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13. September 2026
KI im Maschinenraum der Assekuranz: Hype vs. Reality-Check

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KI im Maschinenraum der Assekuranz: Hype vs. Reality-Check

KI im Maschinenraum der Assekuranz: Hype vs. Reality-Check

Der größte Hebel liegt nicht im Chatbot

In der öffentlichen Diskussion hingegen wird KI häufig auf Chatbots reduziert. Einfach, weil sie hier – anders als im Maschinenraum der Versicherung – oft nur der sichtbarste Teil einer Entwicklung ist, deren eigentlicher Nutzen an anderer Stelle entsteht. Ich würde fast schon sagen, es sind Leuchtturmprojekte. Denn der wirtschaftliche Mehrwert entsteht vor allem dort, wo KI Mitarbeitende im operativen Tagesgeschäft unterstützt. Dort, wo auf das System eine hohe Frequenz von Interaktion trifft. Wenn Dokumente automatisch klassifiziert werden, Schadenakten innerhalb von Sekunden ausgewertet werden oder Sachbearbeiter auf Knopfdruck strukturierte Zusammenfassungen erhalten, verkürzt sich die Bearbeitungszeit erheblich. Gleichzeitig steigt die Qualität der Entscheidungen, weil Informationen vollständiger und schneller verfügbar sind.

Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Bedeutung. KI ersetzt jedenfalls heute keine erfahrenen Schadenexperten oder Underwriter. Sie entlastet sie aber von zeitaufwendigen Routinetätigkeiten und schafft Freiräume für die Fälle, in denen Erfahrung, Fingerspitzengefühl und menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar bleiben.

Datenqualität entscheidet über den Erfolg

Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt KI kein Selbstläufer. Der Erfolg hängt weniger von der Leistungsfähigkeit eines Sprachmodells ab als von der Qualität der zugrunde liegenden Prozesse und Daten. Ohne strukturierte Daten keine leistungsfähige KI. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, werden schöne KI- Projekte nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben.

Das heißt, dass viele Versicherer den Maschinenraum für die KI zunächst einmal schaffen müssen: Viele Versicherer verfügen über jahrzehntelang gewachsene IT-Landschaften mit unterschiedlichsten Datenquellen und Systemen. Wer KI produktiv einsetzen möchte, muss diese Daten zunächst verfügbar, strukturiert und qualitativ hochwertig machen. Schlechte oder fehlende Daten führen zwangsläufig zu schlechten Ergebnissen – unabhängig davon, wie leistungsfähig die eingesetzte KI ist. Die KI will abliefern, fehlen Daten oder sind sie falsch oder nicht plausibel, baut die KI eigene oder interpretiert Daten – mit anderen Worten: Sie halluziniert.

Innovation mit regulatorischer Sicherheit koppeln

Hinzu kommen regulatorische Anforderungen. Versicherer treffen Entscheidungen mit erheblichen finanziellen Auswirkungen. Deshalb müssen KI-gestützte Prozesse nachvollziehbar, kontrollierbar und revisionssicher sein. Datenschutz, Informationssicherheit und regulatorische Vorgaben sind keine Hindernisse für KI, sondern Voraussetzungen für ihren verantwortungsvollen Einsatz. Gerade Versicherer kennen diese Anforderungen seit Jahren und verfügen über die notwendige Erfahrung, technologische Innovation mit regulatorischer Sicherheit zu verbinden. Das ist die gute Nachricht für unsere Branche.

Vertrauen bleibt ein Wettbewerbsvorteil

Hinzu kommt, dass für Versicherte häufig gar nicht entscheidend ist, ob im Hintergrund KI eingesetzt wird. Entscheidend ist vielmehr, ob der Schaden schneller bearbeitet wird, Rückfragen reduziert werden und die Kommunikation verständlich und zuverlässig erfolgt.

Die beste KI ist häufig diejenige, die Kundinnen und Kunden gar nicht bewusst wahrnehmen. Sie sorgt dafür, dass Prozesse reibungs­loser funktionieren und Mitarbeitende mehr Zeit für persönliche Beratung und komplexe Anliegen haben.

Gleichzeitig wird Transparenz immer wichtiger. Versicherte müssen nachvollziehen können, wann KI unterstützend eingesetzt wird und wann weiterhin ein Mensch die Verantwortung trägt. Dieses Vertrauen entsteht nicht durch möglichst viel Automatisierung, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen und einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien.

Am Ende wird sich der Erfolg von KI deshalb nicht daran messen, wie häufig Unternehmen über sie sprechen. Entscheidend ist, wie tief sie in die Wertschöpfung integriert ist. Die Versicherer, die ihre Prozesse, Daten und Organisation konsequent darauf ausrichten, werden schneller, präziser und wirtschaftlicher arbeiten können. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil entsteht nicht im Schaufenster – sondern im Maschinenraum der Versicherung.

Lesen Sie auch: Wie KI Finanzentscheidungen beeinflusst

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Ein Artikel von
Stephen Voss