Welche Auswirkungen hat künstliche Intelligenz auf die Beschäftigten privater Versicherungen? Laut einer aktuellen Befragung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) spüren derzeit acht von zehn Befragten keine Verringerung ihres Arbeitspensums durch KI. Rund 90% erleben zudem keine Entlastung vom täglichen Arbeitsdruck, sondern beschreiben sogar eher das Gegenteil. Für über 40% der Beschäftigten entstehen mit der Einführung von KI auch Ängste um ihren Arbeitsplatz, vor allem bei Beschäftigten mit niedrigeren Einkommen, teilt die Gewerkschaft mit.
KI hat großes Potenzial zur Entlastung der Belegschaften
Deniz Kuyubasi, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen, sagt: „Die Beschäftigten sind dabei alles andere als technologiefeindlich.“ Ganz im Gegenteil: 40% der Befragten sehen demnach in verbesserten digitalen sowie KI-Tools das Potenzial zur Entlastung ihrer Arbeitsprozesse. Die Technik sei längst im Arbeitsalltag angekommen: Drei von vier Befragten nutzen bereits KI oder KI-basierte Anwendungen, dabei jüngere Beschäftigte und höhere Einkommensgruppen häufiger als andere.
KI: Längst Praxis, aber Entlastung bleibt noch aus
Die Befragung zeige damit ein bemerkenswertes Spannungsfeld: KI ist längst Praxis, die versprochenen Entlastungseffekte kommen bei den Beschäftigten aber bislang kaum an, heißt es von ver.di. „Am Arbeitsplatz sind noch viel zu wenig echte Verbesserungen zu spüren“, so Kuyubasi vor dem Hintergrund, dass aktuell Verhandlungen zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) für einen Transformationsrahmentarifvertrag laufen, der die wesentlichen Aspekte für KI-Systeme, Digitalisierung und Automatisierung regeln soll. „Für uns sind die Ergebnisse daher ein Auftrag, mit den Arbeitgebern weiter über klare, verbindliche Regeln bei Einführung und Einsatz von KI zu verhandeln.“
60% wünschen sich klare Regeln für KI-Einsatz
Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass 60% der Befragten klare Regeln für den KI-Einsatz dabei besonders wichtig sind. Kuyubasi fordert: „Wir wollen, dass vor der Einführung von KI-Systemen die Auswirkungen auf Beschäftigung, Qualifikation und Arbeitsbedingungen transparent bewertet werden – damit es wirklich zu Entlastungen und Verbesserungen für die Beschäftigten kommt. Und nicht einfach nur zu Technik-Chaos und Arbeitsverdichtung.“
Schlecht eingeführte KI belastet, statt zu entlasten
KI könne bei Routineaufgaben, Recherchen, der Dokumentation oder der Strukturierung von Informationen unterstützen. Werde sie aber schlecht eingeführt, ohne gute Schulungen, hinreichend Zeit und faire Mitbestimmung, sei schnell das Gegenteil der Fall, heißt es. In der ver.di-Befragung sprechen Beschäftigte zudem von zusätzlicher Kontrollarbeit, neuen Korrekturschleifen und mehr Verantwortung ohne echte Unterstützung der Unternehmen.
„Dann scheitert Transformation“
„Das ist nicht nur ein technisches Problem, sondern das ist ein Gerechtigkeitsthema: Wenn KI vor allem zur Kostensenkung, Leistungsverdichtung oder zum Personalabbau eingesetzt wird, verlieren Beschäftigte Vertrauen. So entsteht keine Offenheit für Veränderung, sondern Angst. Und dann scheitert Transformation, zum Nachteil aller Beteiligten“, meint Kuyubasi.
Über die Befragung
ver.di hat im Februar und März 2026 Jahres mehr als 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern befragt. Teilgenommen haben Beschäftigte aller großen Versicherer. Die Befragung, an der sich nicht nur Gewerkschaftsmitglieder beteiligt haben, ist nicht im strengen Sinn repräsentativ, erlaubt der Gewerkschaft zufolge aber einen tiefen Einblick in die Gedanken, Sorgen sowie Forderungen der Beschäftigten. Die kompletten Daten der ver.di-Beschäftigtenbefragung samt Auswertung gibt es hier. (lg)
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