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3. Februar 2026
Helmsauer-Rückzug: Stresstest für Konsolidierer?

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Helmsauer-Rückzug: Ein Stresstest für Konsolidierer?

Helmsauer-Rückzug: Stresstest für Konsolidierer?

Was sagen die Konsolidierer?

Zwei Unternehmen jedoch gaben ihre Einschätzung zur Lage ab. Zum einen lieferte Ralph Rockel, Vorstandssprecher von MRH Trowe, folgendes Statement: „Den Vorgang als solchen können wir nicht kommentieren. Ich möchte aber richtigstellen, dass MRH Trowe sich nicht als ‚Konsolidierer‘ versteht. Unser Ziel ist nicht die Ansammlung von Größe, sondern die Entwicklung von Mehrwert für unsere Kunden durch die Breite und Kompetenz unseres Angebots sowie die regionale Abdeckung des Services für eine ganzheitliche Unterstützung in den Themen Insurance, Benefits und Finance. Nach meinem Eindruck schien das auch die Einschätzung von Bernd Helmsauer zu sein, nämlich dass die Integration von Leistungen Vorrang vor reinen Wachstumsambitionen hat.“

Ein weiteres Statement erreichte AssCompact von Moritz Rutt, CEO der GGW Group: „Zu dem Fall Helmsauer kann ich mich nicht konkret äußern. Für die Branche hoffe ich, dass Investoren und Unternehmer, bzw. Geschäftsführer von Maklergruppen und einzelnen Maklerunternehmen, ihn nutzen, um daraus zu lernen. Welche Fragen und Leitplanken müssen vor einer Partnerschaft geklärt sein? Wie geht man miteinander um, wenn die tatsächliche Entwicklung vom Plan abweicht? Wie geht man gemeinsam Veränderung an? In dieser Phase kann sich die Stärke eines Teams zeigen. Eine Trennung ist im Ergebnis für viele (Kunden, Mitarbeiter, Versicherer und Eigentümer) häufig eine suboptimale Lösung, die viel Energie kostet.“

Spannende Äußerungen. Bei Rutts Statement klingt durch, dass der Investor mit dem Investee zufrieden sein muss – aber eben genauso umgekehrt. Er erhofft sich also, dass die Branche eine solche Entwicklung als Learning mitnimmt, die Verständnis dafür schafft, worauf es bei einer derartigen Geschäftsbeziehung ankommt und wie man reagiert, sollte es nicht nach Plan laufen.

Auch Rockels Aussage liest sich interessant. Sie impliziert, dass MRH Trowe und Helmsauer ganz ähnliche Ansichten vertreten, nämlich, dass der reine Wachstumsgedanke sich nicht selbst bedingt, sondern nachhaltig erst durch Mehrwert für den Kunden und gute Unterstützung generiert wird. Und nicht weniger spannend: seine Distanzierung zum Begriff “Konsolidierer”. Manche Unternehmen gehen offen mit dieser Bezeichnung um und kommunizieren auch nach außen, dass sie Wachstum durch Aufkäufe hervorrufen wollen. Rockel allerdings sieht die Sache anders und betrachtet sein Unternehmen somit nicht in der rein kapitalistischen Position, dass sich mit viel Geld gleich Wachstum generieren lässt. Interessant und aussagekräftig also, dass in den Augen mancher der Begriff “Konsolidierer” eher negativ besetzt zu sein scheint und man sich dementsprechend damit auch nicht identifiziert.

Was kommt?

Es herrscht Bewegung im Makler- und im Konsolidierungsmarkt – Bewegung, die Wellen schlägt. Vor allem wird es aber spannend bleiben, was der weitere Fallout aus Helmsauers Ausstieg sein wird. Stehen wirklich rechtliche Schritte angesichts des fast gleichnamigen Helmsauer Verbunds an? Werden Konsolidierer es in Zukunft schwerer haben, Käufe zu tätigen, weil Makler es sich zweimal überlegen, von wem sie Kapital annehmen? Steht der Konsolidierungsmarkt somit vor seinem ersten großen Stresstest?

Der Blick in die Glaskugel wird mit der Zeit (hoffentlich) klarer werden. (mki)