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Finanzmärkte: Crash-Angst unangebracht, Enttäuschungen möglich
03. Juli 2020

Finanzmärkte: Crash-Angst unangebracht, Enttäuschungen möglich

Die Aktienmärkte gehen gespalten in die zweite Jahreshälfte, meint Kapitalmarktexperte Robert Halver. Manche Indikatoren als auch die Geld- und Fiskalpolitik deuten in Richtung einer Wirtschaftserholung. Die Frage ist aber: Zeigen die Maßnahmen tatsächlich Wirkung? Sorge macht zudem die Corona-Pandemie.


Die Aktienmärkte gehen gespalten in die zweite Jahreshälfte, meint Kapitalmarktexperte Robert Halver. Manche Indikatoren als auch die Geld- und Fiskalpolitik deuten in Richtung einer Wirtschaftserholung. Die Frage ist aber: Zeigen die Maßnahmen tatsächlich Wirkung? Sorge macht zudem die Corona-Pandemie.


Finanzmärkte: Crash-Angst unangebracht, Enttäuschungen möglich

Robert Halver ist Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und wagt in einem aktuellen Marktkommentar einen Ausblick auf das zweite Halbjahr 2020. Vieles wird dabei davon abhängen, welche Entwicklungen die Corona-Pandemie mit sich bringt und ob sich anbahnende Konjunkturerholungen durchsetzen können.

USA stemmt sich mit Konjunkturpaketen gegen die Corona-Krise

Generell tut die Politik alles, um die Wirtschaft anzukurbeln. In den USA wird es beispielsweise weitere Konjunkturpakete geben. Das fünfte Paket naht, und Halver sieht darin viel Positives zu den Themen verbesserte Standortbedingungen, Infrastruktur und Digitalisierung. Die Stimmung in den USA steigt zudem. Es wird aktuell auf langfristig verbesserte Industrieaufträge gewartet. Die Beschäftigungskrise scheint zudem schon jetzt ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Der US-Konsum funktioniere, auch dank derzeitiger staatlicher Zuwendungen an viele Betroffene, hat die Halver-Analyse ergeben. Die steigenden Corona-Neuinfektionen könnten der Konjunkturerholung jedoch einen Strich durch die Rechnung machen, wobei die US-Politik mehr auf regionale Eindämmungen der Virusinfektionen setze. Grundsätzlich sei der US-Aktienmarkt fundamental optimistisch: Der Markt gehe vom Aufgehen der Konjunktur-Saat aus, so Halver.

Trump oder Biden?

Im Blickpunkt steht in den USA natürlich auch die Präsidentschaftswahl. Halver geht davon aus, dass Trump diesbezüglich der Handelskrieg mit China im eigenen Land nutzen könnte; Trump – und auch China – dürften aber wohl kein allzu großes Interesse an einer Eskalation haben. Sollte Joe Biden gewinnen, wäre er nach Einschätzung des Kapitalmarktanalysten für die Wall Street wohl ebenso akzeptabel.

In Europa fallen die Stabilitätsbedenken

Spätestens mit der Corona-Krise seien die Notenbanken zu den Erfüllungsgehilfen des staatlichen Wiederaufbaus geworden, heißt es im Halver-Outlook. Sie würden den Schuldendeckel bezahlen und Staatsfinanzierung betreiben. Das wäre in den USA ähnlich wie in Europa. Die EZB verhindere eine neue Staatsschuldenkrise. „Der Stabilitätsgeist der Bundesbank ist endgültig durch die offenen Fenster im Sitzungssaal des EZB-Direktoriums entfleucht“, beschreibt dies Halver. Der Zusammenhalt Europas habe Vorrang, deshalb werde es auch großzügige Geldgeschenke an die wirtschaftlich angeschlagenen Euro-Südstaaten geben. Halver: „Die Finanzmärkte betrachten Stabilität als Luxus, den man sich nicht mehr leisten kann. Sie laben sich daran, dass eine neue Euro-Krise vorerst vom Tisch ist.“

Aktien bleiben bei den Niedrigzinsen Anlagealternative

Crash-Angst sei unangebracht, meint Halver weiter. Umfangreiche Konjunkturprogramme und wirtschaftliche Nachholeffekte würden auf niedrigste Zinsen bei üppigster Geldausstattung treffen. Er erklärt: „Insbesondere die Liquiditätshausse mit der Konsequenz unattraktiver Zinsen hält einen Anlagenotstand aufrecht, der für eine stabile Basis bei Aktien als Anlagealternative sorgt.“ Die Quartalsberichte werden die Börsen wohl vor Herausforderungen stellen, umso wichtiger seien positive Frühindikatoren, die auf ein Comeback der Unternehmensgewinne 2021 deuten würden.

Wachstum in Deutschland

Das ifo Institut sagt für Deutschland in der zweiten Jahreshälfte schrittweises kräftiges Wachstum voraus: Geschätzt wird ein Plus zum jeweiligen Vorquartal von 6,9% im dritten und 3,8% im vierten Quartal. Halver warnt dennoch vor der schwer einschätzbaren Corona-Krise, die auch weltweit viel Raum für Enttäuschungen biete. Immerhin hauche der Konjunkturoptimismus dem Gewinnwachstum deutscher Unternehmen jedoch neues Leben ein.

Mehr Informationen zu den Entwicklungen im zweiten Halbjahr finden sich im KapitalmarktMonitor von Robert Halver. In AssCompact 08/2020 ist ein Interview mit dem Kapitalmarktexperten eingeplant. (bh)

Bild: © denisismagilov – stock.adobe.com




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