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19. November 2020
Zehn Jahre Verhaltenskodex des GDV: Erfolgsgeschichte oder Rohrkrepierer?

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Zehn Jahre Verhaltenskodex des GDV: Erfolgsgeschichte oder Rohrkrepierer?

Fahnder der Versicherer bei Maklern?

Die in dem Kodex zum Ausdruck gebrachte Absicht und Selbstverpflichtung, nur noch mit Vermittlern zusammenzuarbeiten, die sich an den im Kodex niedergeschriebenen Werten und Inhalten ebenfalls orientieren, führte nach einer etwas unglücklichen Kommunikation zu einer völlig überflüssigen Diskussion gerade unter Maklern, ob und inwieweit Versicherer den Maklern Verhaltensweisen vorschreiben und diese kontrollieren wollten. Natürlich ein No-Go. Das war aber nie beabsichtigt und ist auch nicht vorgekommen. Mittlerweile ist die Diskussion verstummt. Überhaupt ist es ruhig geworden um den Kodex.

Aktualisierung wegen Umsetzung der IDD

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat der GDV den Verhaltenskodex Ende 2018 an die durch die Umsetzung der IDD geänderte Gesetzeslage angepasst. Inhaltlich hat sich dadurch nichts geändert. Der Kodex ist nach wie vor nichts anderes als eine Absichtserklärung, sich an die bestehenden Gesetze halten zu wollen. Wenn jetzt einige Versicherer die Beitrittsliste des GDV zum Kodex etwa mit der Begründung verlassen, die Umsetzung der IDD habe deutlich strengere Normen für die Qualität der Beratungsleistungen geschaffen, die über die freiwillige Selbstverpflichtung des Kodex hinausgehen, weshalb der Kodex quasi obsolet geworden sei, wird deutlich, dass die ursprünglichen Beweggründe und der Geist des Kodex aus dem Fokus geraten sind.

Den Worten Taten folgen lassen

„Ich bin mir sicher, wenn wir die Dinge mit der notwendigen Wahrhaftigkeit und der nötigen Aufrichtigkeit angehen und wenn die Menschen dies spüren, dass wir das tun, dann wird sich auch unser Bild in der Öffentlichkeit Tag für Tag Schritt für Schritt verbessern“, so Hoenens Quintessenz auf dem GDV Versicherungstag 2012. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Was wir damals wie heute brauchen, ist ein Paradigmenwechsel in der Überzeugung und im Tun. Die Versicherungswirtschaft und insbesondere die Vermittler müssen von ihrer Mission überzeugt sein. Dazu gehört ein Selbstverständnis, für etwas Sinnvolles und Werthaltiges zu stehen. Dazu gehört aber auch, dieses Selbstverständnis zu kommunizieren. Und es zu leben. Gemeinsam zu leben.

Fazit

Hoenen hat über Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit gesprochen und damit eine Wertediskussion angestoßen. Genau darum ging und geht es immer noch. Um innere Überzeugungen und Wahrheit. Nicht um Wirtschaftsprüfertestate. Leider ist es um den Verhaltenskodex auffällig still geworden. Deshalb keine Erfolgsgeschichte. Vielleicht deshalb nicht, weil Bürokratie und Aktionismus wichtiger waren als die Reflexion über die Werte. Aber auch kein Rohrkrepierer, weil Hoenens kluge Worte immer noch nachhallen.

Über den Autor

Hans-Ludger Sandkühler ist ausgewiesener Experte in Maklerfragen, gefragter Referent und Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Außerdem ist er Mitinitiator des Arbeitskreises „Beratungsprozesse“ sowie Geschäftsführer des Instituts für Verbraucherfinanzen.

Den Artikel lesen Sie auch in AssCompact 11/2020, Seite 84 f., und in unserem ePaper.

Bild: © tostphoto – stock.adobe.com