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Zehn Jahre Verhaltenskodex des GDV: Erfolgsgeschichte oder Rohrkrepierer?
19. November 2020

Zehn Jahre Verhaltenskodex des GDV: Erfolgsgeschichte oder Rohrkrepierer?

Im November 2010, also vor ziemlich genau zehn Jahren, stellte der damalige GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen einen neuen Verhaltenskodex vor, den der GDV für den Vertrieb verankern wollte. Damals mit viel Getöse eingeführt, zwischenzeitlich zweimal nachgeschärft, ist es heute vergleichsweise ruhig geworden um den Verhaltenskodex. Dem Vernehmen nach bröckelt mittlerweile auch die Zahl der teilnehmenden Versicherungsunternehmen. Hans-Ludger Sandkühler zieht Bilanz.

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Im November 2010, also vor ziemlich genau zehn Jahren, stellte der damalige GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen einen neuen Verhaltenskodex vor, den der GDV für den Vertrieb verankern wollte. Damals mit viel Getöse eingeführt, zwischenzeitlich zweimal nachgeschärft, ist es heute vergleichsweise ruhig geworden um den Verhaltenskodex. Dem Vernehmen nach bröckelt mittlerweile auch die Zahl der teilnehmenden Versicherungsunternehmen. Hans-Ludger Sandkühler zieht Bilanz.

Zehn Jahre Verhaltenskodex des GDV: Erfolgsgeschichte oder Rohrkrepierer?

Der GDV zeigte sich bei der Vorstellung des Kodex überzeugt, dass verbraucherpolitische Standards im Finanzsektor künftig eine erheblich größere Bedeutung haben würden als in der Vergangenheit. Bemerkenswert die Worte des Präsidenten: Die Erkenntnis wäre nicht nur dem politischen Druck geschuldet, sondern vor allem der Erkenntnis, dass verbraucherpolitische Standards sich zu einem immer wichtiger werdenden Erfolgsfaktor für die Kundengewinnung und -bindung entwickeln würden. Und dann noch deutlicher: Ziel des Verhaltenskodex wäre, die Qualität beim Vertrieb von Versicherungsprodukten zu sichern und Praktiken entgegenzuwirken, die gegen Kundeninteressen gingen. Deshalb hätte der GDV seinen Anspruch an eine gute Beratung in zehn Punkten zusammengefasst, die den Unternehmen zukünftig als Leitlinien für die Zusammenarbeit mit ihren Versicherungsvermittlern dienen sollten. Bloßer Reflex des GDV auf den politischen Druck oder tatsächlich eine Qualitätsoffensive? Bringen wir es auf den Punkt: Eigentlich nur eine Absichtserklärung, die Interessen der Kunden beim Vertrieb von Versicherungsprodukten zukünftig in den Vordergrund zu stellen. Dazu sind Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittler nach dem VVG ohnehin verpflichtet. Noch eigentlicher also nur eine Absichtserklärung, sich in Zukunft an die bestehenden Gesetze zu halten.

GDV Versicherungstag 2012: Verhaltenskodex für den Vertrieb erweitert und verschärft

Das Ansehen von Vermittlern und Versicherungsunternehmen blieb im Keller. Bei Forsa-Umfragen über die angesehensten Berufe landen die Versicherungsvertreter zum wiederholten Mal auf dem letzten Platz. Erschreckend ist die Kontinuität: Seit dem ersten Ranking im Jahr 2007 stehen Versicherungsvertreter am Ende der Tabelle. In Sendungen wie „Anne Will“ oder „Panorama“ wurden einzelne Schicksale – meist am Beispiel einzelner für die Betroffenen unbefriedigend abgewickelter Leistungsfälle – fokussiert, bei denen Versicherer schlecht wegkamen. Das ist legitim und gibt Anlass, darüber nachzudenken, wie sich Probleme in der Leistungsbearbeitung verbessern lassen. Die Frage ist aber, ob es auch legitim ist, aus dem beobachteten Phänomen induktiv eine abstrakte, allgemeine Erkenntnis abzuleiten, nach der die berichteten Einzelfälle Teil einer systematischen Leistungsverzögerung oder Leistungsverweigerung seien. Unabhängig davon weckt die journalistische Aufbereitung einzelner Schicksalsfälle bei den Zuschau­ern Emotionen, die letztlich mit über das Bild der Versicherer in der Öffentlichkeit entscheiden. Und dann noch die Berichte über Eskapaden in Budapest und Rio de Janeiro. Und der unsägliche Auftritt des Mehmet E. Göker im Zusammenspiel mit Versicherungsunternehmen, die die gerufenen Geister nur mit Staatshilfe und verordneter Provisionsdeckelung wieder loswerden konnten.

