Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) hat im Rahmen einer Pressekonferenz ein standardisiertes Basisprodukt für die betriebliche Altersversorgung (bAV) vorgeschlagen. Eine aktuelle Civey-Befragung unter HR-Entscheidern in Unternehmen im Auftrag des GDV zeigt, dass Unternehmen und Mitarbeitende grundsätzlich positiv gegenüber der bAV eingestellt sind. Auch glaubt die Mehrheit (58%), dass die Bedeutung der bAV in den kommenden fünf Jahren noch zunehmen wird. Zudem sieht die Hälfte der befragten Unternehmen eine bAV als wichtiges Instrument für die langfristige Bindung von Mitarbeitenden.
Allerdings gibt es aus Sicht der Unternehmen auch einige Herausforderungen: Neben den hohen Kosten für Unternehmen (39%), der Unsicherheit über rechtliche Entwicklungen (38%) und den komplexen gesetzlichen Regelungen (36%) sehen die viele vor allem das Haftungsrisiko als Barriere. Für 42% der befragten Unternehmen hat das Arbeitgeberhaftungsrisiko eine hohe oder sehr hohe Bedeutung, wenn es um die Entscheidung geht, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten.
„Grenze der Freiwilligkeit“ in der bAV erreicht
Politisch ist die Altersversorgung gerade so aktuell wie kaum zuvor. Die Reform der privaten gesetzlichen Altersvorsorge ist unter Dach und Fach. Die Vorschläge der Rentenkommission werden in den nächsten Wochen erwartet. Die „gesellschaftliche Bereitschaft“ für Veränderung sei aktuell vorhanden, und nun sei ein guter Zeitpunkt, sich diese zu Nutze zu machen, erklärte stellvertretender Hauptgeschäftsführer Moritz Schumann. Die bAV sei der „hidden champion“ der zusätzlichen Altersvorsorge, insbesondere auch deshalb, weil sie Menschen direkt am Arbeitsplatz erreiche, ohne dass diese selbst aktiv werden müssen.
Allerdings sieht der GDV hierzulande die „Grenze der Freiwilligkeit“ in der bAV erreicht. In Deutschland verfügt in etwa jeder zweite Arbeitgeber über eine Betriebsrente, in Ländern wie den Niederlanden und Dänemark sind es dagegen fast neun von zehn Arbeitnehmern. Um die Verbreitung der bAV auch in Deutschland zu erhöhen, plädiert der Branchenverband daher für mehr Verbindlichkeit, etwa in Form eines Opt-out-Modells auf Betriebsebene. Ein solches könne es vor allem für kleinere Unternehmen leichter machen, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten.
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