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Digital Insurance Podcast: KI als Feature, Produkt oder Co-Pilot?

In der neuesten Ausgabe des Digital Insurance Podcast dreht sich wieder alles um künstliche Intelligenz. Konkret diskutieren Gastgeber Jonas Piela und sein Mitarbeiter Thomas Fröhlich über KI am Arbeitsplatz, Prompts als Drehbuch und den Weg zu mehr „Great Work“.

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcast, dem KI-Update im Februar 2026, widmen sich Gastgeber Jonas Piela und sein Mitarbeiter Thomas Fröhlich einer grundlegenden Frage, die die Software- und Arbeitswelt gleichermaßen bewegt: Ist künstliche Intelligenz (KI) lediglich ein Feature oder ein eigenständiges Produkt? Die spannende Diskussion beleuchtet nicht nur die theoretischen Aspekte dieser Klassifizierung, sondern auch die praktischen Auswirkungen auf den beruflichen Alltag und die individuelle Produktivität.

Die Gretchenfrage: KI als Feature oder Produkt?

Jonas Piela und Thomas tauchen tief in die Debatte ein, ob KI als Baustein in komplexen Systemen agiert oder als eigenständige Lösung bestehen kann. Piela argumentiert vehement, dass KI primär ein Feature ist, das bestehende Produkte – sei es E-Mail-Programme, Dokumentenverarbeitungssoftware oder Videokonferenz-Tools – aufwertet und effizienter macht. Als Beispiel dient die kurzlebige Clubhouse-App, die als eigenständiges Produkt startete, aber letztlich als Feature in etablierten Plattformen wie LinkedIn oder Twitter landete.

Thomas stimmt dieser Einschätzung zu und untermauert sie mit der Analogie des Schraubenziehers: KI sind die austauschbaren Bits, die einen bewährten Schraubenzieher (das Produkt) vielseitig und mächtig machen. Beide sind sich einig, dass der Markt die Integration von KI in bestehende Software belohnt, während Unternehmen, die KI noch nicht ausreichend nutzen, abgestraft werden. Dies führt dazu, dass KI-Fähigkeiten zunehmend nahtlos in den digitalen Alltag einfließen, anstatt als isolierte Anwendungen zu existieren.

Der Sparringspartner: Ein Muss für jeden?

Trotz der Einordnung als Feature erkennen Piela und Thomas die einzigartige Rolle von Chat-Assistenten wie ChatGPT an. Sie bezeichnen diese als „allwissende Kollegen“ oder „Sparringspartner“, die jederzeit für Fragen und Ideenaustausch zur Verfügung stehen. Diese Form der KI, die als direktes Kommunikationsmittel fungiert, bildet für viele den ersten und wichtigsten Kontaktpunkt. Thomas Pielas Empfehlung lautet daher: „Start with a personal question.“ Der einfache Dialog mit einer KI, sei es zu Kochrezepten oder philosophischen Fragen, ist der niederschwelligste Weg, die Möglichkeiten und Grenzen der Technologie kennenzulernen. Diese zugängliche Form der Interaktion macht KI zu einem Muss für alle, die produktiver und effizienter sein wollen.

Mehr „Great Work“ durch Automatisierung

Ein zentraler Aspekt der Diskussion ist die Frage, ob KI zu mehr oder weniger Arbeit führt. Piela und Thomas greifen hier auf das Konzept von „Bad Work, Good Work, und Great Work“ von Michael Bungay Stanier zurück. „Bad Work“ umfasst sinnlose, zeitraubende Aufgaben, „Good Work“ die notwendigen, aber nicht immer inspirierenden Routineaufgaben, und „Great Work“ die kreativen, strategischen und erfüllenden Tätigkeiten.

