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12. Juli 2011
Versicherungsbetrug 2011: Geringes Unrechtsbewusstsein, kaum Angst vor Sanktionen

Versicherungsbetrug 2011: Geringes Unrechtsbewusstsein, kaum Angst vor Sanktionen

Versicherungsbetrug ist in allen Gesellschaftsgruppen verbreitet. Jeder Fünfte sieht hierin nur ein Kavaliersdelikt. Folgen und Sanktionen des Betrugs werden von vielen unterschätzt. Am meisten betroffen: die private Haftpflicht- und die Hausratversicherung.

40% der Bürger glauben, in diesen beiden Sparten eine Versicherung verhältnismäßig leicht betrügen zu können. Dies zeigt eine aktuelle Studie der GfK Finanzmarktforschung im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 12% der Haushalte geben zu, schon einmal auf einen Versicherungsbetrug in den letzten fünf Jahren angesprochen worden zu sein. Die Ansprache findet in erster Linie durch Bekannte und Verwandte statt. 4% der Haushalte geben offen zu, in den letzten fünf Jahren Versicherungsbetrug begangen zu haben. Weitere 7% geben an, in ihrem unmittelbaren Umfeld bereits von einem Betrug erfahren zu haben. Immerhin 11% der Befragten wollen sich nicht äußern, ob sie in den vergangenen fünf Jahren einen Versicherungsbetrug begangen haben. Diese so genannte Grauzone ist erheblich. 78% der Befragten geben an, nichts mit Versicherungsbetrug zu tun zu haben.

Jeder zehnte gemeldete Versicherungsschaden ist wahrscheinlich Betrug

In den meisten Fällen wird der wahre Schadensverlauf anders dargestellt, wenn der Versicherungsschutz für den tatsächlichen Hergang nicht gegeben wäre. Jeder Zehnte, der Geld von seiner Versicherung will, hat den Schaden frei erfunden oder setzt diesen zu hoch an, so eine Faustformel der Branche. Jeder sechste Versicherungsbetrüger holt sich in Internetforen Tipps, um seine Versicherung zu betrügen. Die GfK-Untersuchung zeigt aber auch, dass den meisten Versicherten bewusst ist, dass die Versichertengemeinschaft durch Betrug geschädigt und damit das Solidaritätsprinzip untergraben wird. Ein Drittel der Befragten sieht das anders: Bei ihnen darf laut GfK ein geringeres Unrechtsbewusstsein in Bezug auf Versicherungsbetrug angenommen werden. Etwa drei Viertel der Befragten, die angeben, schon eine Versicherung betrogen zu haben, sagen allerdings, dass sie den Versicherungsbetrug unterlassen hätten, wenn ihnen die Konsequenzen deutlicher gewesen wären. Nur jeder vierte Befragte rechnet im Fall eines Versicherungsbetrugs mit einer Anzeige oder der Kündigung des Vertrages. Gleichwohl: Die Befürchtung, für einen „kleinen“ Versicherungsbetrug bestraft zu werden, ist relativ hoch.

Versicherer aktiv in der Betrugsabwehr

Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Betrugsversuch vom Versicherer ertappt zu werden, ist gestiegen. Seit Jahren schulen die Versicherer ihre Mitarbeiter, um Anhaltspunkte für einen betrugsverdächtigen Schaden zu erkennen. Sie werden einer besonders sorgfältigen Prüfung unterzogen. Derzeit werden insbesondere Schadenmeldungen bei Elektronik – Laptops, Smartphones und Flachbildschirmen – eingehend geprüft. Hierfür schalten Gesellschaften auch Gutachter ein. In einer Sonderuntersuchung zeigten sich 45% der eingereichten Schäden als nicht begründet: bei 36% der gemeldeten Laptopschäden konnte eine Betrugsabsicht nachgewiesen werden. Bei weiteren 9% verfolgten die Kunden ihre Forderung nicht weiter, nachdem der Versicherer um Zusendung des Gerätes zur Begutachtung gebeten hatte. Grenzen in der Schadenhöhe, unterhalb derer keine Plausibilitätsprüfungen zu erwarten sind, gibt es bei vielen Versicherern nicht mehr. Sie prüfen jede Schadenmeldung intensiv unabhängig von ihrer Höhe. Auch das neue Hinweis- und Informationssystem (HIS) soll helfen, Versicherungsbetrug zu verhindern und die Risikoprüfung effizienter gestalten. Das HIS wird seit 01.04.2011 als Auskunftei von der informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH betrieben.

 
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