Bastian und Steffen Helmsauer, vielen Dank, dass Sie sich in dieser aufregenden Zeit einen Moment nehmen, mit uns zu sprechen. Erläutern Sie gerne aus Ihrer Sicht, warum die Familie Helmsauer aus der Helmsauer Gruppe ausgestiegen ist.
Steffen Helmsauer Es ist immer schwer, über die Vergangenheit zu sprechen, und wir wollen uns nicht zu sehr darauf fokussieren. Die Erklärung für unseren Ausstieg ist, dass wir mit der strategischen Ausrichtung der Versicherungsmakler der Helmsauer Gruppe nicht mehr übereinstimmten und diese auch nicht mehr vertreten konnten. Die nahezu vollständig kreditfinanzierten Zukäufe sowie grundsätzliche Marktveränderungen für Konsolidierer im letzten Jahr führten zu Entwicklungen, die wir als nicht mehr zukunftsfähig betrachteten. Dies hat die ursprüngliche Identität als familiengeführtes und integriertes Maklerunternehmen verändert. Deswegen gab es Gespräche, die letztlich zum Ausstieg der Familie Helmsauer aus der Gruppe führten.
Wie beurteilen Sie die Veränderungen in der Helmsauer Gruppe seit Ihrem Ausstieg?
Bastian Helmsauer Seit dem 15. Dezember haben wir keinen direkten Zugang mehr zu Informationen, aber es scheint, als würden zentrale Dinge, die uns als Brüder wichtig waren, jetzt auf einmal von Nordic umgesetzt werden. Besonders die Erkenntnis, von der schnellen Zukaufstrategie Abstand zu nehmen und nur noch selektiv zukaufen zu wollen, war unter anderem das, was wir gefordert hatten.
Leider sehen wir uns nach unserer Ansicht immer wieder sowohl persönlichen Verunglimpfungen als auch Angriffen gegen unsere Unternehmen ausgesetzt. So wurden wir vom von Nordic eingesetzten Geschäftsführer Dr. Tischendorf als „Burschen“ bezeichnet und in einem Anschreiben an viele Versicherer wird auf unser Alter angespielt. Eine derartige Form der Diskreditierung lehnen wir ab und verweisen darauf, dass wir selbst über sieben beziehungsweise sechs Jahre Berufserfahrung verfügen und unsere vorhandene und zukünftige Belegschaft sich aus Kolleginnen und Kollegen zusammensetzt, die viele Jahrzehnte in der Versicherungswirtschaft tätig sind.
Auch gibt es von Dr. Tischendorf zum Beispiel ein Anschreiben an viele Ärzte, in dem auch wir genannt sind und juristisch geschickt der Eindruck erweckt werden könnte, dass etwas im Zusammenhang mit unserer Unternehmensgründung bzw. mit dem Verhalten unseres Vaters nicht korrekt sein könnte. Dem ist natürlich nicht so und wir werden unseren Namen und unseren guten Ruf verteidigen. Im Übrigen empfinden viele Kunden derartige Anschreiben zumindest als irritierend und befremdlich. Dr. Tischendorf erreicht damit also genau das Gegenteil von dem, was er vielleicht bezwecken wollte.
Seit der Verhandlung am Donnerstag letzter Woche vor dem Landgericht Nürnberg/Fürth, in welchem wir als Kläger aufgetreten sind, steht fest, dass die zu diesem Zeitpunkt von Dr. Tischendorf geführten Versicherungsmakler und deren Organe verpflichtet sind, keine negativen Aussagen mehr über unsere persönliche Kompetenz zur Führung eines Versicherungsmaklers zu tätigen.
Kommen wir zu Ihrem neuen Projekt. Warum haben Sie sich entschieden, diese Firmen zu gründen?
SH Bastian und ich sind beide in eine echte Unternehmerfamilie hineingeboren, die seit den 60er-Jahren und somit seit Generationen in der Versicherungsbranche tätig ist. Das Versicherungsgeschäft ist das, was wir am besten können und lieben. Deshalb war es für uns nie eine Frage, dass wir unser Leben in dieser Branche verbringen wollen.