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Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Warum Makler mit nur einem KI-Modell Potenzial verschenken

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer monatlichen KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

Künstliche Intelligenz ist im Makleralltag angekommen. Was vor zwei Jahren noch mit einer Mischung aus Skepsis und Staunen betrachtet wurde, ist für viele Makler heute ein selbstverständliches Werkzeug für Texte, Analysen, Vorbereitung und Organisation. Parallel dazu hat sich die Landschaft der KI-Modelle stark weiterentwickelt. Neue Versionen, neue Anbieter und neue technische Schwerpunkte verändern kontinuierlich, wie und wofür KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Viele Versicherungsmakler stellen sich deshalb eine naheliegende Frage:

Reicht ein KI-Modell für alles?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Und zwar nicht, weil es inzwischen spezialisierte KI-Modelle für einzelne Versicherungsaufgaben gäbe, sondern weil sich große Sprachmodelle trotz ähnlicher Grundlagen im praktischen Einsatz deutlich unterscheiden. Texte, Analyse, Kundenkommunikation und Dokumentenarbeit stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an ein KI-Modell. Wer hier mit nur einem System arbeitet, nutzt häufig ein Werkzeug außerhalb seiner größten Stärke und verschenkt damit wertvolles Potenzial im Arbeitsalltag.

Große KI-Modelle, unterschiedliche Stärken

ChatGPT, Gemini, Claude, Mistral und Co. gehören alle zur Gruppe der Large Language Models, auf Deutsch große Sprachmodelle. Sie sind universell einsetzbar und nicht auf einzelne Branchen oder Tätigkeiten spezialisiert. Dennoch zeigen sich im Makleralltag klare Unterschiede. Diese entstehen durch unterschiedliche Trainingsschwerpunkte, technische Architektur, Kontextverarbeitung und die Art, wie die Modelle in Produkte eingebettet sind. Für Makler ist daher nicht entscheidend, welches Modell theoretisch am besten ist. Entscheidend ist, welches Modell für welche Aufgabe im Alltag aktuell den größten Mehrwert liefert.

ChatGPT als stabiler Allrounder im Maklerbüro

ChatGPT ist ein klassischer Generalist. Genau darin liegt seine Stärke. Das Modell ist darauf ausgelegt, sehr unterschiedliche Aufgaben zuverlässig zu bewältigen und flexibel zwischen Themen zu wechseln. Im Makleralltag zeigt sich das besonders bei Aufgaben, die Struktur, Kreativität und Kontextwechsel erfordern. Dazu gehören das Verfassen von Texten, das Strukturieren von Gedanken, die Vorbereitung von Kundengesprächen, Ideensammlungen für Aktionen oder schnelle Zusammenfassungen komplexer Inhalte.

ChatGPT überzeugt nicht, weil es für diese Aufgaben optimiert wäre, sondern weil es unterschiedliche Anforderungen gut miteinander verbinden und verständlich aufbereiten kann. Für viele Versicherungsmakler ist ChatGPT deshalb das zentrale Einstiegswerkzeug und bleibt auch langfristig ein verlässlicher Begleiter im Tagesgeschäft.

Gemini und der Umgang mit sehr großen Dokumenten

Die besondere Stärke von Gemini liegt in der Verarbeitung sehr großer Textmengen. Durch seine technische Auslegung auf besonders große Kontextfenster kann das Modell umfangreiche Dokumente in einem Durchgang erfassen.

Das ist vor allem dann relevant, wenn Makler regelmäßig mit langen Versicherungsbedingungen, umfangreichen Vertragswerken oder mehreren zusammenhängenden Unterlagen arbeiten. Der Vorteil liegt weniger in einer besseren inhaltlichen Bewertung, sondern darin, dass Zusammenhänge erhalten bleiben, ohne Texte aufwendig aufteilen zu müssen. Gerade bei komplexen Sachverhalten kann das die Arbeit deutlich vereinfachen und Fehler reduzieren, die durch fragmentierte Analyse entstehen.

