Ein Artikel von Marvin Fürst, Gründer und CEO von Finance Artisans und InsurBe
Als wir bei InsurBe mit der Entwicklung unserer neuen Website begannen, stand ich vor einer Erkenntnis, die viele Kollegen und Kolleginnen in der Branche überraschen dürfte: Eine schöne Website ist nicht automatisch eine erfolgreiche Website. Als prozessorientierter Mensch, der Automatisierung und datengetriebene Entscheidungen schätzt, wollte ich nicht einfach nur eine weitere Maklerpräsenz im Netz schaffen. Mein Ziel war, eine Plattform zu entwickeln, die tatsächlich Termine generiert und echtes Kundeninteresse weckt. Dabei habe ich einige schmerzhafte, aber wertvolle Lektionen gelernt.
Die größten Learnings: Was ich heute anders machen würde
Ich war überzeugt, durch meine Erfahrung und mein Gespür zu wissen, was funktioniert. Diese Annahme kostete uns vermutlich viele Conversions. Erst als ich begann, systematisch A/B-Tests durchzuführen, offenbarte sich eine ernüchternde Wahrheit. Zur Erklärung: Bei einem A/B-Test laufen zwei Varianten einer Seite gleichzeitig – ein Teil der Besucher sieht Version A, der andere Version B. Nach ausreichend Datenpunkten entscheidet dann die Conversion-Rate, welche Variante gewinnt.
Aber zurück zur erwähnten ernüchternden Wahrheit: Meine ästhetisch ansprechende, durchdachte Variante einer Produktseite wurde von einer deutlich simpleren Version geschlagen. Die „hässlichere“ Variante mit größeren Buttons, weniger Whitespace und direkterer Sprache konvertierte signifikant besser.
Diese Erkenntnis hätte früher kommen können, wenn ich von Anfang an datengestützte Entscheidungen getroffen hätte. Heute würde ich keine einzige wichtige Designentscheidung mehr ohne vorherige Tests treffen. Das bedeutet nicht, dass Design unwichtig ist, aber es muss der Conversion dienen, nicht umgekehrt.
Ein zweiter großer Fehler war die Selbstdarstellung. Wie viele Makler habe ich anfangs zu viel Platz für Informationen über mich und mein Unternehmen reserviert. Die harte Wahrheit: Unsere Besucher interessieren sich zunächst nicht für uns, sondern für ihre Probleme und deren Lösungen. Erst wenn wir Relevanz bewiesen haben, entsteht Interesse an dem Menschen dahinter.
Der dritte Fehler betraf die Informationsarchitektur. Ich hatte angenommen, dass mehr Information zu besseren Entscheidungen führt. Tatsächlich führte sie zu Überforderung. Die Kunst liegt darin, Informationen progressiv zu enthüllen – genug zum Verstehen, nicht zu viel zum Erschlagen.
Ein konkretes Beispiel: Auf unserer Seite zur privaten Krankenversicherung hatten wir anfangs ausführliche Erklärungen zu Tarifstufen, Selbstbehalten und Leistungsunterschieden zwischen den Anbietern. Alles fachlich korrekt, aber für jemanden, der gerade neu in Deutschland ist und sich zum ersten Mal mit dem Thema auseinandersetzt, schlicht zu viel auf einmal. Nach dem Umbau beginnen wir mit einer einfachen Frage: Bist du Arbeitnehmer, selbstständig oder Student? Erst danach folgen die relevanten Details individuell zugeschnitten. Die Absprungrate sank deutlich.
Ein vierter Aspekt, den ich unterschätzt hatte, war die Integration echter Beratungselemente in die digitale Präsenz. Anfangs trennten wir zu stark zwischen „Website“ und „Beratung“. Heute würde ich von Beginn an interaktive Tools einbinden, etwa einfache Bedarfsrechner oder Vergleichstools, die bereits online einen Mehrwert schaffen – und nicht erst im persönlichen Gespräch.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse von über 17.000 Besuchern
Die Daten sprachen eine klare Sprache, was die Endgeräte unserer Besucher angeht: 70% besuchten unsere Website via Smartphone. Somit war die Entscheidung klar: Mobile first!
Mindestens genauso aufschlussreich war das Interaktionsverhalten auf der Website. In den verschiedenen A/B-Tests haben wir herausgefunden, dass jeder Klick und jedes Scrollen Conversion kostet. Doch es gab zwei grundlegend verschiedene Besucherkategorien: die, die eine schnelle Lösung wollten, und diejenigen, die erst Informationen brauchten.
Somit waren auf der einen Seite klare Call-to-Actions für entscheidungsfreudige Besucher gefragt, beispielsweise direkte Aufforderungen wie „Finde heraus, welches Produkt am besten zu dir passt“. Auf der anderen Seite mussten wir genügend Informationen bereitstellen für diejenigen, die sich zunächst einlesen wollen, bevor sie Vertrauen fassen. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen zu finden, war die eigentliche Herausforderung.
Handlungsempfehlungen
Wenn du eine Website für dein Maklerbüro planst oder überarbeitest, empfehle ich dir drei zentrale Grundsätze.
- Vergiss, was du schön findest. Teste stattdessen, was funktioniert. Investiere in grundlegende Analytics und A/B-Testing-Tools. Die Investition amortisiert sich bereits nach wenigen gewonnenen Kunden.
- Definiere klare Conversion-Ziele, bevor du auch nur eine Zeile Text schreibst. Ist es eine Terminbuchung? Ein Download? Eine Kontaktanfrage? Jede Seite deiner Website sollte genau einem Ziel dienen. Alles, was von diesem Ziel ablenkt, gehört reduziert oder entfernt. Das gilt besonders für Informationen über dich selbst – so schwer das auch fallen mag.
- Baue für mobile Nutzer, nicht für deinen Desktop-Monitor. Teste jede Änderung auf dem Smartphone. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass deine Interessenten dich abends auf der Couch finden, nicht mittags am Schreibtisch. Entsprechend sollte die mobile Erfahrung nicht nur „auch funktionieren“, sondern im Mittelpunkt deiner Konzeption stehen.
Fazit
Der Aufbau unserer Website war ein Lernprozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Die wichtigste Erkenntnis für mich: Erfolgreiche digitale Präsenz im Maklergeschäft entsteht nicht durch kreative Intuition, sondern durch systematisches Testen, Messen und Optimieren. Design muss der Conversion folgen, nicht umgekehrt. Und der Kunde steht im Mittelpunkt, nicht wir. Diese Prinzipien mögen nicht revolutionär klingen, aber ihre konsequente Umsetzung macht den Unterschied zwischen einer Website, die kostet, und einer, die verdient. Als Finalist des Jungmakler Awards 2025 kann ich sagen: Der Weg dahin führte über viele kleine Fehler und die Bereitschaft, aus ihnen zu lernen.
Über den Autor
Marvin Fürst probiert gerne Neues aus. Mit Finance Artisans hat er es 2025 ins Finale des Jungmakler Awards geschafft. Für finance-artisans.de hat er damals einen eigenen KI-Chatbot gebaut. Jetzt greift er mit InsurBe die digitale Versicherungslandschaft an – und zwar von Grund auf. Die Website insurbe.com stammt – mit Unterstützung seiner Mitarbeiter – erneut aus eigener Feder.
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