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7. Juni 2026
Zeit, dass sich was (neu) dreht
Zeit, dass sich was (neu) dreht

Zeit, dass sich was (neu) dreht

Steffen Ritter ist Geschäftsführer des Instituts Ritter. Außerdem ist er Autor, Trainer, Redner und Mitinitiator des Jungmakler Awards. Für AssCompact gibt er Maklern in seiner monatlich erscheinenden Kolumne praktische Tipps, um besondere und alltägliche Herausforderungen zu meistern.

Viele langjährig erfolgreiche Versicherungsmakler spüren derzeit, dass sich der Markt rasant verändert. Kunden ticken anders, Mitarbeiter erwarten andere Arbeitsmodelle und digitale Systeme entwickeln sich schneller als je zuvor. Gleichzeitig entsteht gerade für erfahrene Makler eine große Chance: Noch nie waren Vertrauen, Erfahrung und echte Beratung so wertvoll wie heute.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob klassische Maklerbetriebe noch Zukunft haben. Die eigentliche Frage ist: Wie modern wird diese Erfahrung organisiert und weiterentwickelt?

Denn genau hier trennt sich der Markt zunehmend. Auf der einen Seite stehen Betriebe, die weiterhin stark und ausschließlich über persönliche Einsatzbereitschaft funktionieren. Auf der anderen Seite entstehen moderne Makler, die Erfahrung mit klaren Prozessen, digitalen Systemen und intelligenter Automation verbinden.

Zielgruppenklarheit statt Bauchladen-Prinzip

Viele Makler sind über Jahrzehnte gewachsen, mit gemischten Beständen und einer Kommunikation, die möglichst „für alle“ funktionieren soll. Genau das wird jedoch zunehmend zum Problem.

Der Markt 2026 reagiert deutlich stärker auf Spezialisierung. Kunden möchten schneller erkennen:

  • wofür ein Makler steht,
  • welche Zielgruppen er versteht
  • und worin seine besondere Kompetenz liegt.

 

Moderne Makler positionieren sich deshalb bewusster – beispielsweise als Spezialist für bestimmte Themen, bestimmte Berufsgruppen oder für moderne Vorsorge- und Vermögenskonzepte.

Das führt meist nicht zu weniger Geschäft, sondern zu deutlich klarerer Wahrnehmung, höheren Empfehlungsquoten und besseren Kundenbeziehungen. Nicht der größte Bauchladen gewinnt künftig den Markt, sondern die klarste Positionierung.

Automation wird zur Betriebsgrundlage

Viele Makler verlieren täglich eine Menge Zeit durch manuelle Abläufe. Wiedervorlagen werden vergessen, Kunden müssen mehrfach erinnert werden und interne Prozesse hängen stark von einzelnen Personen ab. Hoheitswissen wird zur Gefahr.

Dabei stehen heute Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sich große Teile der täglichen Organisation automatisieren lassen, z. B. Interessentengewinnung, Terminvereinbarungen, Nachfassprozesse, Schadenkommunikation, interne Aufgaben, Dokumentationen und vieles mehr.

Die erfolgreichsten Makler 2026 arbeiten deshalb nicht unbedingt mehr – sondern deutlich strukturierter. Wichtig ist zu verstehen: Automation ersetzt dabei nicht die persönliche Beratung. Sie schafft vielmehr Freiräume für genau die Tätigkeiten, die Kunden weiterhin von Menschen erwarten: Vertrauen, Einordnung und persönliche Begleitung.

Die zentrale Zukunftsfrage lautet: Welche Aufgaben erledigen Mitarbeiter heute noch manuell, obwohl sie längst automatisierbar wären?

Social Media wird zum digitalen Vertrauensaufbau

Viele erfahrene Makler betrachten Social Media noch immer kritisch oder unterschätzen dessen Wirkung. Dabei informieren sich Kunden längst über digitale Inhalte, Eindrücke und regelmäßige Sichtbarkeit.

Interessant ist dabei: Nicht perfekte Hochglanzinszenierung funktioniert besonders gut, sondern Echtheit und Klarheit. Bereits einfache Inhalte wie z. B. kurze Erfahrungsberichte, typische Fehler von Kunden, Einblicke in moderne Beratungsprozesse oder verständliche Einschätzungen aktueller Entwicklungen können starke Wirkung entfalten.