Claude und sprachliche Qualität in der Kommunikation

Claude überzeugt vor allem dort, wo Sprache im Mittelpunkt steht. Texte wirken besonders flüssig, logisch aufgebaut und sehr nah an menschlicher Kommunikation. In der Kundenkommunikation, bei erklärungsbedürftigen Themen oder redaktionellen Inhalten wird dieser Unterschied schnell spürbar. Als Makler kann man Claude gezielt einsetzen, wenn Tonalität, Argumentationslogik und sprachliche Feinheit entscheidend sind. Texte sollen hier nicht nur korrekt informieren, sondern Vertrauen aufbauen und Sicherheit vermitteln.

Mistral und der Blick auf europäische Rahmenbedingungen

Mistral nimmt eine besondere Rolle ein. Der Fokus liegt bei diesem KI-Modell auf europäischen Werten wie Datenschutz, Transparenz und regulatorischer Sicherheit. Mistral ist ein europäisches Unternehmen mit Sitz in Frankreich und positioniert sich bewusst als Alternative zu US-Anbietern. Das KI-Modell ist auf Effizienz getrimmt. Das bringt in der Praxis oft schnellere Antwortzeiten bei komplexen deutschen Texten, ohne dass man dafür die Rechenpower eines kalifornischen Großrechenzentrums benötigt.

Ergebnisse absichern durch Modellvergleich

Ein weiterer praktischer Vorteil der Arbeit mit mehreren KI-Modellen liegt im Gegencheck von Ergebnissen. Sprachmodelle können überzeugend formulieren und dennoch inhaltlich falsch liegen. Diese sogenannten Halluzinationen lassen sich reduzieren, wenn wichtige Aussagen von einem zweiten Modell überprüft werden. Gerade bei fachlich sensiblen Themen oder bei der Vorbereitung von Kundenkommunikation erhöht dieser Vergleich die Sicherheit erheblich.

Datenschutz: Der Elefant im Raum

Ein wichtiger Aspekt, der oft unterschätzt wird: Allein die Wahl eines europäischen Modells wie Mistral bedeutet nicht automatisch, dass alle Anforderungen an den Datenschutz im Maklerbüro erfüllt sind. Es kommt weniger auf das Woher des Modells an, sondern vor allem auf das Wie der Nutzung.

In der Praxis sollten Makler daher vor allem auf die technischen Rahmenbedingungen achten. Viele Hersteller bieten spezielle Business-Versionen an, bei denen die eingegebenen Daten im Gegensatz zu kostenlosen Privat-Accounts nicht zum Training der KI verwendet werden. Zudem bleibt die Anonymisierung von Kundendaten eine der wichtigsten Routinen im Umgang mit jeder KI. Je weniger Rückschlüsse auf reale Personen möglich sind, desto sicherer ist der Prozess. Da die Anforderungen an den Datenschutz und die IT-Sicherheit komplex sind, ist für die rechtskonforme Einbindung von KI in den eigenen Betrieb die Rücksprache mit einem Datenschutzbeauftragten oder spezialisierten Juristen ratsam.

Fazit: KI als Werkzeugkasten denken

Die Arbeit mit KI entwickelt sich weg vom Gedanken eines einzelnen Alleskönners. Stattdessen etabliert sich ein KI-Werkzeugkasten aus mehreren Modellen, die je nach Aufgabe gezielt eingesetzt werden. Makler, die KI strategisch nutzen möchten, profitieren davon, die unterschiedlichen Stärken der Modelle zu kennen und bewusst zu kombinieren. Nicht Spezialisierung ist der Schlüssel, sondern situative Passung. Genau darin liegt der nachhaltige Nutzen von KI im Makleralltag.

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Digital Insurance Podcast: Orchestrierung statt Altlasten

In der neuesten Folge des Digital Insurance Podcast sind Thomas Rodewis, Chief Innovation Officer des Konzerns Versicherungskammer, und Ewa Chocianowska von Dataiku zu Gast bei Moderator Jonas Piela. Es geht um KI-Erfolg trotz veralteter Legacy-Systeme und Mainframes.

