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19. Juli 2026
Wie Automatisierung zu besserem Personal Branding führen kann
Wie Automatisierung zu einem besseren Personal Branding führen kann

Wie Automatisierung zu besserem Personal Branding führen kann

Mit Web 2.0 Anfang der 2000er startete die Entwicklung hin zu „personality driven content“. Primär wichtig war nicht der Inhalt selbst, sondern von wem er kommt. Das hat Einfluss auf den Vertrieb und menschennahe Berufe, wie der des Versicherungsmaklers einer ist.

Interview mit Tian von Dziembowski, Inhaber und Geschäftsführer der Finanzhaus-Südbaden GmbH & Co. KG.
Hi, Tian, du warst 2025 beim Jungmakler Award im Finale. Einer deiner Schwerpunkte war effiziente Content-Creation (u. a. auf Instagram), auch mithilfe von KI – Stichwort Automation. Wie kamst du dazu?

Der Jungmakler Award war für mich eine komplett neue Erfahrung. Ich war vorher nicht der klassische Netzwerker, sondern sehr auf mein Unternehmen, meine Kunden und meine Prozesse fokussiert. Ein befreundeter Makler hatte sich meine Workflows angeschaut und meinte, ich müsse mich damit bewerben. Seitdem werde ich regelmäßig nach Workflows und Tools gefragt.

Zu Content, Automation und KI kam ich sehr natürlich. Ich teste gerne neue Tools und schaue, wo sie wirklich helfen. Angefangen hat es mit SEO-Blogartikeln, später kamen Newsletter, Reels, YouTube und ein Podcast dazu. So konnte ich ganz gut verstehen, was zu Finanzhaus-­Südbaden und unserer Zielgruppe passt. Heute denke ich Content als System. Aus einem Beratungsthema kann ein Video, ein Post, eine Mail oder ein Textbaustein werden.

Welchen Zweck verfolgst du konkret mit dem ganzen Content? Geht es nur um Lead-Generierung oder steckt mehr dahinter?

Natürlich geht es auch um Wachstum. Leads spielen bei uns eine wichtige Rolle und funktionieren gut. Aber ein Lead allein bringt erst einmal gar nichts. Entscheidend ist, was danach passiert. Wie schnell wird angerufen, wie oft wird nachgefasst, welche Mail geht raus, wenn niemand erreichbar ist, und gibt es klare Zuständigkeiten? Für bestimmte Funnel haben wir deshalb den kompletten Ablauf aufgebaut. Von Anzeige und Formular bis zu E-Mails, Wiedervorlagen, Terminbestätigung und Nachbearbeitung.

Trotzdem will ich nicht nur kurzfristig Leads einsammeln. Wichtiger ist für mich Personal Branding. Gerade weil KI und Automationen stärker werden, wird Vertrauen wertvoller. Wenn Menschen dich mit bestimmten Themen verbinden, ist das ein echter Unternehmenswert.

Welche Tools benutzt du konkret?

Wenn ich alle Tools aufzählen würde, wäre das ein eigener Artikel. Mir ist wichtig, agil zu bleiben und mich nicht zu abhängig von einer einzelnen Lösung zu machen. Wir nutzen KI-Tools wie ChatGPT, Claude und Manus. Je nach Aufgabe geht es um Texte, Struktur, Recherche oder Prozesslogik.

Eine wichtige Schaltzentrale ist Make.com. Darüber verbinden wir Systeme und steuern Workflows. Leads aus Google Ads landen automatisch in unserem CRM und werden in unser Mailing-Tool, Brevo, übertragen. Wird daraus ein Kunde, wird er im Hintergrund weiterverarbeitet, auch in der Ameise von blau direkt und in der Kundenliste.

Für Videocontent nutzen wir OpusClip, CapCut und Canva. Dazu kommen Branchenlösungen wie InsurMagic, Today und verschiedene Tools von blau direkt. Am meisten bringt nicht ein einzelnes Tool, sondern die Kombination aus Prozess, Automatisierung und KI.

Was war die bisher größte Herausforderung bei der Automatisierung?

Die größte Herausforderung ist, überhaupt hinterherzukommen. Es gibt ständig neue Tools, neue KI-Funktionen und neue Versprechen. Wenn man nicht aufpasst, verliert man sich darin.

Am Anfang dachte ich oft, ich brauche die eine perfekte Lösung für alles. Ein System für CRM, Leadmanagement, Content, E-Mail, WhatsApp, Auswertung und Automatisierung. Davon bin ich abgerückt. Was man heute aufwendig selbst baut, kann morgen ein neues Tool besser oder günstiger lösen. Diese Erfahrung musste ich aber auch erst machen.

Heute geht es mir weniger um die perfekte All-in-one-Lösung. Entscheidend ist, die eigenen Prozesse sauber zu verstehen und flexibel zu bleiben. Die eigentliche Herausforderung ist Fokus.