In seiner Rede auf dem GDV Versicherungstag 2012 wollte Präsident Hoenen nichts beschönigen, aber „höflich formulieren“: „Wir haben alle das Gefühl, unser Bild in der Öffentlichkeit könnte eigentlich besser sein.“ Zu Recht brachte er dann das Geschäftsmodell der Versicherungswirtschaft in Erinnerung: Menschen und Unternehmen von Risiken zu entlasten und in der zu Not helfen. Angesichts dessen treffe das schlechte Image sachlich nicht zu. Allerdings müsse man eigene Fehler und Schwächen erkennen und an ihrer Beseitigung arbeiten: „Wir müssen sagen, was wir tun, wir müssen aber auch tun, was wir sagen.“ So brachte es Hoenen klug auf den Punkt.

Er verwies darauf, dass es in der Versicherungswirtschaft eine große Bereitschaft und einen großen Willen gebe, ihr Bild in der Öffentlichkeit nicht alleine durch Hochglanzbroschüren zu repräsentieren, sondern durch konkrete Handlungen dort zu korrigieren, wo es schief sei. Die Versicherungswirtschaft wolle einen sauberen Vertrieb, keine schwarzen Schafe und keine Fehlberatungen aus Provisionsinteressen. Deshalb habe die Versicherungswirtschaft auf ihrer Mitgliederversammlung eine erweiterte und verschärfte Version des Verhaltenskodex verabschiedet. Dieser solle nicht nur auf dem Papier stehen, sondern in der Branche Tag für Tag für jeden Kunden sichtbar gelebt werden. Die Implementierung dieses Kodex werde deshalb künftig von unabhängiger Seite transparent überprüft.

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Seite 2 Fahnder der Versicherer bei Maklern?



Kommentare

von Gabriele Fenner am 19.11.2020 um 12:06 Uhr
Wie wohltuend, das Wort "WERTE" einmal wieder in den Focus zu stellen.
In unserer Branche geht es ursprünglich ausschließlich um WERTE.
Versicherungen sind eigentlich eine zutiefst soziale Aufgabe, deren Ausübung in die Hände einer Gemeinschaft gelegt wird, zu der Versicherte Ihren Obulus (in Form von Beiträge) erbringen, um im Notfall ihre wirtschaftliche Existenz gesichert zu wissen.
So erfüllt unsere Branche also etwas, was den Rechtsstaat unterstützen und soziale Absicherung gewährleisten sollte.
Dass dies privatwirtschaftlich umgesetzt wird, weil sich der Staat dazu nicht in der Lage sieht, ist so lange begrüßenswert, wie dieses soziale Anliegen der Existenzsicherung nicht durch Gewinnstreben Einzelner verkommt.
Leider ist genau das aber passiert.
Versicherungskonzerne gaben durch ihre Vertriebspolitik vor, was von willfährigen Vermittler*innen umzusetzen war. Ziel war und ist die Gewinnmaximierung. Die soziale Absicherung der Versicherten ist schon lange nicht mehr Beweggrund des Handels in unserer Branche.
Aber was passiert aktuell?
Internetportale legen die Verantwortung in Kundenhand und befördern damit die Auswahl nach der Devise "billiger geht immer". Der Versicherungskunde von morgen sollte also vor der Entscheidung zu einer Versicherung eine vergleichbare Aus- und Weiterbildung absolviert haben, die unserem Berufsstand zurecht (und viel zu spät) auferlegt wurde.
Dann kann der Kunde sich endlich über sich selbst ärgern, wenn er die falsche Wahl getroffen hat. Und diese gierigen Versicherungsvermittler*innen werden sich durch ihr jahrzehntelanges Handeln bald selbst vom Markt gefegt haben?

Und dennoch können wir Makler*innen durch unser Handeln dazu beitragen, den Grundgedanken des Versicherungswesens wieder mit Leben zu füllen.
nämlich durch sachkundige und bedarfsgerechte Beratung unseren Versicherten WERTerhalt und Existenz zu sichern.
Und wenn wir dann endlich eine Lobby hätten, die darüber in den Massenmedien berichtet, den beamteten oder beeinflussten Entscheidern in der politischen Gremien die Augen öffnet und denen, die täglich im Sinne ihrer Kunden handeln, ihr Einkommen aus diesem Handeln zu gönnen, wären wir einen Schritt weiter. Aber - dazu müsste unser Wirtschaftssystem einmal neu gedacht werden. Ob sich das die Vorstände in der Versicherungswirtschaft jemals trauen werden?

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