In der neuesten Folge des Digital Insurance Podcast diskutiert Moderator Jonas Piela mit Dr. Thomas Rodewis, Chief Innovation Officer des Konzerns Versicherungskammer, und Ewa Chocianowska von Dataiku über den entscheidenden Wendepunkt der künstlichen Intelligenz in der Versicherungsbranche. Dataiku ist eine führende Plattform für künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML), die 2013 gegründet wurde. Sie ermöglicht Unternehmen, Datenanalysen zu demokratisieren, indem sie sowohl technische Experten (Data Scientists) als auch Geschäftsanwender (Business User) befähigt, KI-Projekte von der Datenaufbereitung bis zur Produktion (Everyday AI) umzusetzen. Das Gespräch verdeutlicht, dass die Phase des reinen Experimentierens beendet ist und KI nun als notwendige Infrastruktur zur Bewältigung massiver demografischer Herausforderungen dienen muss.

Vom Hype zur messbaren Wertschöpfung

Dr. Thomas Rodewis betont, dass die Versicherungskammer bereits seit fast einem Jahrzehnt an KI-Themen arbeitet, die Intensität durch generative KI jedoch massiv zugenommen hat. Er stellt klar, dass es im Jahr 2026 nicht mehr um isolierte Pilotprojekte geht, sondern um die Skalierung von „Archetypen“ – Lösungen, die strukturiert durch alle Unternehmensprozesse gerollt werden. Dabei steht nicht die Technologie selbst, sondern die Lösung konkreter Probleme für Kunden und Mitarbeiter im Vordergrund. Ewa Chocianowska ergänzt, dass Unternehmen KI nun als kritische Infrastruktur begreifen müssen, die zuverlässig, sicher und wertstiftend funktioniert.

KI als Schutzschild gegen den Fachkräftemangel

Ein zentrales Thema der Episode ist der „Demografie-Hammer“. Bis 2030 werden die Versicherungskammer rund 2.000 Mitarbeitende verlassen, was etwa einem Viertel der Belegschaft entspricht. Laut Rodewis ist es weder möglich noch gewollt, diese Babyboomer eins zu eins durch neue Menschen zu ersetzen. Stattdessen soll KI repetitive, weniger wertschöpfende Tätigkeiten übernehmen, damit sich die verbleibenden Mitarbeitenden auf komplexe und verantwortungsvolle Aufgaben konzentrieren können. Besonders kritisch ist hierbei die Rettung von Expertenwissen. Ewa Chocianowska sieht in KI ein Werkzeug, um das implizite „Bauchgefühl“ langjähriger Underwriter zu kodifizieren und in institutionelles Vermögen zu verwandeln.

Integrierte Lösungen statt isolierter Chatbots

Die Zukunft der Versicherung sieht Dr. Rodewis nicht in einer unüberschaubaren Ansammlung einzelner Chatbots, sondern in integrierten Assistenten-Systemen auf einer gemeinsamen technologischen Plattform. Die Versicherungskammer setzt hierbei bereits erfolgreich auf „KammerGPT“, eine interne, datenschutzkonforme Instanz auf Basis von Microsoft Azure und OpenAI. Über 50% der Belegschaft nutzen dieses Tool bereits aktiv, um E-Mails zu formulieren, Protokolle zu erstellen oder komplexe Prozessanalysen durchzuführen.

Demokratisierung der Daten als Erfolgsfaktor

Für eine erfolgreiche Skalierung fordert Ewa Chocianowska eine Demokratisierung der KI-Werkzeuge. KI darf kein reines IT-Projekt bleiben, sondern muss in die Fachbereiche wandern. Wenn Aktuare und Schadenexperten befähigt werden, mit Daten zu arbeiten, ohne programmieren zu müssen, wird die IT vom Flaschenhals zum Enabler. Nur durch diese breite Akzeptanz und Transparenz der Modelle kann das Vertrauen der Mitarbeitenden gewonnen und der Sprung zur messbaren Business-Effizienz vollzogen werden.

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Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Übernimmt ChatGPT künftig den Job von Vermittlern?

OpenAI hat ChatGPT nun für Versicherungsangebote via Apps von Drittanbietern geöffnet. Zu den ersten Unternehmen gehören der spanische Digitalversicherer Tuio, der Hausratlösungen anbietet, und die US-Vergleichsplattform Insurify. In der Versicherungsbranche ließ die Nachricht aufhorchen.

