Die Künstliche Intelligenz (KI) verändert nach Einschätzung vieler Versicherungsmakler die Schadenregulierung im Kompositgeschäft und bekommt in Zukunft noch mehr Gewicht. Das zeigt eine Befragung im Rahmen der AssCompact AWARD-Studie „Privates Schaden-/Unfallgeschäft 2026“. Dabei wurden Versicherungsmakler unter anderem dazu befragt, wie sie verschiedene Entwicklungen rund um die digitale und KI-gestützte Schadenregulierung einschätzen.
KI gewinnt in der Schadenbearbeitung an Bedeutung
Bereits heute setzen Versicherer in der Schadenregulierung auf KI. Vor allem bei unkomplizierten Schadenfällen können KI-gestützte Prozesse zum Einsatz kommen, während unklare oder komplexe Fälle weiterhin von einem Schadenbearbeiter geprüft werden. Die Bedeutung dieser Technologie wird aus Sicht der meisten Makler jedenfalls künftig weiter zunehmen. 69% der Befragten stimmen der Aussage zu, dass KI künftig eine zentrale Rolle in der Schadenbearbeitung spielen wird. Ein Viertel der Makler zeigt sich bei dieser Einschätzung hingegen unentschieden und antwortet mit „teils/teils“.
Digitalisierungsstand bleibt ausbaufähig
Möglicherweise spiegelt sich diese Zurückhaltung auch in der Bewertung des aktuellen Digitalisierungsstands wider. Denn bei der bereits bestehenden Digitalisierung der Schadenregulierung zeigt sich ein differenziertes Bild: 40% der Befragten stimmen zu oder eher zu, dass die Schadenregulierung bei den Versicherern bereits umfassend digitalisiert ist. Die Mehrheit sieht diesen Stand damit noch nicht als erreicht an oder beurteilt den Digitalisierungsgrad zumindest nicht als umfassend. Zwischen der erwarteten künftigen Bedeutung von KI und dem derzeit wahrgenommenen Stand der Digitalisierung besteht somit noch eine deutliche Lücke.
Selbstregulierung bei einfachen Schäden
Vor diesem Hintergrund ist auch das Meinungsbild zur stärkeren Einbindung der Versicherungsnehmer in die Schadenregulierung interessant. 50% der befragten Makler stimmen der Aussage zu oder eher zu, dass Versicherungsnehmer einfache Schäden selbstständig digital regulieren können sollten. Damit befürwortet genau die Hälfte entsprechende digitale Möglichkeiten.
Doch wie könnte eine solche Selbstregulierung aussehen? Dass Kunden Fotos und Angaben zu einem Schaden über eine App oder ein Online-Portal hochladen, ist bereits Realität. Bei einfachen und eindeutig zu beurteilenden Schäden kann eine KI schon heute die Angaben prüfen, den Schaden bearbeiten und die Zahlung freigeben.
Schwieriger wird es, sobald Rückfragen entstehen oder der Sachverhalt nicht eindeutig ist. Wo genau befindet sich der Rotweinfleck? An welcher Stelle tritt das Leitungswasser aus und welche Schäden hat es verursacht? Solche Fragen lassen sich nicht immer allein anhand digital übermittelter Angaben und Bilder beantworten.
Die vollständige Selbstregulierung dürfte daher vor allem bei schwierigen und komplexen Schadenfällen an ihre Grenzen stoßen. Dennoch ist der Gedanke interessant – und ebenso die Frage, wie offen die Makler einer stärkeren digitalen Eigenregulierung durch die Versicherungsnehmer gegenüberstehen.
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