Frau Dr. Lotzkat, wo liegen die Bauzinsen aktuell für eine klassische Finanzierung mit zehnjähriger Zinsbindung?
Den einheitlichen Bauzins gibt es nicht. Der konkrete Zinssatz hängt unter anderem vom Eigenkapital, dem Kaufpreis, der Lage und Qualität der Immobilie sowie von der gewählten Finanzierung ab. Für eine klassische Finanzierung mit zehnjähriger Zinsbindung und einem Eigenkapitalanteil von etwa 20% bis 30% bewegen wir uns derzeit in vielen Fällen bei rund 4%. Sehr gute Bonität und ein niedriger Beleihungsauslauf können zu besseren Konditionen führen, wenig Eigenkapital hingegen zu deutlich höheren. Entscheidend ist deshalb, Angebote nicht nur bei einer Bank einzuholen. Ein umfassender, unabhängiger Zinsvergleich ist gerade in diesem Umfeld unverzichtbar.
Die EZB hat vor Kurzem die Leitzinsen erhöht. Womit müssen Kaufinteressenten perspektivisch bei den Bauzinsen denn rechnen?
Die Entscheidung der EZB war an den Kapitalmärkten weitgehend eingepreist. Wie sich die Bauzinsen in den kommenden Wochen entwickeln, hängt vor allem von den weiteren Signalen der EZB und der Lage an den Kapitalmärkten ab. Sollte die EZB beispielsweise wegen einer hartnäckigeren Inflationsprognose und anhaltend hohen Energiepreisen einen längeren restriktiven Kurs andeuten, könnte dies an den Kapitalmärkten und in der Folge auch in den Baufinanzierungszinsen Berücksichtigung finden.
Viele Interessenten hoffen auf wieder sinkende Zinsen. Ist Abwarten derzeit eine kluge Strategie?
Auf den perfekten Bauzins zu warten, ist selten eine gute Strategie. Kleine Schwankungen sind immer möglich. Wer den Immobilienkauf aber allein in der Hoffnung auf günstigere Konditionen aufschiebt, riskiert, eine passende Immobilie zu verlieren oder später zu vergleichbaren – möglicherweise sogar höheren – Konditionen finanzieren zu müssen.
Entscheidend ist nicht, ob der Zins noch einmal um einige Zehntelprozentpunkte sinkt. Entscheidend ist, ob die Immobilie zur eigenen Lebensplanung passt und die Rate langfristig sicher tragbar ist. Wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, sollte die Finanzierung zügig und solide stehen.
Nehmen wir dieses Beispiel: Eine Immobilie kostet 450.000 Euro, hinzu kommen Kaufnebenkosten von 10%. Bei 90.000 Euro Eigenkapital ergibt sich ein Finanzierungsbedarf von 405.000 Euro. Unterstellt sind eine anfängliche Tilgung von 2% und eine zehnjährige Zinsbindung.
Bei einem Zinssatz von 4,1% liegt die monatliche Rate bei rund 2.059 Euro. Steigt der Zins auf 4,4%, sind es rund 2.160 Euro – also 101 Euro mehr im Monat. Das ist für viele Haushalte zunächst gut überschaubar. Über mehrere Jahre summiert sich der Unterschied jedoch. Umso wichtiger ist es, das Finanzierungskonzept von Anfang an solide aufzustellen und die monatliche Rate nicht zu knapp zu kalkulieren.
Welche Stellschrauben helfen, eine höhere Rate aufzufangen, ohne die Finanzierung schönzurechnen?
Zunächst sollten Kaufinteressenten nicht allein auf die Finanzierungsrate schauen, sondern die gesamten monatlichen Wohnnebenkosten im Blick haben. Eine energetisch gute Immobilie kann beispielsweise bei den laufenden Energiekosten deutlich entlasten und damit Spielraum bei der Finanzierungsrate schaffen. Daneben lohnt der Blick auf mögliche Förderprogramme, die in Form von Tilgungszuschüssen oder zinsvergünstigten Darlehen ebenfalls zu einer verringerten Finanzierungsrate beitragen können.
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Seite 2 Entsteht durch die aktuelle Zurückhaltung vieler Interessenten wieder mehr Verhandlungsspielraum beim Kaufpreis?
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