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12. April 2026
Wohngebäude: Rolle des Maklers wird anspruchsvoller

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Wohngebäude: Rolle des Maklers wird anspruchsvoller

Wohngebäude: Rolle des Maklers wird anspruchsvoller

Für Versicherer war das Wohngebäudegeschäft in den letzten Jahren herausfordernd. Wie erlebt ein Versicherungsmakler die Entwicklungen? Wie erklärt man Kunden die deutlichen Preissprünge? Und welche Auswirkungen haben die Veränderungen im Markt auf Maklerunternehmen?

Interview mit Kevin Klöber, Geschäftsführer der Klöber Versicherungsmakler GmbH
Herr Klöber, Ihr Maklerunternehmen spezialisiert sich unter anderem auf Immobilienversicherung. Was hat sich Ihrer Erfahrung nach im Wohngebäudegeschäft in den letzten zwei bis drei Jahren am stärksten verändert?

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Wohngebäudeversicherung von einem weitgehend stabilen Markt zu einem deutlich selektiveren Risikomarkt entwickelt. Wir erleben derzeit einen klaren Wandel im Markt. Lange stand vor allem der Preis im Fokus, heute entscheiden Risikoqualität, Gebäudestand und Schadenhistorie zunehmend darüber, ob und zu welchen Konditionen Versicherungsschutz möglich ist.

Die Wohngebäudeversicherung ist damit kein reines Vergleichsprodukt mehr, sondern ein aktives Risikomanagement-Thema. Für Makler und Kunden bedeutet das mehr Analyse, mehr Kommunikation und einen bewussteren Umgang mit der Frage, wie Gebäude dauerhaft versicherbar bleiben.

Wie erleben Sie die Zeichnungspolitik der Versicherer aktuell: Wird es vor allem teurer – oder wird es in bestimmten Segmenten tatsächlich schwerer, überhaupt noch Deckung zu bekommen?

Beides. Steigende Beiträge sind nur der sichtbarste Teil der Entwicklung. Parallel dazu sehen wir eine deutlich selektivere Zeichnungspolitik der Versicherer.

Schwieriger wird es nicht nur bei älteren Gebäuden mit überfälligen Instandhaltungen oder erhöhter Schadenbelastung. Zunehmend betroffen sind auch größere Gebäude und Objekte mit sehr hohen Versicherungssummen. Gerade bei größeren Wohn- und Gewerbeobjekten beobachten wir, dass Kapazitäten knapper werden und Versicherer genauer prüfen, welche Volumina sie noch zeichnen wollen.

Damit entsteht ein Spannungsfeld: In der Bau- und Immobilienbranche gilt häufig das Prinzip „immer größer, immer höher“. Gleichzeitig sinkt in Teilen des Versicherungsmarktes die Bereitschaft, genau diese großen Risiken zu übernehmen. Das führt dazu, dass sich selbst hochwertige Neubauten nicht mehr automatisch und zu jedem Preis versichern lassen.

Versicherer schauen heute sehr genau auf Bauweise, Nutzung, Lage und Schadenpotenzial eines Gebäudes. Für Makler bedeutet das deutlich mehr Abstimmung mit den Risikoträgern und einen höheren Aufwand, tragfähigen Versicherungsschutz zu organisieren. Für Kunden wird spürbar, dass Versicherbarkeit keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Wie erklären Sie Ihren Kunden – sowohl gewerblich als auch privat – Beitragssprünge? Haben Kunden mit einer Erklärung dafür Verständnis?

Transparenz ist hier entscheidend. Beitragssprünge lassen sich nur einordnen, wenn Kunden verstehen, was im Hintergrund passiert: gestiegene Schadenkosten, höhere Wiederherstellungskosten und eine veränderte Risikobewertung der Versicherer.

Diese Gespräche führen wir heute intensiver als früher. Es geht nicht mehr nur darum zu erklären, warum Beiträge steigen, sondern auch darum, jedes Objekt individuell zu betrachten. Wir schauen sehr genau hin: Wie ist der Zustand des Gebäudes? Welche Schäden gab es? Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt?

Unser Ansatz ist klar: Individualität statt Pauschalisierung. Nicht jedes Gebäude ist gleichermaßen betroffen, und nicht jede Beitragsanpassung lässt sich über einen Kamm scheren. Deshalb beobachten wir Objekte kontinuierlich und prüfen, welche Lösungen im Einzelfall sinnvoll und realistisch sind.

Wenn Kunden nachvollziehen können, dass wir ihre Situation konkret einordnen und nicht nur Marktbewegungen weitergeben, entsteht in der Regel auch Verständnis für notwendige Anpassungen. Unsere Aufgabe als Makler ist nicht, jede Beitragssteigerung zu verhindern. Unsere Aufgabe ist, Entwicklungen einzuordnen, Handlungsspielräume aufzuzeigen und für jedes Objekt eine tragfähige Lösung zu finden.