten im Bereich Arbeitskraft informiert. Am besten informiert sind mit Abstand die Unter-30-Jährigen der Gen Z. 54% fühlen sich zum Thema AKS (eher) gut informiert, gegenüber 36% bei den Millennials, 36% bei der Gen X und 39% bei den Baby-Boomern.
„Wichtigkeit der persönlichen Finanzberatung“
„Die Diskrepanz zwischen den geäußerten Absicherungspräferenzen und der tatsächlichen Verbreitung von AKS-Lösungen sowie das lückenhafte Wissen um bestehende Absicherungsoptionen weisen auf die Wichtigkeit der persönlichen Finanzberatung hin – gerade in Zeiten steigender Unsicherheit und erhöhten Drucks am Arbeitsplatz“, sagt Dirk von der Crone, CEO Swiss Life Deutschland.
KI beschäftigt
Und auch die Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz (KI) beschäftigen Arbeitnehmende der in die Studie miteinbezogenen Industriebranchen. Übergreifend haben nur 25% der Befragten Angst, in den nächsten zehn Jahren durch KI-Automatisierung ersetzt zu werden. Bei den Unter-30-Jährigen ist es jedoch über ein Drittel. (lg)
Über die Studie
Für die Erhebung im Juni 2026 befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov 1.153 Beschäftigte in Deutschland aus den Industrien Chemie, Energie, Pharma, Bergbau, Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Papier, Keramik, Kunststoff, Kautschuk und Gummi, Leder, Glas und Entsorgung.
Lesen Sie auch: Betriebliche Vorsorge: Studie zeigt Nachholbedarf für Unternehmen
Grafik: © Swiss Life
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 27 Aufrufe
