Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen bleibt die Stimmung in der Bevölkerung zu aktienbasierten Geldanlagen gut. Das schreibt das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in seiner Mitteilung zur aktuellen Ausgabe des Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA). Im Juli 2026 hatte er mit 34,5 Punkten den zweithöchsten Wert seit Beginn der halbjährlichen Messungen im Sommer 2020 erreicht. Nur im Winter 2024 war der Wert mit 35,5 Punkten etwas höher. Befragt wurden knapp 2.000 Bürgerinnen und Bürger.
Ostdeutschland schließt auf, junge Menschen besonders positiv
Erfreulich ist die Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern. Dort steigt der Index von 27,4 auf 35,4 Punkte. Damit liegt er erstmals praktisch gleichauf mit dem Westen. Auch bei den jüngeren Befragten setzt sich der positive Trend fort. In der Altersgruppe der 18– bis 29-Jährigen erreicht der Index 52,0 Punkte und steigt damit gegenüber der vorherigen Erhebung nochmals um 4,9 Punkte.
Prof. Dr. Oliver Schellenberger, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA, erklärt: „Hier zeigt sich deutlich, wie Disruption Märkte und Verbraucherverhalten verändern kann. Denn die Haltung junger Menschen zu Aktienanlagen ist ganz sicher auch den Neobrokern zuzuschreiben, denen es besser als den Banken gelungen ist, die Jungen für sich zu gewinnen“.
Neobroker gewinnen weiter an Beliebtheit
Neobroker sind ein gutes Stichwort. Denn innerhalb von nur einem halben Jahr hat sich der Anteil derjenigen, die bei einem Neobroker oder einer Neobank ein Depot führen, von 24,3% auf aktuell 28,1% erhöht, so das DIVA. Vor allem die Jüngeren bis 29 Jahren gehören mit 51,9% dazu. „Die Neobanken mit ihren smarten Apps und neuen Angeboten wie der Verzinsung von Kontenguthaben den Banken und Sparkassen inzwischen spürbar Konkurrenz. Die Reaktionen darauf sind bereits zu sehen, denn auch die etablierten Häuser bieten inzwischen kostengünstige und einfache Trading-Apps an oder haben das Online-Banking ganz neu aufgestellt“, kommentiert Schellenberger.
Nutzung von KI bei der Geldanlage
Erstmals wurde vom DIVA bei der Befragung auch das Thema KI aufgegriffen. Rund 50% der Befragten gaben an, diese bereits zu nutzen, allerdings mit sehr unterschiedlichem Fokus. Knapp 25% setzen sie ein, um sich über Geldanlagen zu informieren und sich zu orientieren. Der Anteil derjenigen, die mithilfe der KI Anlageempfehlungen eines Beraters hinterfragen, liegt unter 10%.
Oliver Mathais, Geschäftsführer des Bundesverbands der Assekuranzführungskräfte VGA erklärt, dass die Ergebnisse plausibel seien, denn wer sich beraten lasse, wolle sich ja gerade nicht die Mühe machen, zeitaufwändig zu recherchieren. Außerdem spiele in der Beratung immer auch Vertrauen eine große Rolle. Ein nachträgliches Hinterfragen spräche eher für Misstrauen.
Deutliche Mehrheit will persönliche Beratung
Unverändert hoch ist mit 72,1% der Anteil derjenigen, die persönliche Beratung als notwendig erachten, um erfolgreich in Aktienanlagen zu investieren. „Wir hätten uns hier von der Politik beim Altersvorsorgedepot und bei der Frühstart-Rente mehr Realitätsbezug gewünscht. Denn beide Projekte gehen vom ‚Homo Oeconomicus‘ aus, der seine Geldanlage rational eigenständig und ohne Beratung regelt. Das Gegenteil ist der Fall. Der Kostendeckel, das Zillmerverbot und die Beschränkung der Frühstart-Rente auf das Standardprodukt zeigen, dass hier Politik an der deutlichen Mehrheit der Bevölkerung vorbei gemacht wurde und wird. Das Mindeste wäre gewesen, für die Frühstart-Rente auch das Altersvorsorgedepot zuzulassen. Jetzt wird es wohl so kommen, dass vermutlich mehr als 90% der Finanzmittel im Staatsfonds der Bundesbank landen werden“, so Mathais‘ Einschätzung. (mki)
Lesetipp der Redaktion: Wenn eine KI von A bis Z das Portfolio managt
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