AssCompact suche
Home
Software
26. Februar 2026
„KI macht die Vorarbeit, der Makler übernimmt den Abschluss“
„KI macht die Vorarbeit, der Makler übernimmt den Abschluss“

„KI macht die Vorarbeit, der Makler übernimmt den Abschluss“

Bei der Produktplattform Snoopr ist eine autonome KI-Assistentin namens AVA integriert. Was die KI kann, inwiefern Makler profitieren und was AVA mit dem T-800 aus Terminator 2 gemeinsam hat, erläutert Markus Heussen, Gründer und CEO der b-tix GmbH und Ava GmbH, Betreiberin von Snoopr, im Interview.

Herr Heussen, mit der Plattform Snoopr verfolgen Sie einen anderen Ansatz als herkömmliche Vergleichsportale. Worin bestehen die konkreten Unterschiede – und Mehrwerte für Vermittler?

Die meisten Menschen fühlen sich von Versicherungsvergleichen überfordert – zu viele Felder und Informationen, zu viele Fachbegriffe und zu lange Listen. Am Ende vertrauen sie darauf, dass der Vergleicher schon richtig sortiert hat, und wählen meist unter den Top 5. Mit Snoopr ist das anders: Ein Satz im Gespräch mit der KI-Assistentin AVA reicht, und sie übernimmt alles Weitere. Das fühlt sich nicht mehr nach Versicherung an, sondern wie ein modernes Tech-Produkt. Für Makler ist genau das spannend: Wenn Verbraucher natürlicher und offener mit einer KI sprechen, entstehen qualifizierte Anfragen, die sie über klassische Vergleichsportale nicht bekommen. Makler können zusätzlich ihre eigenen Produkte direkt bei Snoopr listen und werden so Teil dieser KI-gestützten Suche. Das schafft Sichtbarkeit und einen digitalen Vertriebsweg, den Vergleichsportale ihnen nicht bieten.

Sie haben Ihre Plattform gerade in einer neuen Version vorgestellt. Welche zentralen Neuerungen wurden eingeführt?

Bislang war Snoopr aufgebaut wie eine Suchmaschine mit einem Suchschlitz wie bei Google. Doch die klassische Suche stirbt. Menschen interagieren zunehmend mit KI, und diese übernimmt die Suche inzwischen schneller und sogar präziser, als wir es selbst könnten. Genau deshalb haben wir Snoopr von Grund auf neu entwickelt und eine der ersten autonomen Versicherungs-KI unserer Branche zum Leben erweckt.

Herzstück des Systems ist die bereits erwähnte KI-Assistentin AVA. Was kann AVA alles und inwiefern profitieren Vermittler?

AVA macht die Suche persönlich: Nutzer schildern ihr einfach ihre Situation – AVA versteht den Kontext, recherchiert eigenständig weiter, bewertet konsequent aus Verbrauchersicht und organisiert sogar selbstständig Angebotsanfragen. Sie findet und erklärt Produkte und vermittelt zwischen Kunden und Maklern. Dabei wirkt sie ein wenig wie der T-800 aus Terminator 2 – mit einem einzigen Ziel: dich zu schützen. Makler profitieren davon: AVA führt das Vorgespräch und liefert qualifizierte Leads, Makler bringen ihre Expertise ein und übernehmen den Abschluss.

AVA übernimmt also relativ viele Aufgaben eigenständig. Wie stellen Sie sicher, dass diese Prozesse transparent bleiben und Makler weiter die Kontrolle über ihre Daten und Empfehlungen behalten?

Auch wenn AVA viele Schritte selbstständig übernimmt, bleibt der Prozess für Verbraucher und Makler jederzeit transparent. AVA zeigt offen, welche Informationen sie nutzt und welche Produkte sie gefunden hat. Sie zitiert aus Produktinformationen, die Nutzer selbst einsehen können, und erläutert nachvollziehbar, wie sie zu ihren Einschätzungen kommt. Nichts passiert im Hintergrund, ohne dass es nicht sichtbar wäre. Weil AVA aufgrund ihrer Eigenschaften unter den Hochrisikobereich des EU AI Acts fällt, bleibt der Mensch immer eingebunden. In der Welt der KI-Agenten nennt man das den „Human in the Loop“ – und genau deshalb gehören Makler als Partner von AVA ebenfalls zum Herzstück unserer Plattform. Die KI übernimmt die Vorarbeit, doch der Makler prüft, begleitet und verantwortet den Abschluss. So arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand.

Die Plattform sucht auch Spezial- und Nischenversicherungen aus dem privaten und gewerblichen Bereich, die auf Vergleichsportalen oft nicht erscheinen. Wie gelingt es der KI, diese Produkte zuverlässig einzuordnen und vergleichbar zu machen?

Unsere KI arbeitet nicht wie ein Vergleichsrechner, der nur Tarife aus einer festen Datenbank abbilden kann und Produkte direkt gegenüberstellt. AVA versteht zuerst die Situation des Nutzers und leitet daraus ab, welche Schwerpunkte für genau diesen Fall relevant sind. Auf dieser Basis findet und ordnet sie auch Spezial- und Nischenprodukte ein. Dabei vergleicht sie Produkte nicht direkt miteinander, sondern indirekt, indem sie deren Eigenschaften mit den Anforderungen des Nutzers vergleicht. So entsteht eine Relevanzlogik, die unabhängig von den starren Strukturen klassischer Vergleichsportale funktioniert.

