Warum Versicherer reagieren (müssen)
Doch welche Versicherer dürften von dieser Entwicklung besonders betroffen sein? Nach Einschätzung von Stefan Heyers könnten vor allem kleinere und mittlere Anbieter unter Druck geraten. Grundsätzlich gelte dies aber für alle Gesellschaften mit geschlossenen klassischen Beständen, hohen Fixkosten oder umfangreichen Transformationsprojekten – etwa im IT-Bereich. Auch Versicherer, die sich strategisch stärker auf wachstumsstarke Geschäftsfelder wie Fondspolicen oder biometrische Risiken konzentrieren wollen, würden häufiger eine Trennung von Altbeständen prüfen.
Mehr Bewegung im Markt
Bei Viridium wird die Fragmentierung des deutschen Lebensversicherungsmarktes als zentrales strukturelles Problem angesehen. „Nur die fünf größten Lebensversicherer haben jeweils mehr als 5% Marktanteil – und Viridium ist einer davon“, erklärt CEO Dr. Tilo Dresig. Mehr als zwei Drittel der rund 80 Lebensversicherer in Deutschland kämen dagegen jeweils auf weniger als 1% Marktanteil. Das führe zu hohen, wenig flexiblen Kostenstrukturen und liege letztlich nicht im Interesse der Kunden.
Vor diesem Hintergrund rechnet Dresig mit einer weiteren Konsolidierung des Marktes. „Entsprechend sehen wir viele M&A-Dialoge. Das Momentum ist sehr gut. Viridium führt aktuell eine Reihe an relevanten Gesprächen mit verschiedenen Marktteilnehmern zu möglichen Transaktionen. Wir sehen mehr Interesse an unserem Geschäftsmodell als jemals zuvor.“
Mehr Wettbewerb durch neue Vorsorgeprodukte
Fest steht: Die Reform der privaten Altersvorsorge dürfte die Wettbewerbslandschaft der Lebensversicherer nachhaltig verändern. Lars Heermann von der Assekurata sieht die Branche vor allem vor der Herausforderung, sich in einem deutlich breiteren Wettbewerbsumfeld zu behaupten. Denn Kosten, Transparenz, digitale Abschlussfähigkeit und einfache Verständlichkeit würden stärker in den Fokus rücken.
Für Heermann liegt deshalb eine zentrale Aufgabe der Branche darin, den eigenen Mehrwert gegenüber neuen Wettbewerbern klarer herauszustellen. „Die Herausforderungen liegen darin, dass die Mehrwerte von Lebensversicherungen künftig stärker erklärt und preislich gerechtfertigt werden müssen. Ein Versicherer wird beispielsweise nicht die Kostenstruktur eines Neobrokers abbilden können. Umso mehr muss er zeigen, welche Vorteile er den Kunden bieten kann, beispielsweise mit Blick auf Langlebigkeitsschutz, Risikoausgleich, planbare und justierbare Rentenphase sowie persönliche Beratung.“
Beides im Fokus: Neukunden und Bestände
Es bleibt also festzuhalten, dass die Altersvorsorgereform nicht nur die Produktlandschaft der Lebensversicherer, sondern auch die Beratung verändern werden. Zudem werden auch strategische Fragen rund um Bestände weiter in den Mittelpunkt rücken. Während einige Anbieter ihre Altbestände intern weiterführen und optimieren werden, könnten andere den Verkauf an spezialisierte Run-off-Anbieter als Möglichkeit nutzen, Kapital und Ressourcen für das zukünftige Vorsorgegeschäft freizusetzen. (bh)
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Seite 1 Run-offs in der Lebensversicherung: Das Altersvorsorgedepot als Treiber?
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