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30. April 2021
Rentenexperte würde Politikern keinen Staatsfonds anvertrauen

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Rentenexperte würde Politikern keinen Staatsfonds anvertrauen

Rentenniveau wird auf unter 40% sinken

Perspektivisch führe unter diesen Umständen nichts an einer Absenkung des Rentenniveaus auf 37–38% vorbei (aktuell ca. 48%). Außerdem werden die Versicherten nach Ansicht des Rentenexperten länger arbeiten müssen. Dafür schlägt Raffelhüschen eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vor. Und auch der aktuell pausierte Nachhaltigkeitsfaktor müsse dringend wieder reaktiviert werden.

Grüner gibt Contra

Bei den beiden eingeladenen Politikern überzeugte Raffelhüschen mit seinen Ausführungen nicht. Markus Kurth, der rentenpolitische Sprecher der Grünen, warf dem Wissenschaftler vor, er verkürze seine Kritik unzulässig. Die absoluten Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung stiegen zwar kontinuierlich, setze man die Ausgaben aber in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), blieben die Ausgaben seit ca. 20 Jahren nahezu konstant bei unter 10% des BIP. Außerdem sei die gesetzliche Rentenversicherung nicht eine von drei Säulen, sondern das Fundament, auf das sich gerade Geringverdiener verlassen können müssten, die weder privat noch über eine bAV ausreichend fürs Alter vorsorgen könnten.

CDU-Politiker will bAV stärken

Auch Peter Weiß, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der Unionsfraktion im Bundestag, wollte die Kritik nicht ohne Weiteres auf sich sitzen lassen. Seiner Aussage nach, habe die SPD in der großen Koalition viele sinnvolle Reformen blockiert. Das Rentenniveau zu stark absinken zu lassen, lehnt der CDU-Politiker jedoch ab. Man müsse im Ruhestand auch von seiner Rente leben können. Er könne sich jedoch eine Stärkung der bAV, die Ausübung eines gewissen Vorsorgezwangs auf die Bürger und eine Abkehr von der 100%-igen Beitragsgarantie gut vorstellen.

Grüne wollen Bürgerfonds

An diesen Punkt konnte Kurth anknüpfen und das Konzept der Grünen für einen Bürgerfonds als Standardprodukt in der bAV vorstellen – der auch gleichzeitig als Riester-Ersatz dienen soll. Dabei handelt es sich um einen Fonds, in den alle Bürger einzahlen, sofern sie nicht aktiv ablehnen (Opt-out-Modell). Der Fonds würde öffentlich-rechtlich verwaltet und könnte aufgrund seiner Größe mit niedrigen laufenden Kosten angeboten werden.

Norwegischer Staatsfonds ist kein Konzept für Deutschland

Raffelhüschen wiederum zeigte sich von dem Konzept nicht überzeugt. Zwar sei beispielsweise der norwegische Staatsfonds ein Erfolgsmodell, aber nur deshalb, weil die Norweger aus dem durch Erdölreichtum entstandenen Überfluss agieren könnten. Der deutschen Politik würde er einen derartigen Fonds jedoch nicht anvertrauen. „Das ist, als würde ich einem Hund zwei Knochen hinwerfen und sagen, einer ist für morgen.“ Der Anlagestrategie des norwegischen Staatsfonds kann Raffelhüschen jedoch durchaus etwas abgewinnen. Dem sei es nämlich explizit verboten, in Staatsanleihen zu investieren. (tku)

Bild: © anut21ng Stock – stock.adobe.com

 

Leserkommentare

Gespeichert von Wilfried Stras… am 05. Mai 2021 - 09:08

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Bemerkenswert ist, dass die Unfinanzierbarkeit der Beamten/Politiker/Richterpensionen mit einem Rückstellungsdefizit von 3 BILLIONEN EURO in Zahlen € 3.000.000.000.000,00 nicht in Frage gestellt wird. Das in besten Wirtschaftszeiten entstand, im angeblich SCHULDENFREI Deutschland. Ein Privileg das in erfolgreichen Nachbarstaate wie in A, CH, NL längst, wegen Unfinanzierbarkeit, abgeschafft wurde. Schröder SPD hatte den Mut genau diese Problematik anzugehen und eliminierte damit die Volkspartei SPD. Das hat Merkel in 3 Regierungszeiten nicht annähernd geschafft. Wenn hier nur die SPD erwähnt wird, die im Gegensatz zu Kohl und Merkel auch noch die Steuersätze senkte, ist in diesem Forum natürlich nicht erwähnenswert, auch weshalb Merkel in 3 Regierungsperioden, daran nichts änderte.