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5. März 2026
Strukturwandel in der LV: Klassik-Produkte verlieren weiter an Relevanz
Strukturwandel in der LV: Klassik-Produkte verlieren weiter an Relevanz

Strukturwandel in der LV: Klassik-Produkte verlieren weiter an Relevanz

Die Lebensversicherung bewegt sich aktuell zwischen einer Phase der Stabilisierung und einem strukturellen Wandel. Eine Analyse von Assekurata zeigt, dass die Überschussbeteiligungen 2026 leicht ansteigen. Das Neugeschäft verlagert sich jedoch zunehmend hin zu kapitalmarktnahen Produkten mit weniger Garantien.

Der Markt in der Lebensversicherung bewegt sich derzeit zwischen Stabilisierung und grundlegendem strukturellen Wandel. Das zeigt die 24. Auflage der jährlichen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur.

Das Umfeld war für die Lebensversicherer in den letzten Jahren herausfordernd. Trotzdem zeigen die Deklarationen der verschiedenen Versicherer in den einzelnen Produktsegmenten eine, wenn auch eher verhaltene, Aufwärtsbewegung. Zudem haben längst nicht alle Anbieter erhöht, tatsächlich sind die Überschüsse bei den meisten Versicherern im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben. Dies sei vor allem auf weiterhin vorhandene stille Lasten in den Kapitalanlagen sowie vorsichtige Prognosen zur Zinsentwicklung zurückzuführen, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. „Die Versicherer profitieren in der Kapitalanlage zwar von höheren Erträgen, agieren bei der Überschusspolitik aber weiterhin mit Bedacht.“

Klassik und Neue Klassik: Leicht höhere Überschüsse

So hat sich die laufende Verzinsung in der klassischen privaten Rentenversicherung für 2026 im Branchendurchschnitt auf 2,62% erhöht. Im Vorjahr lag sie bei 2,53%. Inklusive Schlussüberschüssen liegt die in Aussicht gestellte Gesamtverzinsung bei durchschnittlich 3,23%, etwas höher als im Vorjahr, als sie bei 3,19% lag.

Während die klassische Lebensversicherung ein wichtiger Bestandteil des Bestandes der Lebensversicherer bleibt, verliert sie im Neugeschäft zunehmend an Relevanz. Nur noch 11 der 37 untersuchten Versicherer bieten sie im Neugeschäft überhaupt an. Im Wettbewerb mit renditeorientierten Lösungen entwickle sie sich zum Nischenprodukt, so Heermann.

Die Rendite in der Neuen Klassik liegt leicht über der der klassischen Produkte – mit einer aktuell laufenden Verzinsung von durchschnittlich 2,65% und einer Gesamtverzinsung von 3,32%.

Differenzierteres Bild bei kapitalmarktnäheren Produkten

Mit Blick auf kapitalmarktnähere Produkte zeigt die Studie ein differenzierteres Bild, erklärt Assekurata. Bei Indexpolicen – die von Vermittlern zunehmend links liegen gelassen werden, wie eine kürzliche Umfrage des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) gezeigt hat – liegt der durchschnittliche deklarierte Überschusszins bei 3,07% und stagniert damit in etwa auf Vorjahresniveau. Bei Fondspolicen mit Garantien spielt die laufende Überschussdeklaration, die aktuell bei 2,49% (Vorjahr: 2,37%) liegt, für die langfristige Renditeperspektive eine kleinere Rolle gegenüber der Fondsallokation.

Rückflüsse bei Zinszusatzreserve

Im bilanziellen Hintergrund setzt sich der Abbau der Zinszusatzreserve (ZZR) fort. Ende letzten Jahres fiel die Reserve branchenweit auf unter 80 Mrd. Euro – spürbar unter dem Höchststand von 96 Mrd. Euro im Jahr 2021. Für 2026 rechnet Assekurata mit weiteren Rückflüssen von rund 5 Mrd. Euro, ab 2027 sogar mit zweistelligen Milliardenbeträgen. „Die Zinszusatzreserve hat ihren Charakter als Belastungsfaktor verloren und wird zunehmend zum Erfolgspuffer“, so Heermann. „Dies eröffnet den Unternehmen Spielraum für höhere Überschüsse, wovon mittelfristig auch die Kunden profitieren werden.“

Markt wird sich weiter verschieben

Assekurata erwartet, dass sich der Lebensversicherungsmarkt strukturell weiter verschieben wird. Für Versicherer ergibt sich durch höhere Anlagezinse und Rückflüsse aus der ZZR zwar derzeit mehr Handlungsspielraum, doch regulatorische Anforderungen, sich wandelnde Kundenpräferenzen und der zunehmende Wettbewerb mit renditeorientierten Anlageformen setzen traditionelle Lebensversicherungsprodukte unter Druck. „Das Zins- und Inflationsumfeld hat sich für Lebensversicherer zwar entspannt, aber die Branche ist noch längst nicht in einer neuen Komfortzone angekommen“, resümiert Will. (js)

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