Social Media entwickelt sich weg von Werbung hin zu dauerhaftem Vertrauensaufbau. Wer regelmäßig sichtbar ist, wird zunehmend als relevanter Ansprechpartner wahrgenommen, lange bevor überhaupt ein Beratungsgespräch stattfindet.

„AI first“ wird zur neuen Normalität

Künstliche Intelligenz verändert die Vermittlung derzeit fundamental. Viele Makler denken dabei noch an Texte erstellen oder eine Frage beantworten lassen. Das ist aber lediglich die „Kindergarten-Stufe“ der KI-Nutzung.

Wer KI wirklich einbindet, schafft zeitlich enorme Entlastung in der gesamten Korrespondenz, in der Dokumentation, in der internen Wissensdatenbank, aber auch in Kundenakquise und „Prozessintelligenz“.

Besonders spannend ist 2026 die Entwicklung eigener KI-Agenten. Diese übernehmen künftig ganze Prozessketten nahezu eigenständig. In der Jungmakler MasterClass war das eines der spannendsten Themen. Auch jedem etablierten Makler empfehle ich sehr, sich hier Know-how zu holen.

Ein modernes Maklerunternehmen könnte beispielsweise so arbeiten: Ein Kunde sendet eine Anfrage. Die KI erkennt das Anliegen, fordert per intelligenter Automation alle notwendigen Unterlagen an, erstellt interne Aufgaben, bereitet die Beratung vor und informiert zuständige Mitarbeiter.

So entstehen Unternehmen, die schneller, strukturierter und deutlich skalierbarer arbeiten als klassische Einzelarbeitsmodelle. Steven, mein KI-Bro, steht als Ansprechpartner hierfür sehr gern zur Verfügung. Einfach ihm mal schreiben.

Neue Kooperationsformen mit Mitarbeitenden

Auch die Zusammenarbeit innerhalb von Maklerbetrieben verändert sich deutlich. Das klassische Modell „Chef organisiert alles zentral“ verliert zunehmend an Effizienz.

Gerade jüngere Fachkräfte erwarten mehr Eigenverantwortung, flexible Arbeitsformen, moderne digitale Strukturen und stärkere Mitgestaltungsmöglichkeiten. Innovative Maklerbetriebe reagieren darauf mit hybriden Arbeitsmodellen, projektbezogener Zusammenarbeit und stärker digitalisierten Abläufen.

Gleichzeitig ermöglichen moderne Systeme heute auch kleineren Betrieben oder Einzelmaklern eine Produktivität, die früher nur mit deutlich größerem Personalaufwand möglich gewesen wäre. Die Zukunft gehört deshalb nicht automatisch den größten Teams, sondern vielmehr den intelligentesten und modernsten Betrieben.

Die Rundum-Beratung feiert ihre Renaissance

Viele Bestände sind über Jahre hinweg fragmentiert entstanden: einzelne Verträge, einzelne Themen, verschiedene Vermittler für einen Kunden. Dabei liegt gerade in der strukturierten Komplettberatung enormes Entwicklungspotenzial.

Moderne Makler begleiten ihre Kunden – natürlich passend zur eigenen Strategie – zunehmend ganzheitlich. Der Effekt ist erheblich. Es entstehen deutlich stabilere Kundenbeziehungen, höhere Empfehlungsquoten und dadurch zugleich eine größere Bestandsfestigkeit sowie natürlich deutliche Beitragsvorteile durch strukturierte Rundum-Beratung.

Gerade erfahrene Makler besitzen hier einen enormen Vorsprung – wenn sie ihre Beratung modern organisieren und konsequent weiterentwickeln.

Der Makler muss wieder Unternehmer werden

Viele Makler sind im operativen Alltag gefangen. Rückrufe, E-Mails, Sachbearbeitung und spontane Probleme dominieren den Tagesablauf. Doch Betriebe wachsen nicht durch permanente Reaktion. Sie wachsen durch strategische Führung.

Die modernsten Makler schaffen deshalb bewusst Raum für Entwicklung, Positionierung, Prozessoptimierung, Mitarbeiterführung, Innovation, Kooperationen und strategische Entscheidungen.

Die vielleicht wichtigste Veränderung der kommenden Jahre lautet deshalb: Der Makler der Zukunft ist nicht nur Profi im Thema Versicherungen. Er baut vielmehr ein wirklich professionell organisiertes, sehr modernes Unternehmen.

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