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18. Oktober 2026
Wenn Kunden mit dem KI-Agenten ins Maklerbüro kommen
Wenn Kunden mit dem KI-Agenten ins Maklerbüro kommen

Wenn Kunden mit dem KI-Agenten ins Maklerbüro kommen

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

„Ich habe meine Versicherungen schon einmal von meinem eigenen KI-Agenten prüfen lassen.“ Dieser oder vergleichbare Sätze könnten in Zukunft häufiger fallen. Für Versicherungsmakler stellen sich dann zentrale Fragen: Wann kommen sie bei diesem neuen, KI-gestützten Beratungsablauf ins Spiel? Und wie verändern sich die Schnittstellen zum Kunden?

ChatGPT-Chat versus KI-Agent

Aktuell nutzen Kunden meist einzelne Funktionen von ChatGPT, Claude, Gemini & Co. Sie laden zum Beispiel Versicherungsbedingungen hoch und lassen diese vergleichen oder nutzen die Browserfunktion, mit der ChatGPT Maklerwebsites aufrufen und direkt einen Termin beim Makler buchen kann.

Ein KI-Agent macht die Recherche und den Versicherungsvergleich für den Kunden nun deutlich einfacher. Er kann mehrere dieser Funktionen miteinander verbinden und gleichzeitig oder nacheinander eigenständig ausführen. Der KI-Agent erhält vom Kunden einen Auftrag oder ein Ziel, wie zum Beispiel: „Ich möchte bei meinen Versicherungen sparen.“ Anschließend führt der KI-Agent diesen Auftrag für den Kunden aus.

Wie solche persönlichen KI-Agenten funktionieren können, zeigen neue Entwicklungen wie Muse von Meta und Dots von OpenAI. Muse kann laut Meta einen eigenen Browser nutzen, Formulare ausfüllen und Termine buchen. Dots arbeitet mit verbundenen Apps und einem eigenen Cloud-Computer.

Wichtig: Weder Muse noch Dots sind bisher speziell für den deutschen Versicherungsmarkt ausgelegt. Die zugrunde liegenden Funktionen lassen sich aber grundsätzlich auch auf Aufgaben rund um Versicherungen übertragen.

Der KI-Agent im Versicherungsordner des Kunden

Damit ein KI-Agent für einen Kunden den aktuellen Versicherungsschutz bewerten und neue Angebote vergleichen kann, braucht er Zugriff auf dessen Daten und Unterlagen sowie eine Verbindung zu geeigneten Tarifrechnern. Ein möglicher Ablauf könnte so aussehen:

  • Freigabe des Ordners: Der Kunde erlaubt dem Agenten den Zugriff auf lokale Dateien oder einen Cloud-Speicher. Dort liest der Agent Policen, Beitragsrechnungen und Nachträge aus.
  • Strukturierte Übersicht: Die KI fasst Versicherungsarten, Beiträge, Leistungen, Selbstbeteiligungen und Kündigungsfristen zusammen.
  • Bedarfs- und Zielabfrage: Der Agent klärt, was der Kunde erreichen möchte: Beiträge senken, Lücken schließen oder Leistungen optimieren? Fehlen Angaben, fragt die KI nach.
  • Tarifvergleich: Der Agent ruft zugängliche Vergleichsdatenbanken oder Tarifrechner auf und gibt die erforderlichen Angaben ein.
  • Ergebnisaufbereitung: Der Agent stellt Alternativen gegenüber und schlägt nächste Schritte vor. Denkbar ist auch, dass er eine konkrete Empfehlung formuliert.
Wann kommt der Makler ins Spiel?

Ein naheliegender Zeitpunkt für die Weiterleitung zum Makler ist kurz vor einer Kündigung oder einem Neuabschluss. Der Agent könnte sagen: „Ich habe eine Alternative gefunden. Bevor du deinen bisherigen Schutz veränderst, solltest du die Auswertung mit deinem Makler besprechen. Soll ich einen Termin für dich vereinbaren?“ Mit Zustimmung des Kunden könnte er dann einen Termin buchen oder die Zusammenfassung bereits per E-Mail an den Makler weitergeben.

Eine Übergabe kann auch erfolgen, wenn dem KI-Agenten Unterlagen fehlen, Gesundheitsangaben unklar sind oder Bedingungen schwer vergleichbar erscheinen. Der Agent kann den Kunden dann darauf hinweisen, dass seine Analyse keine ausreichende Grundlage für eine Entscheidung bietet, und ein Gespräch mit dem Makler vorschlagen.

Wo eine KI-Auswertung Lücken haben kann

Die Qualität einer Auswertung hängt davon ab, welche Unterlagen und Angaben dem Agenten vorliegen und ob er sie korrekt erkennt. Veraltete Policen, fehlende Nachträge oder veränderte Lebensumstände, etwa Nachwuchs, neue Hobbys oder ein Immobilienerwerb, können im Ergebnis fehlen. Auch mündliche Absprachen kann der Agent nur berücksichtigen, wenn der Kunde sie mitteilt.

Zudem stoßen KI-Agenten an zwei entscheidende Grenzen:
  • Eingeschränkte Marktübersicht: Ein KI-Agent kann nur die Tarife vergleichen, auf deren Daten er tatsächlich zugreifen kann. Wenn professionelle Maklervergleichssysteme und bestimmte Sondertarife für Endkunden-KIs nicht ohne Weiteres zugänglich sind, kann beim Kunden der Eindruck eines vollständigen Marktvergleichs entstehen, obwohl möglicherweise relevante Angebote fehlen.
  • Risikoprüfung und Gesundheitsfragen: Bei Personenversicherungen wie BU oder PKV reicht ein Beitragsvergleich nicht aus. Gesundheitsangaben, Vorerkrankungen und Annahmerichtlinien müssen sorgfältig berücksichtigt werden. KI kann bei der Aufbereitung unterstützen, aber weder eine verbindliche Risikoprüfung durch den Versicherer noch die fachliche Bewertung durch den Makler ersetzen. Unvollständige oder fehlerhafte Angaben können später erhebliche Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben.

Für den Makler heißt das: Eine KI-Auswertung kann ein guter Impulsgeber sein, ersetzt aber nicht die fachliche Prüfung. Auch wenn der Kunde bereits eine konkrete Empfehlung mitbringt, bleibt die fachliche Verantwortung für die eigene Beratung beim Makler.

Praxistipp für Versicherungsmakler

Mit fiktiven oder anonymisierten Testordnern lässt sich schon heute ausprobieren, wie verschiedene KI-Tools Policen auslesen und aufbereiten. So werden typische Fehler und fehlende Angaben sichtbar. Echte Kundendaten sollten dafür nur genutzt werden, wenn der Einsatz datenschutzrechtlich und organisatorisch geklärt ist.

Kunden kommen künftig möglicherweise mit mehr Vorwissen und einer konkreten KI-Empfehlung. Wer sich als Makler schon jetzt auf diesen Wandel einstellt und die Schnittstellen zu KI-Agenten versteht, kann diese Entwicklung als Chance nutzen.

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