Einige Versicherer haben ihr Neugeschäft in der Sparte in den letzten Jahren eingestellt, zum Teil auch nur für den Maklervertrieb. Hat Sie diese Entwicklung überrascht?
In der grundsätzlichen Entwicklung nicht – in der Breite und vor allem in der Geschwindigkeit allerdings schon. Dass sich einzelne Versicherer aus dem Neugeschäft zurückziehen, war angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen im Markt absehbar. Dass es jedoch in so kurzer Zeit mehrere Anbieter betrifft, hat uns durchaus überrascht. Viele Versicherer haben lange versucht, steigende Schadenkosten über Beitragsanpassungen auszugleichen. Inzwischen sehen wir, dass einige Versicherer ihre Bestände sehr genau prüfen und sich von problematischen Risiken trennen, während sie im Neugeschäft deutlich gezielter auswählen, welche Gebäude sie versichern wollen.
Für Makler bedeutet das eine stärkere Konzentration auf Versicherer, die den Markt langfristig begleiten wollen, und eine intensivere Risikoprüfung im Vorfeld. Der Markt sortiert sich neu und damit auch die Anforderungen an Beratung und Platzierung.
Welche Auswirkungen hat das auf Makler und deren Geschäft?
Die Rolle des Maklers verändert sich spürbar. Es reicht nicht mehr, Angebote einzuholen und zu vergleichen. Gefragt ist ein aktives Risiko- und Bestandsmanagement. Makler müssen Risiken frühzeitig erkennen, Sanierungs- und Präventionsmaßnahmen einordnen und Versicherer mit fundierten Informationen versorgen. Gleichzeitig wird die kommunikative Rolle wichtiger: Kunden müssen verstehen, warum sich der Markt verändert und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Die Zeiten, in denen Wohngebäudeversicherung vor allem über den Preis entschieden wurde, gehen zu Ende. Beratungstiefe und Marktverständnis werden künftig stärker über den Mehrwert eines Maklers entscheiden.
Wie wird der Markt in der Wohngebäudeversicherung sich in den nächsten Jahren Ihrer Meinung nach entwickeln – und was bedeutet das für Makler und Versicherungsnehmer?
Wir gehen davon aus, dass sich der Markt in der Wohngebäudeversicherung weiter differenzieren und insgesamt anspruchsvoller bleiben wird. Klimabedingte Schadenereignisse, steigende Baukosten und eine selektivere Zeichnungspolitik der Versicherer werden Prämien und Versicherbarkeit weiterhin prägen.
Gleichzeitig beobachten wir, dass sich die Wohngebäudeversicherung zunehmend von einem standardisierten Produkt zu einem spezialisierten Markt entwickelt. Für bestimmte Gebäude, Lagen oder Versicherungssummen wird es immer mehr zum individuellen Platzierungsthema und damit in Teilen auch zu einem Nischensegment innerhalb der Sachversicherung.
Für Versicherungsnehmer bedeutet das, dass Versicherungsschutz nicht mehr selbstverständlich und jederzeit austauschbar ist. Instandhaltung, Prävention und professionelles Gebäudemanagement werden stärker darüber entscheiden, ob und zu welchen Konditionen Versicherungsschutz möglich bleibt.
Für Makler entsteht daraus eine klar anspruchsvollere Rolle. Wohngebäudeversicherung entwickelt sich vom Verwaltungsprodukt zum Beratungsprodukt. Wer Risiken frühzeitig einordnet, Bestände aktiv begleitet und transparent kommuniziert, wird für seine Kunden wichtiger denn je.
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Seite 1 Wohngebäude: Rolle des Maklers wird anspruchsvoller
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