Herr Bauer, wie steht es denn derzeit um die Relevanz von Immobilien als Anlageform?
Immobilien bleiben eine der bedeutendsten Anlageformen in Deutschland für Kapitalanleger. Laut aktuellen Marktdaten sind Transaktionsvolumina in wirtschaftsstarken Bundesländern besonders hoch. Größere Wachstumsmärke sind beispielsweise Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Und in diesen Regionen B-Lagen wie Krefeld, Mönchengladbach, Duisburg oder Hannover.
In der Umsetzung halten viele Anleger trotz steigender Preise und zunehmender Zinsen an der Immobilie als Sachwert fest. Und das aus gutem Grund: Mischt sich ein stotternder Neubau mit wachsenden Bevölkerungszahlen, ist eine Wertsteigerung der Immobilie hochwahrscheinlich. Werden dann auch noch Steuervorteile genutzt, rundet das die momentan attraktivste Asset-Klasse am Markt ab – Inflationsschutz inklusive.
Was private Immobilieninvestitionen angeht, zeigen sich in Deutschland deutliche regionale Unterschiede. Inwiefern?
Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen vorne. Diese drei Bundesländer sind aus mehreren Gründen Spitzenreiter: Eine starke Wirtschaftskraft, gute Arbeitsmarktbedingungen und steigende Bevölkerungszahlen treffen auf ein hohes Maß an Urbanisierung.
Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zählen traditionell zu den Regionen mit höherem Einkommen und einer großen Nachfrage nach Wohnraum. Bayern und Baden-Württemberg weisen zudem hohe Kaufpreise und damit oft auch höhere Eigenkapitalquoten bei Investoren auf, weil potenzielle Käufer über entsprechende finanzielle Spielräume verfügen.
Welche Rolle spielen Einkommen, Eigenkapital und Arbeitsmarktstruktur bei der Investitionsbereitschaft?
Eine ganz wesentliche. Regionen mit hohem Einkommen und stabiler Arbeitsmarktstruktur ermöglichen es Anlegern, größere Eigenkapitalanteile zu mobilisieren, was wiederum bessere Finanzierungsbedingungen schafft. In Bayern etwa sind die durchschnittlichen Kaufpreise hoch, gleichzeitig investieren Kapitalanleger dort deutlich mehr Eigenkapital als in anderen Regionen. Dagegen sind niedrigeres Einkommen und geringere Eigenkapitaldecke oft eine Barriere für Immobilieninvestitionen in strukturschwächeren Regionen.
Zudem ist die Eigentumstradition ein starker Faktor. In Bundesländern mit hoher Wohneigentumsquote, etwa Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern, sind viele Haushalte nicht nur selbst Eigentümer, sondern auch Vermieter.
Eine höhere Eigentumsquote fördert erfahrungsgemäß auch die Bereitschaft, Immobilien als Kapitalanlage zu nutzen. Im Westen Deutschlands gibt es zudem traditionell mehr private Vermietungshaushalte als in den ostdeutschen Bundesländern. Mentalität und regionale Prägung beeinflussen, wie stark Menschen Immobilien als sichere Altersvorsorge oder Vermögensbaustein sehen.
Seite 1 Immobilieninvestitionen: Deutliche regionale Unterschiede
Seite 2 Welche strukturellen Gründe sehen Sie für die vergleichsweise geringe Zahl privater Investoren in anderen Bundesländern?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können