Ein Gastbeitrag von Artur Reimer, CEO der corify GmbH
Für Industrieunternehmen ist die Versicherungsprämie ein kalkulierbarer Kostenblock. Sie definiert den Preis der Risikofinanzierung. Der eigentliche Belastungsfaktor entsteht jedoch durch das Schadenereignis selbst. Auch wenn Sachschäden und Betriebsunterbrechungen versichert sind, tritt der operative Einschnitt real ein: Produktionslinien stehen still, Lieferverpflichtungen können nicht eingehalten werden, Vertragsstrafen drohen, Kunden weichen auf Wettbewerber aus, Marktanteile gehen verloren. Gleichzeitig werden interne Ressourcen gebunden – Management, Technik, Einkauf und Recht arbeiten über Wochen oder Monate an Wiederanlauf, Ersatzbeschaffung und Abstimmung mit Versicherern.
Prävention ist keine optionale Ergänzung
Diese indirekten Folgen sind häufig nicht vollständig kompensierbar. Lieferketten müssen neu aufgebaut werden. Kundenbeziehungen leiden, und auch das Vertrauen von Geschäftspartnern und Kapitalgebern kann beeinträchtigt werden. Investitionspläne werden verschoben, weil Liquidität gebunden ist. Selbst bei vollständiger finanzieller Entschädigung bleibt der strategische und reputative Schaden bestehen.
Gleichzeitig wirken steigende Schäden auch auf die Versicherer zurück. Wenn Schadenaufwendungen strukturell zunehmen, geraten Combined Ratios unter Druck. Die Folge sind Anpassungen bei Kapazitäten, Bedingungen oder Preisstrukturen. Es entsteht eine Wechselwirkung: Schäden belasten Unternehmen operativ – und verändern zugleich die Risikotragfähigkeit des Marktes. Prävention ist damit keine optionale Ergänzung, sondern ökonomische Notwendigkeit für beide Seiten.
Seite 1 Prävention mit Daten: Zukunft der Risikosteuerung
Seite 2 Prävention ist etabliert – aber strukturell begrenzt
Seite 3 Der Hebel liegt in der gemeinsamen Risikostruktur
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