Ein Interview mit Bernd Helmsauer, Geschäftsführer
Herr Helmsauer, Ihr Rückzug als Geschäftsführer der Helmsauer Holding kam für den Markt überraschend. Was war der konkrete Auslöser für diesen Schritt?
Der Rückzug war das Ergebnis eines grundlegenden strategischen Dissenses im Gesellschafterkreis. Es ging nicht um Personen, sondern um die Frage, wie sich eine Maklergruppe nachhaltig entwickeln lässt.
Worin bestand der Dissens mit dem Investor konkret?
Ich halte eine Wachstumsstrategie, die primär auf überwiegend kreditfinanzierten Zukäufen basiert, für problematisch. Integration und Nutzung von Synergien müssen im Mittelpunkt stehen. Zukäufe allein schafften keinen dauerhaften Wert.
Was passiert mit dem Versicherungsmaklergeschäft der Helmsauer-Gruppe nach Ihrem Rückzug?
Das Versicherungsmaklergeschäft wird fortgeführt. Die operative Verantwortung liegt nun vollständig bei Herrn Dr. Tischendorf, der die Holding und alle darunter angesiedelten Maklergesellschaften und den Assekuradeur führt. Ich selbst habe damit operativ nichts mehr zu tun. Meine Rolle beschränkt sich auf die eines Gesellschafters.
Viele Investoren argumentieren, dass Größe ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist. Warum teilen Sie diese Sicht nicht mehr?
Größe ist kein Selbstzweck. Sie erhöht die Komplexität. Ohne klare Integration steigen Kosten, Reibung und Abhängigkeit von immer neuen Übernahmen. Das Modell trägt sich dann nur so lange, wie ausreichend attraktive Kaufobjekte verfügbar sind.
Was hat sich denn im Marktumfeld geändert?
Ganz generell gilt, dass die Zahl der für Investoren wirklich attraktiven Maklerhäuser in Deutschland abnimmt. Von ca. 100 für Investoren relevanten Maklerhäusern sind 88 Häuser mittlerweile verkauft. Die verbleibenden befinden sich in fester Hand oder sind strukturell sehr stabil. Diesem investorenrelevanten Segment steht eine breite Mehrheit von Maklerbetrieben gegenüber, die lediglich ein bis fünf Mitarbeitende haben. Diese kleineren Unternehmen sind für viele Investoren in der Regel nicht attraktiv. Bei EBITDA-Größen von etwa 150.000 bis 200.000 Euro fressen Transaktions- und Due-Diligence-Kosten in der Anfangsphase einen erheblichen Teil des wirtschaftlichen Potenzials auf. Hier wird es bei manchen Konsolidierern neue Antworten benötigen.
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