Wir haben unsere Aufgaben intern nach unseren Qualifikationen aufgeteilt. Während mein Bruder Bastian verantwortlich ist für die Versicherungstechnik, das Placement und das Underwriting sowie die vielen Verhandlungen mit den Versicherern und Großkunden, kümmere ich mich schwerpunktmäßig um den kompletten Betrieb sowie die Sparten Leben, Kranken und GehaltsExtras. Gemeinsam sind wir für den Vertrieb verantwortlich.
Für Ihren Vater Bernd Helmsauer gilt derzeit ein Wettbewerbsverbot. Sie sind davon also nicht betroffen?
BH Für uns als Brüder gilt kein Wettbewerbsverbot. Nach der oben genannten mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht steht nun ebenfalls fest, dass wir nach dem 31.12.2025 keinem Wettbewerbsverbot aus einem Arbeitsvertrag noch aus § 60 HGB unterliegen.
Darüber hinaus stehen wir in keiner vertraglichen Verbindung zu unserem Vater. Er ist weder als Organ, als Mitarbeiter oder als Berater noch in irgendeiner anderen Form für uns tätig. Er hält sich strikt an sein Wettbewerbsverbot, dessen Dauer wahrscheinlich gerichtlich geklärt werden muss. Seit der oben genannten Verhandlung steht allerdings auch fest und ist protokolliert, dass Herr Dr. Tischendorf zum Zeitpunkt der Verhandlung keine positive Kenntnis davon hatte, dass unser Vater gegen ein mögliches Wettbewerbsverbot verstößt.
Es scheint, als sei der Aufbau Ihrer Unternehmen ziemlich schnell und reibungslos verlaufen. Warum ging das alles so zügig?
SH Wir hatten zur Unternehmensgründung so gut wie keine Vorbereitungszeit, weil die Ereignisse sich Ende letzten Jahres überschlagen haben. Tatsächlich hat alles perfekt funktioniert und wir haben bereits am 30. Januar unsere Zulassung als Versicherungsmakler erhalten. Parallel dazu haben wir die Versicherer über unser Vorhaben transparent informiert und mit jedem einzelnen Zielversicherer schon im Januar Wachstumsstrategien vereinbart.
Außerdem haben wir schnell viele Kollegen und Kolleginnen von der Helmsauer Gruppe für uns gewinnen können und viele der neuen Kolleginnen und Kollegen sind auch auf uns zugekommen, weil sie in uns die Zukunft sehen. Innerhalb kürzester Zeit haben über 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeitsverträge bei uns unterschrieben und wir gehen davon aus, dass wir bis Ende des Jahres über 120 Kolleginnen und Kollegen haben werden. Dies hat uns natürlich sehr gefreut und den Aufbau enorm beschleunigt. Die Begeisterung und Loyalität, die uns dabei entgegengebracht wurde, war und ist überwältigend. Dies hat uns gezeigt, dass unser Name und unsere Werte unverändert eine hohe Bedeutung haben.
Exemplarisch für die Kurzfristigkeit war, dass wir am 31.12.2025 unseren Firmenwagen abgegeben haben und dann erst einmal ohne Auto dastanden – wenn wir es wirklich schon viel früher gewusst hätten, hätten wir uns darum auch noch kümmern können. Außerdem war der erste Firmensitz im Wohnzimmer meiner Mietwohnung in Nürnberg. Da wird es mit rund 90 Kolleginnen und Kollegen ein bisschen kuschelig (lacht).
Sie haben in kurzer Zeit sechs Unternehmen gegründet – was waren die ersten Meilensteine?
BH Zu den wichtigsten Meilensteinen zählt die Eröffnung von mehreren Standorten – einer Zentrale in Nürnberg und zusätzlichen Niederlassungen in Minden, Monheim bei Wemding und Wuppertal. In Kürze kommen auch noch Köln, Bremen, München sowie ein Standort in den neuen Bundesländern hinzu.
