In der Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) rückt ein Thema zunehmend in den Fokus: die Sorge vor steigenden Beiträgen im Alter. Viele Kunden beschäftigt die Frage, wie sich die finanzielle Belastung auch im Ruhestand langfristig tragen lässt. Entsprechend stehen Versicherungsmakler vor der Herausforderung, geeignete Instrumente einzusetzen, um frühzeitig gegenzusteuern. Eine mögliche Lösung sind Beitragsentlastungstarife.
Funktionsweise, Vorteile und Bestandslage von Beitragsentlastungstarifen
Beitragsentlastungstarife bieten PKV-Versicherten die Möglichkeit, durch einen zusätzlichen monatlichen Beitrag gezielt Kapital aufzubauen, um die Krankenversicherungsbeiträge im Rentenalter zu reduzieren. Besonders für Arbeitnehmer kann dieses Modell passend sein: Solange der maximale Arbeitgeberzuschuss noch nicht ausgeschöpft ist, beteiligt sich der Arbeitgeber an den Aufwendungen. Hinzu kommt ein steuerlicher Ansatz, denn die Beiträge zur Entlastungskomponente sind im Rahmen des Bürgerentlastungsgesetzes anteilig steuerlich absetzbar.
Zahlen zum Bestand an Beitragsentlastungstarifen werden vom PKV-Verband statistisch nicht erfasst. Buchungstechnisch handelt es sich um „modifizierte Beitragszahlungen“, die dem Bereich zugeordnet werden, in dem die spätere Entlastung greift, wie der Verband erklärt. Die Prämien für Beitragsentlastungstarife fließen im Wesentlichen in den Bereich der Krankheitskostenvollversicherung ein. Auch einzelne Versicherer informieren nicht über die Zahlen.
Entlastungstarife in der Maklerpraxis
Spannend wird die Frage jedoch, wie Versicherungsmakler das Thema in der Praxis aufgreifen. Eine aktuelle Befragung im Rahmen der AssCompact Studie „Kranken- und Pflegeversicherung 2026“ liefert hierzu aufschlussreiche Einblicke und zeigt, welche Rolle Beitragsentlastungstarife in der Beratung tatsächlich spielen.
Rund 44% der befragten Makler geben an, dass sie ihren Neukunden in der PKV regelmäßig einen Beitragsentlastungstarif anbieten, um die späteren Prämienbelastungen zumindest teilweise abzufedern. Und 27% vermitteln eine Vollversicherung sogar grundsätzlich nur zusammen mit einem solchen Entlastungstarif.
Aus Sicht der Versicherer ist dies eine sinnvolle Maßnahme. Saskia Ostermann, Leiterin Geschäftsfeldentwicklung für die Krankenvollversicherung bei der BarmeniaGothaer, die nach vorläufigen Zahlen 2025 rund 9.000 Vollversicherte neu gewinnen konnte, erklärt dazu: „Beitragsentlastungstarife sind eine sinnvolle Sache, die zu jeder privaten Krankenversicherung einfach dazugehören. Sie sorgen dafür, dass die finanzielle Belastung im Alter spürbar sinkt und die PKV-Vorteile gerade dann bezahlbar bleiben, wenn sie am wichtigsten sind.“
Ob Versicherungsmakler im Vergleich dazu eine Abwägung treffen, ob beispielsweise ETFs oder andere Altersvorsorgeformen einen ähnlichen Zweck erfüllen können, wurde in der Studie nicht untersucht.
Seite 1 PKV-Beitragsentlastungstarife und ihre Rolle für Makler
Seite 2 Kundenakzeptanz und Kritik an Beitragsentlastungstarifen
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
Leserkommentare
Comments
Ander rum wird ein Schuh draus
Hallo, wer sagt denn, das die Makler am Ende kein Haftungsproblem bekommen, wenn sie die Beitragsentlastungstarife anbieten? Ich glaube eher, dass diese Tarife noch ein Haftungsproblem für die Makler darstellen werden. Diese Tarife sind doch nichts anderes als klassische Rententarife, die im Mantel einer "Beitragsentlastung" daher kommen. Viele Kunden werden sich noch erstaunt die Augen reiben, wie wenig am Ende für das sauer verdiente Geld, was sie über Jahre und Jahrzehnte in guter Absicht an die Versicherer gezahlt haben, raus kommt. Ich ahne, auf wen der Kunde dann zuerst zu kommt....
Aus diesem Grund kläre ich die Kunden auf, was ein Beitragsentlastungstarif ist und welche Alternativen es dazu gibt. Am Ende entscheidet der Kunde selbst. Zur Wahrheit gehören aber auch andere Wege. Dazu gehört auch ein guter ETF-Fonds, der breit gestreut ist. Wichtig dabei ist, dass die Kunden die gesparte Kohle auch darin investieren und bis zum Rentenbeginn nichts davon ausgeben. Bei Laufzeiten von 20-30 Jahren oder mehr ist mit an Sicherheit grenzender Wahrescheinlichkeit wesentlich mehr im Topf als in einem Beitragsentlastungstarif. Auch das Argument, nur eine Rentenversicherung können in diesem Umfang "verrenten" ist Käse. Auch hier wird von Seiten der Anbieter mathematisch auf Statistiken gesetzt. Das dieses Statistiken mit Sterberisikoanteilen und mit variablen Rentenfaktoren ausgestattet zu Gunsten der Versicherer eingesetzt werden, erklärt sich von selbst (und damit zum Nachteil des Kunden).
Entnehme ich so einem Kapitaltopf nicht mehr als der Beitragsentlastungstarif zugeschossen hätte, reicht das Geld wahrscheinlich über den Tod hinaus, der Kunde hat dadurch z.B. bei einer Finanzierung offiziell Eigenkapital (was er bei dem Beitragsentlastungstarif der Versicherung nicht hat), eine bessere Bonität und somit günstigere Konditionen und im Erbfall ist auch noch was da. Bei der KV freut sich im Todesfall vor dem Rentenbeginn immer! die Gesellschaft; die Hinterbliebenen gehen leer aus.
Meiner Meinung nach wäre die korrekte Beratung: Depot bei einer Direktbank aufmachen und Dauerauftrag in einen soliden ETF-Fonds einrichten. Alles Andere freut den Vermittler mit erhöhter Provision oder die Gesellschaft.
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können