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22. Juni 2016
Versicherungswirtschaft 2025: Kunden gehören den Unternehmen
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Versicherungswirtschaft 2025: Kunden gehören den Unternehmen

Laut der Oliver-Wyman-Studie „Versicherung 2025 – Ein Zukunftsszenario für die Gewinner von morgen“ werden in Zukunft von 245.000 traditionellen Vermittlern und Maklern aufgrund von verändertem Kundenverhalten und verschärften regulatorische Vorgaben rund 100.000 aus dem Markt ausscheiden. Chancen hätten Versicherer hingegen durch konsequente Digitalisierung und klare Definition eines Kern-Geschäftsmodells.

„Versicherung 2025 – Ein Zukunftsszenario für die Gewinner von morgen“ heißt eine Studie der Managementberatung Oliver Wyman, die die Treiber des Wandels im Versicherungsmarkt bis zum Jahr 2025 analysiert, deren Folgen abschätzt und neue Perspektiven aufzeigt.

Den klassischen Versicherungsvermittlern und -beratern stehen demnach schwere Zeiten bevor, denn verändertes Kundenverhalten und verschärfte regulatorische Vorgaben zur Vertriebsvergütung werden dafür sorgen, dass von den rund 245.000 traditionellen Vermittlern und Maklern, die es im Jahr 2014 noch gab, bis 2025 rund 100.000 aus dem Markt ausscheiden werden. Für viele sei es eine wirtschaftliche Notwendigkeit, denn das erzielbare Provisionsvolumen im Markt werde drastisch um 40 bis 50% sinken, so die Oliver-Wyman-Analyse.

Mit Blick auf den Versicherungsvertrieb äußert Markus Zimmermann, Partner bei Oliver Wyman und Leiter des Versicherungsbereichs Deutschland, Österreich und Schweiz: „Alte Fürstentümer innerhalb von Versicherungsunternehmen bröckeln – und Kunden gehören in Zukunft in der Regel dem Unternehmen, und nicht einem Vertriebsweg oder Vermittler.“ Dominieren werden hier sogenannte Omnikanalmodelle, wobei die Bedeutung von digitalen Medien und unabhängigen Drittvertrieben wachse. In traditionellen Vermittlerorganisationen müsse ein nahtloses Zusammenspiel zwischen Mensch und Online-Unterstützungsinstrumenten erfolgen.

Vier Gewinnerstrategien

Die Oliver-Wyman-Studie stellt vier fiktive „Versicherungsunternehmen der Zukunft“ vor, von denen allerdings nur ein Typus ein Allrounder ist: der sogenannte „Blue-Chip-Komfortpartner“. Er agiert omnipräsent, markenstark und kooperiert dabei im Hintergrund auch mit White-Label-Anbietern für Spezial- und Nischenprodukte. Dagegen stellt sich der „vertriebsstarke Stammgeschäfts-Modernisierer“ der Studie zufolge so auf, dass er häufig in bestimmten Regionen oder Kernsegmenten verankert ist und damit nah, vertrauenswürdig und durchgängig kundenorientiert agiert. Einige Versicherer behaupten sich laut Analyse auch als „leistungsstarke Risiko- oder Produktspezialisten“, wobei sie je nach Ausprägung ihrer Risikoexpertise und Spezialisierung als „innovative Qualitätsanbieter“ oder „plattformorientierte Produktfabriken“ auftreten können. Der „agile Preis- und Kostenführer“ punktet laut Oliver Wyman mit einem Konzept, das besonders zu Online- und Direktversicherern passt: einfach, günstig und schnell – dank maximaler Digitalisierung sowie hoch agiler analytischer Fähigkeiten.

Marktbelebung mithilfe von Betriebsrente und Produktinnovationen

Wie sich der Gesamtmarkt bis 2025 entwickeln wird, hängt der Studie zufolge auch vom politischen Rahmen ab – dies gilt insbesondere für die Lebensversicherung. Das Beitragsvolumen könnte bei einer gesetzlich verordneten Stärkung der betrieblichen Altersversorgung von rund 94 Mrd. Euro im Jahr 2014 bis 2025 auf 98 Mrd. Euro steigen, prognostiziert Oliver Wyman. Blieben Vorgaben der Politik aus, drohe allerdings ein Absinken auf 90 Mrd. Euro.

In der Schaden- und Unfallversicherung erwarten die Experten von Oliver Wyman nahezu Stagnation: Von 2014 bis 2025 werde das Prämienvolumen lediglich um 7% (von rund 63 auf 67 Mrd. Euro) zulegen. Während die Kraftfahrtsparte deutlich schrumpfe, würden sich die Beitragseinnahmen in der gewerblichen Sach- und Haftpflichtversicherung erhöhen. Neue Wachstumschancen und Innovationsimpulse bestünden insbesondere in den Feldern „Neue Mobilität“, „Internet der Dinge“ und im Mittelstands-Firmensegment. Das Szenario, wonach „Online-Riesen“ als unmittelbare Wettbewerber auf den Plan treten könnten, werde nicht kommen, so die Oliver Wyman-Analyse. Markus Zimmermann: „Wir erwarten nicht, dass Internetkonzerne wie Google oder Amazon selbst als Risikoträger in das direkte Versicherungsgeschäft einsteigen werden. Gleichwohl kommen sie – neben einer Vielzahl neuer Plattformpartner – dank ihres Kundenzugangs und ihrer Kundenkenntnis als wichtige und verhandlungsstarke Kooperationspartner für die Versicherungsindustrie in Frage.“ (ad)