AssCompact suche
Home
Investment
21. April 2026
Wenn eine KI von A bis Z das Portfolio managt

1 / 2

Wenn eine KI von A bis Z das Portfolio managt

Wenn eine KI von A bis Z das Portfolio managt

Künstliche Intelligenz in der Geldanlage ist schon länger ein Thema – sei es beim Kunden zur Recherche oder beim Fondsmanager zur Datenauswertung. Doch bei den Produkten des Tech-Unternehmens 3Pace erfolgt die Vermögensverwaltung vollständig via KI.

Interview mit Johannes Kappler, Gründer und Geschäftsführer von 3 Pace
Herr Kappler, Sie haben 2021 3Pace gegründet. Erläutern Sie bitte kurz, wofür Sie mit Ihrem Unternehmen stehen – und gerne auch, wie bei Ihnen die Kombi KI – Versicherungsmarkt entstanden ist.

Am Anfang stand echtes Kundenfeedback. 2016 war ich Mitgründer eines InsurTechs mit einer digitalen Fondspolice. In Gesprächen hörte ich immer wieder denselben Satz: „Die Ansparphase ist toll, aber die Rente nehme ich nicht.“ Mir wurde klar: Das mühsam aufgebaute Kapital läuft Gefahr, in starre Strukturen zu rutschen, in denen Trägheit und konservative Rentenfaktoren einen Großteil der Rendite auffressen. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.

Also habe ich mich gefragt: Was wäre, wenn eine Maschine Spar- und Rentenphase konsequent, emotionslos und automatisiert steuern könnte? 2021 habe ich 3Pace gegründet, um genau dieses System zu bauen. Unsere Rolle ist die des Systemarchitekten: Wir verbinden quantitative Methoden, KI und Regulatorik zu einer Plattform, die weitgehend autonom arbeitet und Entscheidungsqualität skalierbar macht. Die Verbindung mit einem Versicherungsmantel war dann fast zwangsläufig: planbare Zahlungen, lange Horizonte und steuerneutrale Umschichtungen. Darauf bauen wir ein System, in dem Kundenkapital nicht nur verwaltet, sondern intelligent gesteuert wird.

Sie haben auch Ihre eigene KI mit dem Namen IIINITY (sprich: Trinity) entwickelt. Handelt es sich dabei um eine „klassische“ generative KI mit Large Language Model oder funktioniert diese anders?

IIINITY ist das genaue Gegenteil von ChatGPT. Generative KI erzeugt Texte und Bilder. Für seriöse Anlageentscheidungen braucht man keine Eloquenz, sondern Mathematik, Modellierung und strikte Regeln.

IIINITY setzt auf KI-optimierte quantitative Methoden: Monte-Carlo-Simulationen, Stresstests und hauseigene Optimierungsalgorithmen. Hinzu kommt eine Marktregime-Erkennung: Die KI erkennt, ob sich das jeweilige Asset in einem Bullen-, Bären- oder Seitwärtsmarkt befindet, und justiert die Strategie dynamisch. Jede Entscheidung ist protokolliert, mathematisch abgesichert und nachvollziehbar. Keine Blackbox.

Mit dem Launch von IIINITY starten Sie auch die ersten vollständig KI-gesteuerten Anlageprodukte. Wie funktioniert das genau?

Stellen Sie sich vor: Während ein Fondsmanager morgens seinen Kaffee trinkt, hat IIINITY bereits Millionen Datenpunkte analysiert und bei Bedarf die Allokation angepasst. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Ohne Quartalsendspurt, ohne Urlaub, ohne Emotionen.

Seit Dezember 2025 sind wir mit drei Portfolios live: Shield, Guardian und Eagle Eye. IIINITY trifft die Anlageentscheidung innerhalb eines klar definierten Regelwerks. Regulatorisch wird das Rebalancing final von einem menschlichen Portfoliomanager freigegeben. Die Umsetzung erfolgt über unseren Partner MFC Service GmbH als lizenziertes WpIG-Institut. Erhältlich im Versicherungsmantel und als Depotlösung.

Nach welchen Kriterien geht die KI vor?

Drei Parameter bestimmen alles: das Anlageziel, der Zeithorizont und die Risikotoleranz, ausgedrückt als maximaler Drawdown. Ab da übernimmt IIINITY.

Das System durchspielt Tausende Marktszenarien und ermittelt die robusteste Portfoliostruktur. Makrodaten, Volatilität, Korrelationen, alles fließt ein. Das Portfolio wird fortlaufend überwacht und rebalanciert. Innerhalb einer Fondspolice ist diese Rebalancing-Frequenz steuerlich problemlos. Ein Vorteil, den klassische Depotlösungen nicht bieten.

Wie geht IIINITY mit Risikoprofilen um?

Shield, Guardian, Eagle Eye. Die Namen sind Programm. Shield steht für Schutz: konservativ, kapitalerhaltend. Guardian verfolgt eine ausgewogene, momentumbasierte Strategie. Eagle Eye ist die dynamische Variante für wachstumsorientierte Anleger.

Der Unterschied zur klassischen MiFID-Schublade: Das Risiko wird nicht einmal festgelegt und vergessen. IIINITY überwacht es permanent. Erkennt das System eine Marktregimeänderung, reagiert es möglichst präventiv, bevor der Schaden entsteht. Risiko verwalten versus Risiko kontrollieren. Für Berater heißt das: deutlich weniger panische Kundengespräche in turbulenten Marktphasen.