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1. April 2021
Reputation der Versicherer bei Wirtschaftsunternehmen auf Tiefstand

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Reputation der Versicherer bei Wirtschaftsunternehmen auf Tiefstand

Es geht einmal mehr um den Ruf der Versicherer: In einer aktuellen Umfrage bei Unternehmen bewerten 80% der für den Versicherungsbereich Verantwortlichen die Reputation der Versicherer als sehr schlecht. Schuld sind Prämienerhöhungen und schlechte Kommunikation. Makler schneiden deutlich besser ab.

Die Versicherungswirtschaft hat ein schlechtes Image. Das ist in der breiten Öffentlichkeit so und spätestens seit dem Desaster in der Betriebsschließungsversicherung im Gewerbebereich. Wie ein roter Faden zieht sich die schlechte Reputation auch durch die Industrieversicherung. Dort herrschen seit geraumer Zeit ein harter Markt und ein rauer Ton. Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) mahnt deshalb seit Monaten bei den Versicherern ein Vorgehen mit Augenmaß an und hat nun sein Anliegen mithilfe einer Mitgliederumfrage untermauert.

Demnach bewerten knapp 80% der rund 100 an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen die Reputation der Industrieversicherer als sehr schlecht, weitere 6% als schlecht. Die Gründe dafür liefert die Studie direkt hinterher. So mussten alle Teilnehmer ohne Ausnahme bei den letzten Vertragsverlängerungen höhere Prämien akzeptieren. Rund 85% standen reduzierten Kapazitäten gegenüber und fast drei Viertel waren von zusätzlichen Ausschlüssen und anderen Deckungseinschränkungen betroffen.

Höhere Prämien trotz niedriger Schadenquote

Nicht jede Sparte ist davon gleichermaßen betroffen. Im Fokus stehen die Sparten Sach/BU-Versicherung, Haftpflicht und Cyber. In der Sparte Sach/BU haben sich die Prämien beim letzten Renewal bei rund 75% der Unternehmen erhöht, nicht selten bis 50%. Mit den Schadenquoten korrespondiere das nicht, so Dr. Alexander Mahnke von der Siemens AG und GVNW-Vorstandsvorsitzender. 79% der Mitglieder haben Schadenquoten von unter 50% und 99% sogar von unter 100%. Die Spreizung zeigt, dass die Vertragssanierung über die Gesamtbestände stattfindet und nicht auf einzelne Risiken und Kunden bezogen ist.

In der Haftpflichtversicherung und in der Cyberversicherung sieht es ähnlich aus. In der D&O-Versicherung hätten bei 83% der Unternehmen Prämienerhöhungen stattgefunden. Bekannt ist, dass die Branche lange Zeit zu günstig bepreist war. Jetzt mussten viele Unternehmen neben Preiserhöhungen auch schlechtere Versicherungsbedingungen, niedrigere Versicherungssummen und – seltener – höhere Selbstbehalte hinnehmen.

Ernüchterung in der Cyberversicherung

Wie in der D&O-Versicherung waren wohl auch Cyberversicherungen anfangs zu niedrig bepreist. Noch vor wenigen Jahren haben die Versicherer den Unternehmen die Sparte schmackhaft gemacht. Der anfänglichen Goldgräberstimmung folgte Ernüchterung. Auch hier gab es sowohl starke Prämienanpassungen nach oben als auch Einschränkungen in der Deckung. Mahnke bezeichnet dies als bedauerlich. Zudem habe der GVNW schon im Jahr zuvor gebeten, ein gewisses Augenmaß walten zu lassen, wenn es um die Bereitstellung von Kapazitäten geht. Die Entwicklung steigere nicht gerade das Vertrauen in die Cyberversicherer und den Markt im Allgemeinen.

Die Maßnahmen der Versicherer bleiben bei den Wirtschaftsunternehmen nicht ohne Schlussfolgerungen. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer prüfen mittlerweile alternative Risikotransfer-Lösungen, darunter auch die Gründung von Captives oder das Nutzen entsprechender Strukturen. Das zeige im aktuellen Umfeld ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Versicherungsmarkt und den handelnden Personen, erklärte Mahnke in der vergangenen Woche bei einem virtuellen Pressegespräch.

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