Das Analysehaus Franke und Bornberg hat den aktuellen Jahrgang seines Ratings zur privaten Rechtsschutzversicherung vorgelegt. Das Interesse an Rechtsschutzversicherungen ist laut den Experten ungebrochen. Rund 26 Millionen Verträge bestanden im Jahr 2025 nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV). Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Kosten für Rechtsschutz steigen: Durch das Kosten- und Betreuervergütungsrechtsänderungsgesetz 2025, das zur Jahresmitte des vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, sind u. a. Rechtsanwalts- und Gerichtsgebühren deutlich angestiegen. Laut dem GDV sind die Schadenaufwendungen in der privaten Rechtsschutzversicherung im Jahr 2025 von 3,8 Mrd. Euro im Vorjahr auf 4,1 Mrd. Euro gestiegen.
Qualität steigt, aber nur langsam
Für den aktuellen Ratingjahrgang haben die Experten 254 Tarife und Tarifvarianten von 38 Versicherern analysiert. Wie bereits in den Vorjahren orientiert sich das Rating an vier Leistungsbereichen: Privat-, Berufs-, Verkehrs- sowie Wohnungsrechtsschutz. Es werden nur Tarife bewertet, die alle Bereiche abdecken. Ebenso wie bereits in den Vorjahren unterscheidet das Rating zudem zwischen Tarifen für Familien und für Singles.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen: Die Qualität steigt, allerdings mit überschaubarem Tempo. Während mehr als sechs von zehn Tarifen mindestens mit „sehr gut“ bewertet werden, kommt ein Fünftel über die Note „befriedigend“ nicht hinaus.
Vorsorgliche Rechtsberatung und Internetrechtsschutz bleiben lückenhaft
Einige Tarife scheitern an den Mindeststandards, die sicherstellen sollen, dass hoch bewertete Produkte in allen Bewertungskategorien überdurchschnittliche Qualität aufweisen. Vor allem beim Thema vorsorgliche Rechtsberatung bleibt Spielraum nach oben – viele sehr gute Tarife bieten keine anwaltliche Beratung an, solange noch kein Rechtsschutzfall vorliegt, also genau dann, wenn frühzeitiges Handeln einen Streit vermeiden könnte, erklären die Experten. Damit verfehlen sie eine Einstufung in der höchsten Bewertungskategorie.
Tarife mit einer Bewertung unterhalb von FFF („sehr gut“) zeigen Schwächen vor allem beim Arbeitsrechtsschutz, Immobilienrechtsschutz sowie beim außergerichtlichen Verwaltungs-, Steuer-, oder Sozialrechtsschutz. Auch im Internetrechtsschutz und im Rechtsschutz für Erb-, Familien-, und Lebenspartnerschaftsrecht bleiben manche Angebote laut Franke und Bornberg hinter dem erreichbaren Niveau zurück.
Allgemein betrachtet steht bei Rechtsschutztarifen vorwiegend die Leistung im Vordergrund. Ein aggressives Pricing wie in anderen Sparten sehen die Analysten hier nicht. Finanzieller Spielraum wird eher mit variablen Selbstbehalten bei Schadenfreiheit geschaffen.
Ein Fünftel der Tarife höchstens „befriedigend“
Die Bewertung für das Rating basiert ausschließlich auf rechtsverbindlichen Unterlagen: Versicherungsbedingungen, verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare und Versicherungsschein. Nicht in die Bewertung eingeflossen sind Selbstauskünfte der Versicherer oder werbliche Angaben.
Im Segment Familie analysieren die Experten insgesamt 81 Kriterien. Knapp 12% der Tarife können die Bestnote erreichen, das ist eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Jeder zweite Tarif erhält die Bewertung „sehr gut“ (FFF), weitere 15% erhalten eine „gute“ (FF+) Bewertung. Allerdings kommt jeder fünfte Tarif nicht über die Note FF („befriedigend“) hinaus.
Im Segment Single, das auf Basis von 74 Kriterien bewertet wird, ergibt sich ein ganz ähnliches Bild (siehe Grafik). Auch hier können sechs von zehn Tarifen mit einer „sehr guten“ (FFF) oder sogar „hervorragenden“ (FFF+) Bewertung aufwarten – doch, genau wie bei den Tarifen für Familien, wird auch hier ein Fünftel nur als „befriedigend“ oder schlechter eingestuft.
Unterschiede zwischen Tarifen sind „beträchtlich“
Diese Lücken können im Leistungsfall spürbar werden, warnt Franke und Bornberg. „Rechtsschutz ist längst kein Standardprodukt mehr – die Unterschiede zwischen den Tarifen sind beträchtlich“, sagt Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH. „Wer bei der Auswahl nur auf die Prämie schaut, riskiert im Ernstfall böse Überraschungen.“ (js)
Die vollständigen Ergebnisse des Franke und Bornberg Rating Private Rechtsschutzversicherung 2026 können auf der Website des Analysehauses eingesehen werden.
Lesen Sie auch: Rechtsschutz: Makler favorisieren diese Schadenregulierer
Die Rechtsschutzversicherer mit den höchsten Durchschnittsprämien
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können

