Interview mit Christopher Schnell, COO der PlanetHome Group
Herr Schnell, der Immobilienmarkt hat sich nach der Krisenphase wieder erholt. Wie blicken Sie auf die Entwicklung in den ersten Wochen des Jahres 2026?
Der Markt zeigt nach der Korrektur in den Jahren 2022 und 2023 seit 2025 eine spürbare Stabilisierung auf neuem Niveau. Der Start ins Jahr 2026 verläuft positiv, auch wenn das Umfeld weiterhin selektiv und anspruchsvoll ist. Marktgerecht bewertete Immobilien lassen sich nach wie vor gut vermitteln, während überteuerte Objekte oder solche in schwächeren Lagen bzw. mit geringerer Energieeffizienz deutlich mehr Zeit benötigen.
Infolge des Iran-Kriegs sind die Energiepreise stark gestiegen. Mit welchen Auswirkungen auf den Immobilienmarkt ist Ihrer Einschätzung nach zu rechnen?
Der Konflikt führt über steigende Energiepreise zu höherer Inflation und steigenden Zinsen. Kurzfristig steigen Finanzierungs-, Bau- und Betriebskosten, mittelfristig nimmt die Differenzierung zu: energieeffiziente Immobilien gewinnen, schwächere verlieren an Attraktivität, und Unsicherheit bremst Investitionen.
Entscheidend ist die Dauer – anhaltend hohe Preise erhöhen den Druck auf Finanzierung und Nachfrage, eine schnelle Entspannung begrenzt die Effekte.
Wie sieht es denn aktuell auf Käufer- und Verkäuferseite aus?
Wir sehen aktuell einen differenzierten, ausbalancierten Markt ohne klares Käufer- oder Verkäuferübergewicht. Entscheidend sind Lage, Qualität und Preisstrategie: Käufer haben mehr Auswahl, Verkäufer mit attraktiven Objekten weiterhin gute Chancen. Maßgeblich sind die Immobilie selbst und die Vermarktungsstrategie.
Nun hat die zunehmende Digitalisierung von Vermarktungswegen in den vergangenen Jahren für einen Wandel am Immobilienmarkt gesorgt. Welche Folgen hatte und hat dies im Hinblick auf die Dynamik von Angebot und Nachfrage?
Die Digitalisierung beschleunigt den Immobilienmarkt, erhöht Reichweite, Transparenz und Vergleichbarkeit und führt so zu effizienterer Vermarktung sowie aufgeklärterer Nachfrage. Auch PlanetHome nutzt zunehmend digitale und KI-gestützte Prozesse, um Abläufe zu optimieren, schneller zu reagieren und mehr Mehrwert zu bieten.
Insgesamt wird der Markt dynamischer und zugleich selektiver, mit klareren Entscheidungen auf beiden Seiten.
Welche Rolle nimmt künstliche Intelligenz dabei inzwischen ein?
Bei PlanetHome ist KI ein zentraler Treiber der Digitalisierung: Sie steigert die Effizienz, unterstützt fundierte Bewertungen und ermöglicht eine gezieltere Ansprache, sodass Angebot und Nachfrage schneller zusammenfinden. Gleichzeitig entwickelt sich KI zunehmend vom Tool zum Werttreiber im Immobilienvertrieb, insbesondere durch die intelligente Nutzung von Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Wo sorgen digitale Services bzw. KI-gestützte Tools denn derzeit für die größte Entlastung in der Immobilienvermittlung?
In der Vermarktung ermöglicht KI eine gezieltere Ansprache und steigert durch Automatisierung Geschwindigkeit und Qualität, etwa bei der Lead-Qualifizierung. Zudem unterstützt sie Immobilienmakler bei Exposés, Analysen und Strategien, wodurch der Fokus auf Vermittlung und Abschluss rückt. Künstliche Intelligenz ersetzt den Immobilienmakler nicht, sondern macht ihn produktiver, datenbasierter und zum klaren Differenzierungsfaktor im Wettbewerb.
Und wo gibt es noch Luft nach oben?
Die Branche insgesamt hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht – gleichzeitig liegt weiteres Potenzial vor allem in der noch stärkeren Vernetzung und Standardisierung von Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Insbesondere bei der durchgängigen Digitalisierung, der Nutzung von Daten sowie dem Einsatz von KI sehen wir branchenweit die Chance, Effizienz und Transparenz weiter zu erhöhen.
Wie hat sich die Rolle des Immobilienmaklers aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren gewandelt?
Die Rolle des Immobilienmaklers hat sich vom reinen Vermittler hin zum daten- und unterstützungsorientierten Partner entwickelt. Digitalisierung und KI rücken Analyse, Bewertung und gezielte Vermarktung in den Fokus und machen Prozesse effizienter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Fachwissen, sodass der Immobilienmakler zunehmend als Lotse fundierte Entscheidungen begleitet – unterstützt durch Technologie und persönliche Expertise.
Ein grundlegender Bestandteil Ihres Geschäftsmodells sind Kooperationen. Können Sie uns Näheres dazu erläutern?
Ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells ist die enge Zusammenarbeit mit Banken und Versicherungen, da Immobilienentscheidungen oft mit Finanzierungs- und Vorsorgethemen verknüpft sind. Unser starkes Netzwerk schafft Mehrwert bei Verkauf, Bewertung und Finanzierung und bietet qualifizierte Kontakte für uns sowie zusätzliche Services für unsere Partner – mit klarem Mehrwert für den Endkunden entlang der gesamten Customer Journey.
Inwiefern hat sich das Konzept von PlanetHome bewährt und wie sehen Sie sich gegenüber dem Wettbewerb aufgestellt?
Unser Geschäftsmodell hat sich in volatilen Marktphasen als robust erwiesen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Banken und Versicherungen verfügen wir über einen stabilen Zugang zu qualifizierten Kundenkontakten. Diese Netzwerke sind nicht kurzfristig aufbaubar und in enger Verzahnung mit unseren zentralen Strukturen und standardisierten Prozessen ist unser System einzigartig. Insgesamt sind wir damit gut aufgestellt in einem Markt, der zunehmend von Qualität, Effizienz und verlässlichen Partnern geprägt ist.
Zum Schluss der Blick nach vorne: Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf die kommenden Monate? Und entscheidet Ihrer Meinung nach der Einsatz von KI künftig über die Wettbewerbsfähigkeit im Immobilienvertrieb?
Für die kommenden Monate erwarten wir eine stabile, aber sensible Marktentwicklung. Geopolitische Spannungen und deren Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation und Zinsen bleiben zentrale Einflussfaktoren. Künstliche Intelligenz wird dabei ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, doch entscheidend bleibt das Zusammenspiel aus Technologie, Partnerschaften und hochwertiger Beratung. Nachhaltiger Erfolg hängt letztlich von robusten Geschäftsmodellen und Anpassungsfähigkeit ab.
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Porträtfoto: © PlanetHome
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