Zunehmende Differenzierung bei der Prämienkalkulation
Die Prämienanalyse, die Franke und Bornberg auf Basis von zehn Musterfällen jeweils für Brutto- und Nettobeiträge durchführt, zeigt, dass sich an der Grunddynamik in der vergangenen Dekade trotz mehrfacher Absenkung des Rechnungszinses wenig geändert hat. So betrugen die durchschnittlichen Bruttoprämien im Jahr 2015 für einen Bankkaufmann 107,99 Euro, für einen Maschinenbauingenieur 103,34 Euro und für einen Tischler 228,94 Euro. 2026 lagen die Werte bei 111,84 Euro (Bankkaufmann), 81,67 Euro (Ingenieur) und 217,75 Euro (Tischler).
Besonders auffällig ist laut den Analysten die zunehmende Differenzierung der Berufsgruppen, vor allem bei vermeintlich risikoarmen Tätigkeiten. Diese Feinsteuerung stützt laut Meinung der Analysten den Trend zur Unterkalkulation.
„Wer bei der Prämienkalkulation zu weit geht, erkauft sich Neugeschäft auf Kosten der Stabilität – und das zahlen am Ende die Versicherten“, warnt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. „Gut ist wichtiger als günstig – das gilt in der BU mehr als in jedem anderen Produkt.“
Insgesamt erreichen zehn Gesellschaften in der Kategorie Stabilität die volle Punktzahl: Allianz, Continentale, Cosmos, Debeka, Ergo Vorsorge, Generali, HDI, LV 1871, NÜRNBERGER und Stuttgarter.
Fehler in der Kalkulation werden oft erst viel später sichtbar
Im Bereich kalkulatorische Risiken werden laut den Analysten kalkulatorische Risiken sichtbar gemacht, die im Produktvergleich leicht untergehen. „Hohe Dynamiksätze, weit gefasste Nachversicherungen oder zu schlanke Gesundheitsfragen können im Vertrieb attraktiv wirken“, sagt Reinhard Klages, Analyst des map-report. In der Summe seien es allerdings genau diese Details, die darüber entscheiden, ob ein Tarif für künftige Anpassungen anfällig ist.
Langfristige Stabilität ist wichtiger als ein günstiger Einstiegspreis, resümieren die Experten. Das gehe aber im täglichen Neugeschäft leicht unter. Zudem zeigen sich Fehler in der Kalkulation oft erst Jahre später.
Für die nahe Zukunft sehen die Analysten erst einmal keine Entspannung. Der Wettbewerb um gute Risiken dürfte anhalten, ebenso wie der Druck, Prämien niedrig zu halten und Tarifmerkmale vertrieblich weiter zu öffnen. Da viele der Schwächen in tariflichen Details bzw. der Antragslogik liegen, seien Verbesserungen jedoch grundsätzlich kurzfristig möglich. (js)
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