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Investmentbranche fürchtet Anstieg unethischen Verhaltens infolge von Corona
22. Juni 2020

Investmentbranche fürchtet Anstieg unethischen Verhaltens infolge von Corona

Infolge der Corona-Krise rechnet die deutsche Investmentbranche mit Insolvenzen und einer Konsolidierungswelle, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Jeder zweite der befragten Investmentmanager hat Sorge, unethisches Verhalten in den Finanzhäusern könnte zunehmen.


Infolge der Corona-Krise rechnet die deutsche Investmentbranche mit Insolvenzen und einer Konsolidierungswelle, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Jeder zweite der befragten Investmentmanager hat Sorge, unethisches Verhalten in den Finanzhäusern könnte zunehmen.


Investmentbranche fürchtet Anstieg unethischen Verhaltens infolge von Corona

Welche langfristigen Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die globalen Kapitalmärkte? Im Rahmen einer weltweiten Umfrage hat das CFA Institute Investmentmanager auch in Deutschland befragt. Demnach betrachtet nur jeder zehnte deutsche Umfrageteilnehmer (12%) eine schnelle, V-förmige wirtschaftliche Erholung als wahrscheinlich. Damit liegen die Deutschen in ihrer Einschätzung in etwa gleichauf mit den Marktteilnehmern weltweit (10%). Mit einem Anteil von 39% rechnen die meisten der deutschen Investmentmanager mit einer längeren Abschwungphase und einer U-Erholung. Jeder dritte Befragte zeigt sich pessimistischer und geht von einem sogenannten „Hockey Stick“-Szenario aus, das eine zwei- bis dreijährige Stagnation impliziert.

Jeder zweite Investmentmanager rechnet mit Konsolidierungen

Fast die Hälfte der deutschen Umfrageteilnehmer (43%) erwartet für die Asset-Management-Branche Insolvenzen sowie eine Konsolidierungswelle infolge der Corona-Krise. „Weltweit erwartet immerhin ein Drittel der Finanzexperten Konsolidierungen. Ebenso rechnen die Deutschen mit mehr Unternehmenspleiten als ihre internationalen Kollegen. Angesichts düsterer Wirtschaftsprognosen und wegbrechender Einnahmen gehen die Deutschen offenbar von entsprechenden Narben aus“, betont Susan Spinner, CFA, Geschäftsführender Vorstand der CFA Society Germany. Im Hinblick auf die langfristigen, strukturellen Effekte der Krise gehen die Befragten weltweit von einem Trend zu mehr Skalierung und Automatisierung von Prozessen aus, um Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungspotenziale auszuschöpfen.

Vor allem Deutsche sehen monetäre Finanzierung skeptisch

Einig sind sich die Investmentmanager weltweit darüber, dass milliardenschwere (nationale) Konjunktur- sowie (internationale) Hilfs- und Zentralbankprogramme inklusive quantitativer Lockerung kurzfristig zur Stabilisierung beitrugen. Welcher Kurs künftig eingeschlagen werden soll, dazu bilden sich zwei Lager heraus. Für die einen (49%) sind die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend, um die Wirtschaft nachhaltig zu stützen, während die anderen (49%) ein Rückfahren der Programme fordern und ein schnelles Abtragen der damit verbundenen Schulden. Die meisten deutschen Umfrageteilnehmer (55%) vertreten die Auffassung des zweiten Lagers. Laut CFA Institute werde sogar in keinem anderen Land monetäre Finanzierung mit mehr Skepsis betrachtet. 42% der befragten Investmentmanager hierzulande sind der Auffassung, dass die Kosten hoher Staatsverschuldungen zu Staatsbankrotten führen könnten. International meinen dies nur 28%, wobei Mehrfachnennungen möglich waren.

Jeder zweite Investmentmanager sorgt sich um ethisches Verhalten

Angesichts der Marktverwerfungen fürchtet jeder zweite der hierzulande befragten Investmentmanager (46%) eine Zunahme unethischen Verhaltens in den Finanzhäusern. „Wenn die Investmentbranche ethische Standards, auf die sie sich in Nicht-Krisenzeiten verpflichtet hat, nun relativiert oder gar aussetzt, dann wäre dies ein fatales Signal. Sparer und Anleger, die Finanzdienstleistungen nachfragen, müssen Vertrauen in den Anbieter haben. Dieses Vertrauen speist sich aus der Kompetenz und Ehrlichkeit des Anbieters“, betont Susan Spinner.

Nach Auffassung der Mitglieder des CFA Institute, die sich für ethische und professionelle Standards in der Finanzindustrie engagieren, sollten aufsichtsrechtliche Pflichten und Verhaltensregeln nicht als Reaktion auf die Krise gelockert werden.

Nach Erhalt von Nothilfen keine Dividenden oder Boni ausschütten

Bei der Frage, welche Instrumente den Regulierungsbehörden zur Verfügung stehen, sprachen sich 88% der deutschen Umfrageteilnehmer dafür aus, dass Investmentfirmen, die während der Krise Nothilfen erhalten, keine Dividenden oder Boni ausschütten sollten. Zum Vergleich: Weltweit sind 75% der Befragten dieser Meinung. 72% der Deutschen (weltweit: 83%) sprechen sich gegen ein Verbot von Leerverkäufen während der Krisenphase aus.

Und etwa vier von fünf der deutschen Investmentmanager regen eine Überprüfung der Rolle von ETFs während der Krise an. Damit soll der mögliche systemische Einfluss auf Marktvolatilität, Liquidität, Preisfindung sowie etwaige Panikverkäufe ermittelt werden. (tk)

Bild: © denisismagilov – stock.adobe.com




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