Ein Kommentar von Norbert Nöhrbaß, selbstständiger Berater und ehemaliger Geschäftsführer bei Ecclesia
„Global trennt sich von Thomas Wang, der Rauswurf von T. W. hat Folgen“ – dies waren die beiden Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Sie zeigen deutlich, dass es selbst für erfahrene Journalisten nicht leicht ist, die Information statt den Trommelwirbel zu Papier zu bringen. Dabei bietet die Global Gruppe uns zurzeit die einmalige Gelegenheit, in den Spiegel zu sehen und die aktuellen Probleme der Private-Equity-Investoren und die Probleme der Branche und ihrer Mitarbeiter und Kunden mit Private Equity zu sehen und darauf zu reagieren.
Nun, da uns die bisherigen Berichte wenig oder nichts zu den Hintergründen und Ursachen gegeben haben, ist es wahrscheinlich hilfreich, zunächst einmal an die die Ausgangslage vor den wenig „liebevollen“ Schlagzeilen für Global und für den Nun-Ex-CEO Thomas Wang zu erinnern und diese einzuordnen.
Global ist, reden wir nicht um den heißen Brei herum, einer der Außenseiter im Markt, trotz einer beachtlichen Größe und eines beachtlichen Aufstieges in den letzten fünf Jahren.
Wilms & Wilms
Die Gebrüder Kai und Florian Wilms, die als Bank- und Versicherungskaufleute ausgebildet sind und u. a. bei Sitt & Overlack GmbH vor dem Verkauf an Ecclesia gearbeitet und bei Marsh in den USA auch ein Volontariat absolviert haben, gründeten 1999 in Koblenz und Köln ihren ersten Makler. Viele Jahre waren sie eher unauffällige KMU-Makler in der Provinz. Als die PE-Investitionen in den USA und im angrenzenden Europa aufgrund einer Meldung nach der anderen nicht mehr zu übersehen waren und die Deals und Multiples ständig größer wurden, waren die Gebrüder mit bei den Ersten, die nicht nur den Trend, sondern die enormen Möglichkeiten erkannten und konsequent genutzt haben.
Erster Verkauf
2019 haben die Wilms-Brüder die Mehrheit am Unternehmen an den amerikanischen PE-Investor Summit Partners verkauft. In der Folge hat man dann mit tieferen Taschen kräftig zugekauft, und wer sehr kritisch ist, wird sagen, dass es nicht einen strengen Kriterienkatalog für Zukäufe gab oder man Know-how, Produkte, Märkte oder Talente suchte, sondern man kaufte, was zu bekommen war und was man bezahlen konnte. Ich selbst war damals sehr kritisch, sprach von „Giftpilzen im Sammlerkorb“, von Ungleichgewichten bei den Größen, von massiven Integrationsproblemen von Standorten und Mitarbeitern und von juristisch nicht ausreichend gesicherten Wettbewerbs- und Konkurrenzierungsrisiken durch ehemalige Eigner und Führungskräfte.
Tatsächlich sind diese Themen aber unauffälliger gewesen, als Skeptiker wie ich erwartet hatten. Tatsächlich ist das Zusammenlegen der Standorte, das Aufgeben von Eigenständigkeiten, die sehr schnelle Gleichschaltung der Auftritte, Firmenbezeichnungen, Werbung des Cash-Managements, der EDV, der Buchhaltung und des Personalwesens lautlos und ohne negative Marktwahrnehmung über die Bühne gegangen. Das mag reines Glück gewesen sein, das mag aber auch das Glück des Underdogs gewesen sein.
Zweiter Verkauf
Am 01.02.2023 wurde zum zweiten Mal Kasse gemacht. Zwar blieben alle Gesellschafter an Bord, aber neuer Mehrheitseigner wurde Castik Capital. Castik wurde 2014 von ehemaligen Apax-Partnern mit Sitz in Luxemburg gegründet und gilt eigentlich als langfristiger Investor. Castik und Summit halten zusammen 88%, die Gebrüder Wilms, der im Mai 2024 verpflichtete CEO Wang und einige aktive Führungskräfte teilen sich den Rest. Der Castik Deal brachte „nur“ 673 Mio Euro. Zu wenig, wenn man Summit Partners heißt, denn Global war von 5 auf 100 Standorte und von 26 auf 2.200 Mitarbeiter explodiert. Deshalb blieb Summit investiert und ist durchaus sehr aktiv in der Steuerung.
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