Auf der Plattform lassen sich inzwischen Produkte von nahezu allen Versicherern in Deutschland finden, darunter speziell für KI optimierte Produkte. Was bedeutet „KI-optimiert“ konkret?

AVA ist nicht darauf beschränkt, nur die Produkte zu nutzen, die Anbieter in der Plattform Snoopr hinterlegt haben. Sie kann auch selbstständig Produkte finden, analysieren und in ihre Datenbasis aufnehmen – sie lernt also täglich dazu. Bei KI-optimierten Produkten wird AVA von uns gezielt darauf trainiert, ein Produkt im Detail zu verstehen. Über technische Schnittstellen stellen wir ihr umfangreiche Produktdaten bereit. Dafür nutzen wir die Vernetzungsplattform b-OX LD von b-tix und MCP AgentLink, die KI-Agenten-Schnittstelle der Plattform – eine Art USB-C-Standard für künstliche Intelligenz. Denn je mehr AVA über ein Produkt weiß, desto präziser kann sie es der Situation eines Nutzers zuordnen. Das führt oft zu höherer Sichtbarkeit, weshalb diese Option meist von Assekuradeuren und Versicherern mit BiPRO-Schnittstelle genutzt wird.

Wie muss die Listung von Produkten erfolgen, um künftig in der KI-Welt sichtbar zu sein? Und was ergibt sich daraus für Vermittler?

Für die Sichtbarkeit in einer KI-basierten Suche ist generell entscheidend, wie gut ein Produkt sprachlich beschrieben ist. AVA findet zwar auch Produkte, die gar nicht in Snoopr gelistet sind, doch die höchste Qualität erreicht sie dann, wenn Anbieter ihre Produkte direkt bei uns einstellen und klar formulieren. Besonders effektiv sind BiPRO-Schnittstellen, weil die KI dadurch zusätzliche Produktdaten erhält. Das alles Entscheidende ist jedoch die Sprache: Produkte müssen so beschrieben sein, dass sie die Bedürfnisse der Zielgruppen klar adressieren. Interessanterweise sind Makler den Versicherern an dieser Stelle oft voraus, weil sie die Sprache der Verbraucher sprechen – und AVA liebt solche klaren, alltagsnahen Formulierungen. Wer seine Produktbroschüren, Leistungsbeschreibungen und Bedingungen entsprechend aufbereitet und direkt bei Snoopr listet, sorgt dafür, dass die KI das Produkt besser versteht und es den passenden Nutzern sichtbar macht.

Lassen Sie uns über Ihr Makler-Partnerprogramm sprechen: Welche Leistungen bieten Sie Vermittlern?

Im Makler-Partnerprogramm geht es vor allem darum, dass Makler von unserer KI profitieren können. AVA bringt Verbraucher mit konkretem Bedarf zu den passenden Experten. Diese Angebotsanfragen vermitteln wir an die angeschlossenen Partner. Das ist für viele Makler ein neuer digitaler Zugangsweg, der direkt aus dem realen Verhalten der Nutzer entsteht. Darüber hinaus können Makler ihre eigenen Produkte bei Snoopr listen und so in der KI-Suche sichtbar machen. Makler erhalten also nicht nur qualifizierte Leads, sondern können über das Anbieterprogramm – genauso wie Assekuradeure und Versicherer – ihre Expertise aktiv in die Plattform einbringen.

Welche Erweiterungen planen Sie für die Plattform?

Wir entwickeln Snoopr konsequent zur KI-Plattform für Versicherungen weiter. AVA wird dazulernen und immer autonomer agieren: tiefer recherchieren, Marktsegmente eigenständig erschließen und Nutzer über längere Zeit begleiten. Auch Makler sollen künftig Zugang zur neuen Snoopr-Version erhalten und damit erstmals selbst von einer autonomen Produktrecherche im Zusammenspiel mit Produktgebern profitieren. Parallel verlassen wir den klassischen Branchenpfad: AVA wird als Tech-Produkt vermarktet – mit Kampagnen, die gezielt die KI-affine Generation von 25 bis 40 ansprechen. Mehr Endkunden heißt auch: mehr qualifizierte Leads für Makler.

Wenn die KI künftig noch stärker autonom agiert: Wie verändert das die Rolle des Maklers? Sehen Sie darin eine weitere Entlastung oder eine strukturelle Veränderung des Berufsbilds?

Zum Berufsbild eines Maklers gehört heute noch viel Grundlagenarbeit: Produkte suchen, Bedingungen vergleichen, Angebote einholen und hinterherlaufen. Genau solche Tätigkeiten übernehmen künftig KI-Agenten wie AVA – schneller und präziser. Dadurch werden Makler entlastet und ihr Job verschiebt sich dorthin, wo sie ihren größten Wert haben: nah am Kunden. Sie kennen ihre Kunden, denken mit, übernehmen Verantwortung und schaffen Mehrwerte, etwa indem sie Menschen miteinander vernetzen oder Chancen frühzeitig erkennen.

Lesen Sie auch:
Lesetipp der Redaktion:

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler