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9. März 2026
„Anschlussfinanzierungen rücken in den Fokus des Markts“
„Anschlussfinanzierungen rücken in den Fokus des Markts“

„Anschlussfinanzierungen rücken in den Fokus des Markts“

Wie steht es um die Nachfrage nach Baufinanzierungen? Was zählt heute bei der Gewinnung neuer Kunden und welches Potenzial liegt im Bereich der Anschlussfinanzierungen? Antonio Skoro, Geschäftsführer des Finanzierungsmaklerpools Qualitypool GmbH, mit Einblicken und Einschätzungen.

Interview mit Antonio Skoro, Geschäftsführer der Qualitypool GmbH (Finanzierungsmaklerpool)
Herr Skoro, mit welchen Erwartungen sind Sie im Bereich der Immobilienfinanzierung ins Jahr 2026 gestartet?

Wir sind mit positiven Erwartungen ins Jahr 2026 gestartet, allerdings mit weniger Rückenwind als erhofft − obwohl wir es inzwischen schon gewohnt sind, dass die Entwicklung des Finanzierungsmarkts maßgeblich von einigen schwer kalkulierbaren Einflussfaktoren abhängen wird. Politische und geopolitische Spannungen können sich wieder auf die Konjunktur und natürlich auch auf den Zins- und Anleihenmarkt auswirken. Damit können wir inzwischen aber vergleichsweise gelassen umgehen. Wichtig ist für uns, dass wir unsere Vertriebspartner in dieser Marktsituation gezielt unterstützen, damit sie die Chancen, die sich im Markt bieten, nutzen können.

Bei Qualitypool gehen wir davon aus, dass das Finanzierungsvolumen in diesem Jahr noch einmal zulegen könnte – wie wir das schon 2025 beobachten konnten. Die Krise scheint endgültig vorüber zu sein, und es besteht wieder mehr Leistbarkeit, auch wenn wir momentan nicht von idealen Bedingungen für potenzielle Finanzierungskunden sprechen können.

Die Zinsentwicklung wird die Nachfrage natürlich maßgeblich beeinflussen. Gegebenenfalls wird es auch weitere politische Maßnahmen − nach dem Bauturbo und den Vorschlägen um den Gebäudetyp E − geben, welche die Nachfrage nach Finanzierungen antreiben. Das grundsätzliche Interesse der Deutschen an Immobilien, insbesondere zur Altersvorsorge, wird hoch bleiben.

Worin liegen derzeit Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen in der Beratungspraxis?

Nicht nur die Immobiliardar­lehensvermittler, sondern wir alle leben in einer extrem komplexen Welt mit unzähligen Möglichkeiten, die uns regelmäßig überfordern kann. Für unsere Partner ist es essenziell, mit möglichst einfachen Prozessen zu arbeiten, Inhalte schnell aufnehmen und effizient beraten zu können. Für uns ist es eine der wichtigsten Aufgaben, sie dabei zu unterstützen und für größtmögliche Klarheit zu sorgen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Banken verändert?

Qualitypool agiert als Mittlerin zwischen den Vertriebspartnern und den Banken. Im Austausch merken wir, dass der Qualitätsanspruch für die Banken noch stärker in den Fokus gerückt ist, damit sie ihre Effizienz weiter steigern. Vor allem die großen Institute wählen ihr Geschäft selektiver aus. Wir unterstützen die Vermittler dabei, Unterlagen entsprechend den Anforderungen der Banken zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die am besten passende Bank für eine Finanzierung auszuwählen. Ein Service, den wir in der Bearbeitung, aber auch immer stärker technologisch unterstützt anbieten.

Die Gewinnung neuer Kunden ist für viele Vermittler ein zentrales Thema. Welche Strategien funktionieren aus Ihrer Sicht gut – und wo braucht es neue Ansätze?

Die Zeiten, in denen unspezifische bzw. unvollständige Leads weiterverkauft wurden, ist längst Geschichte. Die neue Generation der Lead-Tools bietet eine umfassende Lead-Journey, Echtzeitkonditionen und einen Look im eigenen Corporate Design, etwa auch Europace One, das wir bei Qualitypool anbieten. Über ihre Social-Media-Auftritte können Vertriebspartner mit der richtigen Positionierung viel erreichen, das hören wir regelmäßig von unseren Partnern. Zur Unterstützung bieten wir in unserer Qualitypool Academy verschiedene Seminarformen und Social-Media-Fortbildungen an, die großen Zuspruch finden.

Wir hören aber auch immer wieder, dass eine regionale Ausrichtung des eigenen Geschäftsmodells mit Mundpropaganda und einem Mix aus digitalen und klassischen Werbeformen für große Erfolge sorgen kann.

Wo stehen wir bei der Digitalisierung in der Baufinanzierung? Wo hakt es noch? Und wie ist es um die Potenziale von KI bestellt?

Bei den KI-Lösungen verlassen wir langsam, aber sicher die Buzzword- und Experimentierphase und wenden uns dem Produktivitätsgewinn zu. Die Technik entwickelt sich wirklich rasant, und das Thema Agents gewinnt verstärkt an Bedeutung. Auch Schwestern aus dem Hypoport-Netzwerk arbeiten bereits KI-basiert, zum Beispiel „Ampr“ mit ihrer starken Leadorientierung. Neben Produktivitätsgewinnen bietet KI momentan viel Potenzial für die Kundenkommunikation. In Zukunft werden neue KI-basierte Geschäftsmodelle spannend. Wir freuen uns sehr, dass wir im Hypoport-Netzwerk Teil dieser Revolution in der Baufinanzierung sind.

Bei vielen Hauseigentümern läuft die Zinsbindung ihrer Immobilienfinanzierung aus – oft nach Jahren niedriger Zinsen. Rückt künftig also das Thema Anschlussfinanzierung verstärkt in den Fokus?

Über die Daten der Europace-Plattform haben wir einen sehr guten Einblick in die Ausgangslage. In den nächsten Jahren werden Anschlussfinanzierungen mit einem Volumen von über 500 Mrd. Euro abgewickelt. In der Phase des starken Zinsanstiegs haben viele Finanzierungsnehmer zunächst einmal abgewartet. Nun werden die Anschlussfinanzierungen fällig und rücken ganz automatisch in den Fokus des Markts.

Wie können sich Vermittler vorbereiten und was gilt es zu beachten?

Rund drei Viertel der Finanzierungskunden planen laut Umfragen, dass sie die Anschlussfinanzierung bei der gleichen Bank abschließen. Da kommt das Thema Beratungsqualität für unsere Vertriebspartner ins Spiel. Eine solche Ausgangslage bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Kunden umfassend zu informieren und spannende Alternativen zu bieten. Häufig fokussieren sich die Immobiliardarlehensvermittler sehr stark auf das Neugeschäft, das Thema Anschlussfinanzierung kann aber gerade in nächster Zeit ein lukrativer Hebel für das eigene Geschäftsmodell sein. So kann ein gestiegener Objektwert im Verlauf der Erstfinanzierung bei dem anderen Institut zu einem günstigen Zinssatz für die Anschlussfinanzierung führen.

Lesen Sie das Interview in voller Länge in AssCompact 03/2026 im Schwerpunkt „Immobilienfinanzierung“ und in unserem epaper.
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