Der US-Softwareanbieter OpenAI hat erstmals Versicherungsangebote über integrierte Apps für ChatGPT zugelassen. Über die neue App-Bibliothek können Drittanbieter spezielle Anwendungen in ChatGPT einbinden. Bei den beiden ersten Unternehmen handelt es sich um den spanischen Digitalversicherer Tuio sowie um die US-Vergleichsplattform Insurify. Die Anbieter der Apps nutzen die KI-Vertriebsinfrastruktur des Technologieunternehmens WaniWani. Über die App von Tuio haben Nutzer in ChatGPT die Möglichkeit, sich personalisierte Angebote für Hausratversicherungen erstellen zu lassen. Insurify bietet einen Vergleich und teilweise den Abschluss von Versicherungen über seine Online-Plattform an.

Reaktion an der Börse

Nach der Ankündigung vor allem von Insurify gerieten vor allem die Aktien US-amerikanischer Maklerhäuser kurzzeitig unter Druck. So berichtete „Insurance Business“, die Zulassung der ersten auf Versicherungen spezialisierten ChatGPT-Apps habe die Versicherungsmärkte aufgerüttelt. „Nach der Bekanntgabe fielen die Aktien großer US-amerikanischer Broker wie Willis Towers Watson, Aon und Arthur J. Gallagher am 09.02.2026 um etwa 8 bis 11%. Dies spiegle die Besorgnis der Anleger über das disruptive Potenzial von KI wider“, wie das Medium weiter schreibt.

ChatGPT als zusätzlicher Vertriebskanal?

In der Branche sorgen die neuesten Entwicklungen für Gesprächsstoff. So stellt sich die Frage, ob sich ChatGPT nun zu einem zusätzlichen Vertriebskanal entwickeln und gar Vermittlern perspektivisch den Rang ablaufen wird. Gerade für beratungsintensive Sparten erwarten Branchenbeobachter keine Bedrohung für Makler. Dennoch ist bereits von einem „Meilenstein“ in der digitalen Versicherungsvermittlung die Rede. Denn die Versicherungs-Apps in ChatGPT setzen dort an, wo viele Kunden ohnehin schon recherchieren. Das Medium Reinsurance News zitiert Juan García, Mitgründer und CEO von Tuio, wie folgt: „Wir haben KI massiv genutzt, um unser Versicherungserlebnis zu verbessern und effizienter zu arbeiten. Als erster Anbieter, der live auf ChatGPT vertreten ist, können wir Neukunden direkt beim ersten Kontakt gewinnen.“ Für ein offizielles Angebot verweist Tuio Kunden auf die eigene Website.

DSGVO & Co.: Regulatorische Hürden in Deutschland

Ob solche Apps bald auch hierzulande verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten. Laut Handelsblatt gehen Branchenbeobachter davon aus, dass sich die Versicherer in Deutschland bereits mit den Optionen für eine Einbindung in ChatGPT befassen. Wie Stephen Voss, Mitgründer der Neodigital Versicherung, gegenüber dem Handelsblatt mitteilt, seien solche Angebote technisch möglich. Regulatorisch hält er es hierzulande aber für nur „schwer umsetzbar“. Voss verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die DSGVO und die Versicherungsvertriebsrichtlinie.

Das sagt der GDV

Die Frage, ob sich in diesem Zusammenhang auch regulatorische Probleme ergeben, verneint der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). So schreibt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, auf LinkedIn: „KI-Agenten verkaufen keine Versicherungen, somit liegt auch kein regulatorisches Problem vor. KI-Agenten unterstützen bei der Orientierung und Produktsuche. Darauf müssen sich alle Anbieter einstellen, deren Angebote gefunden werden sollen. Die Versicherer haben diese Entwicklung fest im Blick.“

Für Versicherungen in Deutschland gelte dabei ganz klar: Angebote würden ausschließlich von regulierten Anbietern stammen, dazu gehören Versicherer ebenso wie Vergleichsportale oder andere zugelassene Versicherungsvermittler. „Wer Versicherungen anbietet oder vermittelt, muss die geltenden Regeln einhalten – unabhängig davon, ob KI-Agenten oder andere digitale Tools genutzt werden“, so Asmussen weiter.

