Ein Artikel von Dietgar Völzke, Chief Information Officer der Netfonds AG
Der Alltag von Vermittlern wird zunehmend digitaler und komplexer. Regulatorische Vorgaben, neue Tarifstrukturen und veränderte Kundenwünsche erfordern kontinuierlich optimierte Plattformfunktionen, um erfolgreich zu sein. Doch während der Bedarf exponentiell wächst, steigen die Kapazitäten klassischer IT-Teams wegen des Fachkräftemangels nur linear.
Wenn ineffizientes Coding den Vermittler ausbremst
Die traditionelle Softwareentwicklung ähnelt oft noch einer mittelalterlichen Manufaktur. Das manuelle Schreiben von Codes ist langsam, fehleranfällig und erzeugt durch „Quick Fixes“ auch die technischen Probleme von morgen. Für den Vermittler hat das handfeste Nachteile. Oft muss er lange auf dringend benötigte Funktionen warten, weil die Plattformanbieter mit der Entwicklung und Wartung veralteter Systeme ausgelastet sind.
Die Branche muss Folgendes erkennen: Das Kernproblem liegt nicht primär im reinen Mangel an Entwicklern, sondern in der handwerklichen Vorgehensweise. Manuelles Coding ist schlichtweg ineffizient und lässt sich nicht skalieren. Wer versucht, technologische Ziele ausschließlich durch das Einstellen von mehr Personal in klassischen Strukturen zu erreichen, stößt unweigerlich an Grenzen.
Der Paradigmenwechsel von der Manufaktur zur Softwarefabrik
Aktuell diskutiert der Markt intensiv über KI-Assistenten wie GitHub Copilot. Dem Entwickler wird in der alten Manufaktur jedoch lediglich ein besseres Werkzeug an die Hand gegeben. Dies entspricht Level 2 der KI-gestützten Softwareentwicklung (siehe Grafik rechts). Der entscheidende Schritt in die Zukunft, von dem Vermittler in der Praxis massiv profitieren, ist das sogenannte „Agentic Engineering“, hin zu Level 4 bis 5, das die Netfonds Gruppe bereits nutzt. Es entsteht die erste Softwarefabrik der Branche. Hier vollzieht sich der Wandel von der Manufaktur zur echten Industrie. Software wird nicht mehr händisch geschrieben, sondern über Agentic Pipelines autonom generiert. KI-Agenten übernehmen die Fleißarbeit des Codierens. Der Mensch wandelt sich somit vom reinen Code-Produzenten zum Architekten, der die Agenten steuert und orchestriert.
Sofortiger Nutzen: Der GDV-Praxistest
Ein Beispiel verdeutlicht die Dimension dieser neuen Technologie. Die über 1.400 Seiten starke Dokumentation des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist ein monumentales Regelwerk. Die klassische Integration neuer Spartendetails (z. B. spezifische Kfz-Vertragsdaten) aus rohen GDV-Dateien war bisher mit wochenlangem Wälzen von Spezifikationen, manueller Programmierung, endlosen Testschleifen und hohen Kosten verbunden. Wenn man ein Agentic-Coding-Tool jedoch mit der kompletten GDV-Dokumentation „füttert“ und es anweist, die Details der Kfz-Sparten zu extrahieren und zu verarbeiten, ist die Aufgabe in 20 Minuten fehlerfrei erledigt. Dieses Beispiel zeigt, dass es sich um eine völlig neue Dimension der Geschwindigkeit handelt. In der Konsequenz stehen dem Vermittler neue Funktionen, Datenfelder und Schnittstellen nicht erst nach Monaten, sondern schnellstmöglich zur Verfügung. Dadurch werden nicht nur interne Abläufe optimiert und der administrative Aufwand reduziert, sondern auch der Prozess zur Kundenbindung beschleunigt.
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