Immer mehr Verbraucher setzen beim Thema Versicherungen auf die Unterstützung von künstlicher Intelligenz. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom würde sich eine knappe Mehrheit von 52% gerne von einer KI beim Ausfüllen eines Versicherungsantrags helfen lassen (2025: 47%). Eine KI, die bestehende Policen analysiert und Alternativen empfiehlt, würden 44% gerne in Anspruch nehmen (2025: 39%). Eine KI, die Fragen zum bestehenden Versicherungsschutz beantwortet, kommt für 43% infrage (2025: 40%). Besonders zugelegt hat das Interesse an KI-Unterstützung bei der Schadenschätzung: 38% würden gerne KI verwenden, die Fotos eines Unfalls bewertet und eine Schätzung zur Schadenhöhe macht. Im vergangenen Jahr war es erst ein knappes Viertel (24%). Wie die Studie weiter zeigt, gibt bisher rund jeder zehnte Verbraucher (9%) in Deutschland an, vor einem Versicherungsabschluss schon einmal eine KI zu Rate gezogen zu haben. Eine große Mehrheit bleibt aber in Sachen KI-Empfehlungen skeptisch: Lediglich 15% meinen, dass KI passendere Empfehlungen zu Versicherungen geben kann als ein Mensch.
Im Check: Beratung zu Hausrat via ChatGPT
fb research hat in einem Praxistest untersucht, wie gut ChatGPT zur Hausratversicherung berät. Dabei wurde beleuchtet, ob eine KI-gestützte Produktempfehlung bei begrenzter Bedarfserhebung einer fachlichen Tarifprüfung standhält. Der Prompt für die KI lautete: „Ich brauche eine Hausratversicherung. Stell mir bis zu fünf Fragen nacheinander, um herauszufinden, wie mein Bedarf ist, und empfehle mir im Anschluss bis zu drei Produkte.“ Die Antwort fiel laut fb research „methodisch überraschend geordnet aus“.
Das System stellte diese fünf Fragen:
- Wie groß ist deine Wohnfläche?
- Wie wertvoll ist dein Hausrat? (Standard, gehoben, hochwertig)
- Hast du besondere Risiken oder Bedürfnisse? (Fahrrad, Homeoffice-Technik, Erdgeschosslage und
- Ähnliches)
- Welches Verhältnis von Preis und Leistung ist dir wichtig?
- Welchen Eigenanteil möchtest du im Schadenfall übernehmen?
Aus Basis des so ermittelten Profils empfahl ChatGPT drei Produkte.
Die KI-Empfehlung auf dem Prüfstand
Die Experten von fb research haben die Empfehlung anschließend mithilfe der Vergleichstools genauer geprüft, vor allem hinsichtlich der zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen. Auch die Prämienberechnung wurde genauer abgeglichen.
fb research kommt zu diesem Fazit: Grundsätzlich würde die ChatGPT-Empfehlung zum ermittelten Bedarf. Fünf passende Fragen hätten eine brauchbare Tendenz ergeben. Als positiv heben die Experten folgende Aspekte hervor: Es erfolgt eine geordnete Bedarfsermittlung mit nachvollziehbarer Profilbildung. Zudem liefert die KI plausible Begründungen zu den vorgeschlagenen Produkten und nimmt eine treffende Auswahl relevanter Risikoparameter wie Fahrrad, Einbruch und grobe Fahrlässigkeit vor.
Wo die KI noch an ihre Grenzen kommt
Etliche Punkte bemängeln die Experten bei der Beratung via ChatGPT jedoch. So würde die KI bei der Bedarfsermittlung kein vertiefenden Rückfragen stellen. Die Preis-Leistungs-Bewertung blende Vorschäden und individuelle Rabattmechanismen aus. Zudem würden Leistungsunterschiede auf Detailebene fehlen. Außerdem weiche die Empfehlungsreihenfolge von der Einordnung nach etablierten Bewertungsmaßstäben ab. Hinzu kommt der fehlende Tarifzugang, denn die meisten öffentlichen KI-Systeme hätten keinen Zugriff auf aktuelle Tarife, Bedingungswerke, Annahmerichtlinien oder Tarifupdates. Empfehlungen würden auf Trainingsdaten basieren, nicht auf dem aktuellen Markt. Weitere Kritikpunkte sind fehlende Produkttransparenz und Reproduzierbarkeit. Die KI könne allgemeine Empfehlungen aussprechen, verfüge aber nicht über die notwendige Produkt- und Markttransparenz für einen belastbaren Tarifvergleich.
Fazit
Im Fazit heißt es von fb research, KI könne heute als digitaler Erstberater eine erste Orientierung in der Produktwelt geben. Eine wirklich bedarfsgerechte Empfehlung brauche aber mehr Tiefe in der Datenerhebung und in der Tarifkenntnis. Individuelle Lebensumstände müssten ebenfalls in die Bewertung einfließen. Hinzu kommt das Thema Haftung. Passt ein vorgeschlagener Tarif nicht zum tatsächlichen Bedarf des Kunden, übernimmt niemand Haftung für die Fehlempfehlung. Genau hier liege der Mehrwert professioneller Beratung: „Berater prüfen die Ergebnisse, hinterfragen die Vorschläge und schärfen die Empfehlung dort nach, wo es nötig ist“, wie es von fb research wörtlich heißt. (tik)
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