In den vergangenen Jahren ist nicht nur im Maklermarkt Bewegung in Sachen Konsolidierung. Auch bei einigen Versicherern kam es bereits zu Fusionen und Übernahmen, manche sind noch im Gange. Die Geschehnisse etwa rund um die BarmeniaGothaer liegen schon etwas zurück. Das Unternehmen hat bereits Ende letzten Jahres seine Ziele bis 2030 ausgegeben. Helvetia und Baloise sind frisch fusioniert und haben u. a. vor, im Maklermarkt unter die Top 10 vorzustoßen. Bei der NÜRNBERGER läuft die Übernahme durch die VIENNA INSURANCE GROUP (VIG) und auch SDK und Stuttgarter wollen ihre Fusion in diesem Jahr abschließen.
Die Sicht der Makler auf Fusionen und Übernahmen unter Versicherern
Aber wie blicken Makler auf Fusionen und Übernahmen von Versicherungsunternehmen? Welche haben sie bisher wahrgenommen und welche sind bei ihnen noch nicht so stark im Fokus? Und vor allem: Was hat sich für sie verändert und wo sehen sie Verbesserungen oder Verschlechterungen für ihre eigenen täglichen Prozesse? Mit diesen Fragen hat sich die aktuelle Studie „AssCompact TRENDS I/2026“ in einem Sonderthema befasst.
Die Einstellung der unabhängigen Vermittler zu Fusionen und Übernahmen ist differenziert: So konnte die Studie zeigen, dass Makler zu einem großen Teil, nämlich zu 48%, Fusionen und Übernahmen neutral gegenüberstehen. 20,2% blicken eher positiv oder sehr positiv auf das Konsolidierungsgeschehen unter Versicherern, während 31,8% es insgesamt eher negativ oder sehr negativ beurteilen.
Wie wahrscheinlich sind weitere Zusammenschlüsse?
Darüber hält die überwiegende Mehrheit weitere Fusionen und Übernahmen in den kommenden drei Jahren für wahrscheinlich. Konkret antworten hier 56,6% der befragten Makler und Mehrfachagenten auf diese Frage mit „Sehr wahrscheinlich“. Für „eher wahrscheinlich“ halten es 36,7%. Ein kleiner Teil (6,1%) meint zu dieser Frage „teils/teils“. Ein minimaler Anteil der Befragten hält es für „sehr unwahrscheinlich“ (0,5%).
Wie stark nehmen Makler Fusionen und Übernahmen wahr?
Welche Fusionen der vergangenen Jahre haben die Befragten in den vergangenen Jahren stark bis sehr stark bemerkt? Zusammengefasst unter „Sonstige“ wurden die Geschehnisse rund um Ostangler/LSH, Generali/Proxalto sowie AIG/Everest zu 0,5% stark wahrgenommen. Mit 1% liegt die Fusion von SDK und Stuttgarter knapp davor. Die Vorgänge in Zusammenhang mit der Vienna Insurance Group (VIG) und der NÜRNBERGER haben 7,5% entsprechend mitbekommen. Mit 8,5% steht der Zusammenschluss von Baloise und Helvetia davor. Die meisten Befragten haben die Entwicklungen rund um die Barmenia und Gothaer stark bis sehr stark wahrgenommen, und zwar 20,6%. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich.
Fusionen und Übernahmen aus Maklersicht: Verschlechterungen im Vordergrund
Für Makler und Versicherer ist es nach diesen Umstrukturierungen natürlich interessant, welche Veränderungen die Befragten aufgrund von Fusionen und Übernahmen bei den Versicherungsunternehmen sehen. Bei der Auswertung sticht sofort ins Auge, dass das Pendel im Bereich der Verschlechterungen aus Maklersicht sehr viel weiter ausschlägt als bei den Verbesserungen.
Fünf Aspekte, fünfmal Makler-Urteil
Von fünf abgefragten Aspekten ergibt die Summe aus den Antworten „sehr verschlechtert“ und „verschlechtert“ bei „Courtage-Konditionen“ 11,7%, die Summe aus den Antworten „sehr verbessert“ und „verbessert“ ergibt lediglich 1,1%. 87,2% sehen allerdings auch keine Veränderungen (siehe Grafik).
„Nutzerfreundlichkeit des Maklerportals/Extranets“ wird hier mit 21,4% als verschlechtert angesehen. Schaut man in den Bereich „verbessert“, stellt man fest, dass dieser Aspekt mit 10,7% die meisten Stimmanteile erhält. Die Zahl der Befragten, die hier Verschlechterungen sehen, schlägt der Wert trotzdem nicht. Für einen Großteil von 67,9% ist die Situation unverändert.
Was die fachliche Kompetenz im Underwriting bei den Versicherern angeht, meinen 29,4%, dass sich etwas (sehr) verschlechtert hat. (Sehr) verbessert hat sich in diesem Bereich für 4,3% etwas im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen. 66,3% haben keine Veränderungen wahrgenommen.
Die Geschwindigkeit der Leistungs- und Schadenregulierung bemängeln 41,8% der befragten Makler und Mehrfachagenten. Nur 3,7% sehen Verbesserungen. Der Anteil derer, die die Lage durch Fusion bzw. Übernahmen als unverändert ansehen, beträgt hier 54,5%.
„Erreichbarkeit von Innen- und Außendienst“ wird als größtes Problem gesehen
Am meisten scheint die Befragten jedoch die Erreichbarkeit von Innen- und Außendienst zu stören. In diesem Bereich sieht gut die Hälfte (50,3%) Verschlechterungen. Verbesserungen haben lediglich 0,5% wahrgenommen. Somit liegt hier auch der Anteil der Befragten, die „unverändert“ geantwortet haben, bei weniger als der Hälfte (49,2%).
Eine Frage der Kommunikation?
Vielleicht hat ja auch die Wahrnehmung der Befragten zur Kommunikation der Versicherer während einer Fusion oder Übernahme damit zu tun. 51,3% antworteten bei der Frage, wie sie diese empfinden, mit „teils/teils“. 21,7% nehmen sie als gut bzw. eher gut wahr, während 27% sie als eher schlecht oder schlecht beurteilen. (lg)
Über die Studie
Die Online-Befragung zur Studie „AssCompact TRENDS I/2026“ wurde vom 05.01.2026 bis 21.01.2026 durchgeführt. Nach einer Qualitätsprüfung flossen die Stimmen von 256 Vermittlerinnen und Vermittlern aus der Finanz- und Versicherungsbranche in die Stichprobe ein, die ein sehr gutes Abbild der Assekuranz- und Finanzvermittlerinnen und -vermittler hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsstruktur darstellt. Die Studie kann hier erworben werden.
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