Assekuradeure und andere Formen des delegierten Underwritings gewinnen in der Versicherungsbranche weltweit an Bedeutung. Laut eines aktuellen Berichts der internationalen Ratingagentur Moodys haben sich die Prämien, die von Managing General Agents (MGAs) – was hierzulande etwa Assekuradeuren entspricht – gezeichnet werden, in den Jahren 2020 bis 2024 mehr als verdoppelt.
Partner für komplexe Risiken und Nischenmärkte
Für Versicherer kann die Zusammenarbeit mit Assekuradeuren durchaus von Vorteil sein: Sowohl in der Privat- als auch in der Gewerbeversicherung bieten MGAs Zugang zu komplexen oder volatilen Risiken sowie Nischenmärkten für Versicherer, die sie aus eigener Kraft nur „schwer oder wirtschaftlich nicht sinnvoll bedienen könnten“, heißt es in dem Bericht. Beispiele hierfür sind etwa Bereiche Wie Cyber, politische Risiken oder bestimmte Gewerbeabdeckungen. Hier verfügen Assekuradeure häufig über Expertise in Bereichen, aus denen sich „Mainstream“-Versicherer gehäuft zurückziehen.
Ein kürzliches Beispiel: Im Mai hatte Allianz Commercial bekannt gegeben, sein gesamtes Neugeschäft in der gewerblichen Cyberversicherung an den U-Spezialisten Coalition zu übertragen. Coalition wird für eine Dauer von mindestens zehn Jahren für die Preisgestaltung, Produktentwicklung, Risikominderung und das Schadenmanagement für Cyberversicherungen in allen gewerblichen Segmenten der Allianz verantwortlich sein.
Delegation birgt auch Gefahren für Versicherer
Doch genau das kann auch zum Risiko für Versicherer werden, warnt Moody’s: Viele MGAs übernehmen inzwischen weit mehr Aufgaben wie nur die Risikoprüfung und die Preisgestaltung, sondern eben auch Aufgaben wie Produktentwicklung, Schadenmanagement und Kundenbetreuung. Dadurch verschiebt sich ein Teil der Wertschöpfung von den Versicherern zu den externen Partnern, gleichzeitig fließt auch ein größerer Teil der Erträge an sie. Zudem können Vereinbarungen zwischen Versicherern und MGAs zur Vergütung dazu führen, dass es zu abweichenden Anreizen kommt: Steht vor allem Prämienwachstum im Fokus, besteht die Gefahr, dass Volumen wichtiger wird als nachhaltige Risikoselektion.
Versicherer müssen Kontrolle behalten
Moody’s weist auf die Bedeutung von Kontrolle und Governance hin. Delegiertes Underwriting macht Versicherer abhängiger von der Qualität externer Prozesse und Daten. Fehlt eine ausreichende Kontrolle, können daraus negative Folgen entstehen: schlechterer Risikoselektion, höheren Schadenquoten und volatileren Ergebnisse können das Resultat sein. Entscheidend seien deshalb klare Vorgaben, transparente Datenstrukturen und eine kontinuierliche Überwachung der Partnerportfolios. (js)
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