Weitere Anbieter werden mit Apps nachziehen

Wie Raphael Vullierme, Mitgründer von WaniWani, in Medienberichten zitiert wird, würden weitere KI-Apps für Versicherungen bereits in den Startlöchern stehen. Zudem würden andere Dienste wie Anthropics oder Google für Gemini an eigenen Standards für Drittanbieter-Apps arbeiten. Was die künftigen Entwicklungen angeht, meint Vullierme: „Jeder Versicherer wird betroffen sein, unabhängig davon, ob er eine KI-App entwickelt hat oder nicht.“ (tik)

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M&M Office mit neuer Funktion zur Berufszuordnung

Die Vergleichssoftware M&M Office aus dem Hause MORGEN & MORGEN bietet mit einem Update eine neue Funktion: Die Software erledigt die Berufszuordnung der Versicherer bei biometrischen Produkten auf Knopfdruck und ermöglicht eine gezielte Feinjustierung im Einzelfall.

Die Vergleichssoftware M&M Office verfügt nach einem aktuellen Update über eine neue Funktion zur automatischen Berufszuordnung. Hierzu hat MORGEN & MORGEN das bislang schon im Hintergrund arbeitende Berufsgruppenmapping überarbeitet, um die manuelle Nachjustierung der den einzelnen Tarifen zugesteuerten Berufe auf ein Minium zu verringern. Zudem lassen sich die Berufszuordnungen direkt in der Angebotsstrecke für Vermittler einsehen. Sie können bei Bedarf in Einzelfällen gezielt manuell angepasst werden – auf Tarif- und Anbieterebene.

Intelligente Zuordnungsautomatik und Möglichkeit zur Feinjustierung

Wie MORGEN & MORGEN hierzu erläutert, adressiere die Neuerung ein zentrales Problem bei der Berechnung biometrischer Produkte: Die Berufsgruppeneinstufung habe maßgeblichen Einfluss auf Beitrag und Leistung während Versicherer mit sehr unterschiedlich strukturierten Berufslisten arbeiten würden. Eine manuelle Auswahl aus diesen Listen sei im Beratungsalltag weder praktikabel noch fachlich konsistent. MORGEN & MORGEN hat hier Abhilfe geschaffen mit einem Berufsmapping. Vermittler wählen einen Beruf aus einer einheitlichen Berufsliste und das System ordnet im Hintergrund automatisch die passenden Versichererberufe zu. Nun verbindet M&M Office eine intelligente Zuordnungsautomatik mit der Möglichkeit zur fachlich genauen Feinsteuerung. Dies soll laut MORGEN & MORGEN den komplexen Prozess nachvollziehbar und steuerbar machen sowie für mehr Transparenz, Kontrolle und fachliche Sicherheit in der Beratung biometrischer Produkte sorgen.

Weitere Meldungen zur neuen Tools und Services lesen Sie auch in der Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

MLP steigt bei comparit ein

Mit der MLP Finanzberatung hat comparit einen weiteren Kooperationspartner gewonnen. Im Zuge der Zusammenarbeit beteiligt sich MLP wie bereits die bestehenden Partner zuvor auch gesellschaftsrechtlich an dem Anbieter von Vergleichssoftware für Versicherungen im B2B-Bereich.