Berätst du noch selbst oder kümmerst du dich im Rahmen dieser Automatisierungen hauptsächlich um Content-Erstellung und Skalierung des Unternehmens?

Ja, ich berate noch selbst. Gleichzeitig arbeiten wir daran, dass ich mich Schritt für Schritt mehr aus dem operativen Tagesgeschäft zurückziehen kann. Ich suche aktuell Mitarbeiter und Geschäftspartner, weil wir Know-how, Leads und Prozesse stärker skalierbar machen wollen.

Dabei geht es auch um die Abläufe im Unternehmen. Wie schaffen wir Strukturen, mit denen andere Menschen sauber arbeiten können, ohne dass alles immer an mir hängt?

Trotzdem liebe ich meinen Job. Der direkte Kontakt mit Kunden ist extrem wertvoll. Genau daraus entstehen viele Ideen für Content, Automatisierung und neue Prozesse. Ich möchte mehr am Unternehmen arbeiten, ohne den Kontakt zur Praxis zu verlieren.

Wie teilt sich dein Arbeitstag oder deine Arbeitswoche auf? Hast du Timeslots, in denen du an Content arbeitest?

Meine Lebenspartnerin würde wohl sagen, dass ich privat nicht der strukturierteste Mensch bin. Im Unternehmen braucht es aber klare Abläufe, sonst frisst einen das Tagesgeschäft auf.

Wir haben feste Zeiten für Research, Themenplanung und Content-Creation. Freitags ist bei uns häufig Drehtag im eigenen Studio. Dann nehmen wir mehrere Themen am Stück auf.

Von außen sieht Content oft nach einem kurzen Reel oder Post aus. Im Hintergrund werden Themen gesammelt, Skripte vorbereitet, Videos geschnitten und Veröffentlichungen geplant. Kreativität ist wichtig, aber ohne Struktur bleibt es meistens bei einzelnen Aktionen.

Erfordern derartige Prozesse nicht permanente Weiterbildung, da sich KI und Software tagtäglich weiterentwickeln?

Ja, absolut. Die größte Herausforderung in der Digitalisierung ist aus meiner Sicht die Geschwindigkeit. Es kommen ständig neue Tools, neue Funktionen und neue Workflows dazu. Wer sich damit gar nicht beschäftigt, ist schnell abgehängt.

Bei mir ist das auch ein Stück weit Hobby. Ich beschäftige mich fast täglich mit neuen Tools und Prozessen. Ich teste viel, schaue, was Nutzen bringt, und optimiere Abläufe weiter.

Wichtig ist, sich nicht komplett darin zu verlieren. Nur weil ein Tool neu ist, ist es nicht automatisch relevant. Ich frage mich immer, ob es ein echtes Problem löst, Zeit spart oder einen Prozess besser macht. Wenn es technisch tiefer geht, übernehmen meine IT-Profis.

Würdest du sagen, dass ein derartiger Marketing-Ansatz zu mehr Erfolg führt als andere Ansätze?

Das kann ich nicht seriös einschätzen. Es gibt viele Wege nach Rom. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen unpassend sein. Erfolg bedeutet auch nicht für jeden dasselbe. Für den einen ist es Umsatz, für den anderen Freiheit, Bekanntheit oder bessere Kunden.

Ich glaube nicht an den einen perfekten Marketing-Ansatz. Entscheidend ist, dass es zur Person, zum Unternehmen und zur Zielgruppe passt.

Was ich aber glaube: Personal Branding wird immer wichtiger. Der Markt wird digitaler, austauschbarer und durch KI noch voller mit Content. Umso wichtiger ist, dass Menschen eine Person dahinter wahrnehmen. Für Finanzhaus-Südbaden passt dieser Ansatz sehr gut.

Was ist in dem Bereich der für dich nächste logische Schritt?

Wir sind gerade dabei, einige Stellschrauben festzudrehen. In den letzten Jahren haben wir viel getestet, verworfen und neu gebaut. Das war wichtig. Jetzt geht es stärker darum, die Dinge, die gut laufen, sauber zu strukturieren und skalierbar zu machen.

Der nächste Schritt ist für mich nicht einfach noch ein Tool mehr oder ein neuer Kanal. Es geht darum, bestehende Prozesse stabiler, wiederholbarer und für andere nutzbar zu machen. Weg von „Tian weiß, wie es geht“ hin zu einem System, das auch Mitarbeiter, Partner und andere Makler anwenden können.

Außerdem möchte ich mein Wissen stärker weitergeben. Da wird in nächster Zeit noch einiges von mir kommen. Da arbeiten wir im Hintergrund gerade auf Hochtouren. Ich melde mich, wenn es fertig ist. :)

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