Neben dem Versicherungsmakler ist unter diesen Unternehmen die Zeichnungsstelle, welche als unser Assekuradeur fungieren wird. Zusätzlich haben wir die Deutsche Gesellschaft für betriebliche Altersvorsorge gegründet, die wir zu einem führenden Anbieter im Bereich der betrieblichen Versorgungskonzepte in Kombination mit sogenannten GehaltsExtras aufbauen werden, wo Teile des Barlohns in Sachlohn umgewandelt werden und damit die Erlebbarkeit der Konzepte massiv steigt.
Mit dem Helmsauer Verbund gibt es nun zwei Maklerhäuser mit Ihrem Familiennamen. Könnte das zu rechtlichen Schwierigkeiten führen?*
SH Wir haben uns im Vorfeld natürlich anwaltlich beraten lassen. Zur besseren Klarheit fügen wir in Kürze unseren Firmierungen noch einen Zusatz an. Die Verwendung unseres Familiennamens kann man uns – weil wir nun mal die Helmsauers sind – natürlich nicht untersagen. Es handelt sich bei der Helmsauer Gruppe im Übrigen um einen Marketingbegriff und es gibt kein Unternehmen mit dem Namen „Helmsauer Gruppe“. Außerdem sind in der Helmsauer Gruppe zahlreiche Unternehmen, die schon immer zu 100% der Familie Helmsauer gehört haben und gehören werden.
Was planen Sie als Nächstes mit Ihren Unternehmungen?
BH Unsere Strategie ist klar: Zunächst bauen wir wieder ein klassisches Familienunternehmen auf der Basis von Authentizität, Loyalität und Nachhaltigkeit auf. Dabei wollen wir uns wieder vermehrt auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren, vor allem auf das Gesundheitswesen, die Bauwirtschaft und das klassische Industriegeschäft – Bereiche, die mit dem Namen Helmsauer eng in Verbindung stehen.
Wir bauen ein Unternehmen auf, das sich auf diese Zielgruppen fokussiert und dabei nicht nur durch Zukäufe wächst. Wo es strategisch und regional sinnvoll sowie kaufmännisch solide ist, können wir uns das im Einzelfall vorstellen. Unser Herz schlägt aber für die Versicherungsmaklerei und nicht für Konsolidierung nur der Größe wegen.
Sie bleiben also in der Familie und schließen die Möglichkeit aus, externe Investoren aufzunehmen?
SH Ja, das ist richtig. Wir haben aus unseren Erfahrungen wahrlich gelernt. Unsere Unternehmen bleiben immer in Hand der Familie Helmsauer – ein Investor ist für uns sicher keine Option. Unser Ziel ist es, ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Unternehmen zu schaffen, das den Fokus auf Qualität und langfristige Beziehungen legt.
Da der Name Helmsauer in der Branche bekannt ist: Haben Sie auch schon Reaktionen von Versicherern wahrgenommen?
BH Ja, tatsächlich haben wir eine unglaubliche Loyalität und Unterstützung von den Versicherern erhalten. Wir merken, dass die Zusammenarbeit mit unserer Familie über viele Jahrzehnte hinweg nicht nur geschäftlicher Natur war, sondern dass auch stabile, langfristige und wertschätzende Beziehungen daraus erwachsen sind. Diese Beziehungen haben uns in der aktuellen Phase sehr geholfen und dafür möchten wir uns bei den Vorständen und den Maklervertrieben der Versicherer ganz herzlich bedanken. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen – noch dazu in so kurzer Zeit.
*Anm. d. Red.: Wie auf LinkedIn nun bekannt gemacht wurde, wird der Helmsauer Verbund zukünftig den Namen Helmsauer Brüder Verbund tragen. Das Interview wurde vor dieser Verkündung geführt.
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