Ein Artikel von Christian Parschik, Leiter Betriebshaftpflicht Gewerbe bei Markel Insurance SE
Die Betriebshaftpflichtversicherung zählt zu den unverzichtbaren Grundabsicherungen eines Unternehmens. Sie übernimmt berechtigte Schadenersatzansprüche, wehrt unbegründete Forderungen ab und schützt damit vor den finanziellen Folgen von Personen-, Sach- und daraus resultierenden Vermögensschäden. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten gewinnt diese Funktion weiter an Bedeutung: Schon ein einzelner Schadenfall kann Liquidität binden, Aufträge gefährden und das Vertrauen von Kunden oder Geschäftspartnern beeinträchtigen.
Gleichzeitig hat sich die Ausgangssituation in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Unternehmen bewegen sich in einem Umfeld, in dem Risiken dichter zusammenrücken und stärker ineinandergreifen. Steigende Reparatur- und Wiederbeschaffungskosten, zunehmende Wetterextreme, global verflochtene Lieferketten, wachsende regulatorische Anforderungen und zusätzliche Haftungsfragen rund um Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern das Risikoprofil nahezu aller gewerblichen Kunden. Parallel dazu reagieren Versicherer mit intensiverer Risikoprüfung, stärkerer Differenzierung und höheren Anforderungen an Transparenz und Prävention.
Kleine und mittlere Firmen doppelt unter Druck
Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stehen damit vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits sind sie denselben Entwicklungen ausgesetzt wie größere Marktteilnehmer, andererseits verfügen sie häufig nicht über eigene Risk-Management-Strukturen.
Bereits klassische Haftpflichtsituationen können erhebliche Folgen auslösen: ein Personenschaden nach Verletzung von Verkehrssicherungspflichten, ein beschädigtes Kundeneigentum, ein Missgeschick auf der Baustelle oder ein daraus resultierender Nutzungsausfall. Solche Fälle sind nicht außergewöhnlich – genau deshalb prägen sie die Praxis.
Anforderungen an Produkte und Beratung steigen
Hinzu kommt, dass sich gewerbliche Tätigkeiten inhaltlich verbreitern. Viele Unternehmen arbeiten mit Subunternehmern, nutzen digitale Anwendungen, kommunizieren in sozialen Medien oder ergänzen ihr Kerngeschäft um neue Services. Dadurch entstehen Mischrisiken, die mit klassischen Betriebshaftpflichtkonzepten nicht immer trennscharf erfasst werden. Auch regulatorisch wächst der Druck. Die europäische KI-Verordnung folgt einem risikobasierten Ansatz und schafft neue Anforderungen an Transparenz, Governance und den Umgang mit KI-Systemen. Selbst dort, wo daraus nicht unmittelbar eine Haftung entsteht, verändern sich Erwartungshaltungen von Auftraggebern, Marktpartnern und Vermittlern.
Auch das Marktumfeld unterstreicht die gewachsene Relevanz belastbarer Haftpflichtlösungen. Nach Einschätzung des GDV bleiben steigende Kosten ein wesentlicher Treiber in der Schaden- und Unfallversicherung. Marktbeobachter beschreiben den Gewerbemarkt zugleich als selektiver: Risiken werden intensiver geprüft, Unterschiede in Bedingungswerken treten deutlicher hervor und die Qualität der versicherungstechnischen Aufbereitung gewinnt an Bedeutung. Für Vermittler bedeutet das, dass Standarddeckungen immer häufiger nicht mehr ausreichen, wenn ein Kundenrisiko sachgerecht und dokumentationssicher eingeordnet werden soll.
Zusätzlich steigen die wirtschaftlichen Belastungen durch Extremwetter. Die Europäische Umweltagentur beziffert die durchschnittlichen jährlichen Verluste aus wetter- und klimabezogenen Extremereignissen in der EU für den Zeitraum 2020 bis 2024 auf 44,9 Mrd. Euro. Zugleich war ein erheblicher Teil dieser Schäden nicht versichert. Auch wenn solche Ereignisse nicht in jedem Fall unmittelbar unter die Betriebshaftpflicht fallen, verändern sie die wirtschaftliche Resilienzanforderung an Unternehmen und schärfen den Blick für Folgeschäden, Betriebsunterbrechungen und Haftungsketten.
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