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4. Mai 2026
Ehegattensplitting-Reform: Mehr Gerechtigkeit, echte Gleichstellung

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Ehegattensplitting-Reform: Mehr Gerechtigkeit, echte Gleichstellung

Ehegattensplitting-Reform: Mehr Gerechtigkeit, echte Gleichstellung

Nicht erst seit Finanzminister Klingbeil kürzlich vorschlug, das Ehegattensplitting für neugeschlossene Ehen abzuschaffen, steht es wieder im Fokus. Ein großer Kritikpunkt: Zweitverdienende – oft Frauen – kommen dabei schlechter weg. Was meint die Bundesfachgruppenleiterin für Versicherungen bei ver.di dazu?

Ein Meinungsbeitrag von Deniz Kuyubasi, Gewerkschaftssekretärin in der Bundesfachgruppe Versicherungen bei der Gewerkschaft ver.di

Das Ehegattensplitting gilt seit Jahrzehnten als fester Bestandteil des deutschen Steuersystems. Doch aus gewerkschaftlicher Sicht ist klar: Dieses Modell ist schon längst nicht mehr zeitgemäß. Es verfestigt soziale Ungleichheiten, benachteiligt insbesondere Frauen und setzt falsche Anreize auf dem Arbeitsmarkt. 

Geringere Anreize für Zweitverdienende

Zwar wird das Splitting oft als Instrument der Familienförderung dargestellt, tatsächlich profitieren aber vor allem (Ehe-)Paare, auch kinderlose, mit großen Einkommensunterschieden. Häufig gibt es den Allein- oder Hauptverdiener, meist sind dies Männer. Das Splitting führt dazu, dass Zweitverdienende – meist Frauen – deutlich geringere Anreize haben, ihre Erwerbstätigkeit auszuweiten. Das Ergebnis: geringere Einkommen, schlechtere Aufstiegschancen und langfristig niedrigere Renten. 

Fachkräftemangel wird verschärft

Aus gewerkschaftlicher und auch aus gesellschaftlicher Perspektive ist das ein massives Problem. Eine Perspektive auf gute Arbeit, faire Löhne und eigenständige Existenzsicherung muss es für alle geben – unabhängig vom Familienstand. Das Ehegattensplitting hingegen belohnt ein überholtes Rollenmodell, ignoriert die Lebenswirklichkeit moderner Familien und wirkt gleichstellungspolitisch kontraproduktiv. Es zementiert die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zulasten der Frauen und trägt dazu bei, dass sie häufiger in Teilzeit oder Minijobs verbleiben. Auch arbeitsmarktpolitisch ist das höchst unklug, weil gut ausgebildete Frauen von anspruchsvollen Tätigkeiten ferngehalten werden, wenn es sich finanziell nicht lohnt. So verschärft man den Fachkräftemangel per System. 

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