AssCompact suche
Home
Steuern & Recht
8. Juli 2026
Wenn Fatigue zur Berufsunfähigkeit wird: Hürden bei BU-Anträgen

1 / 2

Wenn Fatigue zur Berufsunfähigkeit wird: Hürden bei BU-Anträgen

Wenn Fatigue zur Berufsunfähigkeit wird: Hürden bei BU-Anträgen

Das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) führt zu starker Erschöpfung und kann die Arbeitsfähigkeit massiv einschränken. Die Beantragung einer BU-Rente ist wegen der schwer nachweisbaren Erkrankung komplex. Worauf es im Leistungsfall ankommt, erläutert Rechtsexperte Björn Thorben M. Jöhnke in seiner regelmäßig erscheinenden BU-Kolumne.

Ein Artikel von Björn Thorben M. Jöhnke, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Partner der Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte

Das Chronische Fatigue-Syndrom, auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS) genannt, betrifft laut präpandemischen Schätzungen rund 250.000 Menschen in Deutschland (Quelle: Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.) Die Erkrankung führt zu ausgeprägter Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, körperlicher Schwäche und Belastungsintoleranz – oftmals so stark, dass ein normales Berufsleben nicht mehr möglich ist.

Für viele Betroffene stellt sich daher die Frage, ob und ab wann sie Anspruch auf Leistungen aus ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Da ME/CFS schwer nachweisbar ist, stoßen Versicherte häufig auf große Hürden.

Ab wann ist man grundsätzlich berufsunfähig?

Entscheidend sind die spezifischen Regelungen im Versicherungsvertrag. Allerdings findet sich in der Regel folgender Passus im Vertrag wieder:

  • „Berufsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, mindestens 6 Monate ununterbrochen außer Stande war oder voraussichtlich mindestens 6 Monate ununterbrochen außer Stande ist in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf, so, wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, zu mindestens 50 % tätig zu sein.“

Ob dies bei ME/CFS zutrifft, muss jedoch stets im Einzelfall geprüft werden. Dabei spielen nicht nur der ausgeübte Beruf und dessen Anforderungen eine Rolle, sondern auch der Verlauf der Erkrankung sowie die daraus resultierenden körperlichen Einschränkungen. Ab wann jemand also berufsunfähig ist, ist eine sehr individuelle Frage und hängt stark von der zuletzt in gesunden Tagen ausgeübten Tätigkeit in Verbindung mit den einzelnen Einschränkungen ab.

Symptome des Chronische Fatigue-Syndrom

Ursache für das chronische Fatigue-Syndrom sind häufig Infektionskrankheiten. Bei ME/CFS ist der Körper nicht mehr in der Lage, ausreichend Energie für körperliche oder geistige Aktivitäten bereitzustellen. Die Folge ist eine ausgeprägte Erschöpfung, die sich durch Ruhe oder Schlaf nicht bessert. Typisch für ME/CFS ist eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden bereits nach geringer Belastung – sowohl körperlich als auch geistig. Dieses Hauptsymptom wird als Post-exertionelle Malaise (PEM) bezeichnet. PEM tritt oft zeitverzögert auf, beginnt Stunden nach der Belastung und kann Tage, Wochen oder sogar länger andauern. Dabei kann sich nicht nur der bestehende Zustand verschlechtern, sondern es können auch neue Symptome hinzukommen. Bei schwerer Ausprägung der Erkrankung reichen bereits alltägliche Reize wie Licht, Geräusche oder die Körperpflege aus, um einen Schub auszulösen. Neben PEM treten häufig weitere Symptome auf, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen können (Quelle: Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.):

  • Störungen des Immunsystems, etwa eine erhöhte Infektanfälligkeit mit grippeähnlichen Symptomen wie Halsschmerzen, Fieber, geschwollenen Lymphknoten und einem anhaltenden Krankheitsgefühl
  • Kreislaufprobleme, zum Beispiel Herzrasen, Schwindel und Blutdruckschwankungen
  • Neurologische und kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Wortfindungsstörungen („Brain Fog“)
  • Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Gliedmaßen
  • Schwere Schlafstörungen, wobei Schlaf die Erschöpfung nicht lindert

Seite 1 Wenn Fatigue zur Berufsunfähigkeit wird: Hürden bei BU-Anträgen

Seite 2 Problem: Nachweisbarkeit im Leistungsfall