comparit hat eine weitere strategische Partnerschaft geschlossen: Die MLP Finanzberatung SE ist neuer Kooperationspartner und Investor des Anbieters von Vergleichssoftware für Versicherungen im B2B-Umfeld. MLP hat eine Beteiligung von knapp 2% erworben. Mit MLP als neuem Partner stärkt comparit seine Position als unabhängige Brancheninitiative für praxisnahe Vergleichslösungen für Makler. Ziel der Beteiligung sei eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung und Optimierung von Vergleichsrechnern. Neben MLP sind 13 Maklerpools und Finanzvertriebe an comparit beteiligt: Apella, ascent, blau direkt, BCA, FiNet, FondsKonzept, germanBroker.net, PHÖNIX MAXPOOL, Netfonds, OVB Vermögensberatung, TauRes Gesellschaft für Investmentberatung mbH, TELIS FINANZ und WIFO. (tik)

Lesen Sie auch: comparit startet neue Sach- und PKV-Vergleichsrechner
 

Schluss mit Rückstand: Wie KIM Prozesse radikal verändert

Die Versicherungswelt steht vor einem grundlegenden Wandel: Der Einsatz von KI verändert nicht nur den Kundenservice, sondern auch die Abläufe in der Schadenregulierung. Wie DOMCURA dabei den KI-Mitarbeiter KIM konkret einsetzt, zeigt ein Blick in die Praxis.

Ein Artikel von Marcus Wollny, Vorstand für Betrieb und IT bei der DOMCURA AG

Künstliche Intelligenz ersetzt keine Menschen. Sie befreit sie von repetitiven Aufgaben. Wer KI konsequent einsetzt, investiert nicht in Software, sondern in Entlastung, Geschwindigkeit und messbar höhere Kundenzufriedenheit. Auch in der Versicherungswirtschaft. Denn die Versicherungsbranche steht unter Druck: Rückstände, steigende Erwartungen und vielerorts überlastete Schadenabteilungen. DOMCURA verspricht an dieser Stelle mit KI-Mitarbeiter KIM Abhilfe. Standard-Schadenfälle werden dadurch eigenständig reguliert – schnell und rund um die Uhr. So bleibt den Kollegen mehr Zeit für verantwortungsvolle Entscheidungen, komplexe Sachverhalte und den empathischen Umgang mit Kunden.

Warum Standardfälle automatisiert gehören

Vergessen wir für einen Moment die Hochglanzbilder der digitalen Versicherungswelt. Im Alltag vieler Schadenabteilungen herrscht eine andere Realität: Rückstände, Überstunden, Frust – bei Mitarbeitenden ebenso wie bei Kunden und Vermittlern.

DOMCURA zog daraus eine klare Konsequenz: Standardfälle in der Schadenbearbeitung, die etwa 80% ausmachen, sollen die menschlichen Mitarbeiter nicht mehr länger aufhalten. KIM, der erste KI-Mitarbeiter der deutschen Versicherungsbranche, bearbeitet bereits seit 2024 Schäden eigenständig – vom Eingang der Schadenmeldung bis zur Auszahlung. Rund um die Uhr, ohne Wartezeiten und ohne manuelle Schleifen.

Die Logik dahinter ist einfach – und gerade deshalb so wirkungsvoll: Die meisten Schadenprozesse sind branchenweit weitgehend identisch. Und trotzdem entwickeln Versicherer dafür ihre eigenen Systeme – mühsam und kostenintensiv. DOMCURA durchbricht dieses Muster. Denn KIM kann diese Routinefälle überall vollständig autonom übernehmen. Die Maschine erledigt die Standardarbeit konsequent und kompromisslos effizient.

Routine entlasten, Qualität sichern

Das Ergebnis: wertvolle Zeit und volle Fokussierungsoption für die menschlichen Kollegen – auf jene rund 20% der Fälle, in denen Regeln allein nicht ausreichen, sondern fachliche Tiefe, Erfahrung und menschliche Empathie tatsächlich den Unterschied machen. Den „Human in the Loop“ definiert DOMCURA dabei bewusst neu: Der Mensch ist nicht Teil einer endlosen Schleife, sondern der Spezialist für das, was sich nicht automatisieren lässt. Rückstände sinken, weil man aufhört, vorhersehbare Standardfälle manuell zu verwalten – und den Menschen dort einsetzt, wo er unersetzlich ist. Mitarbeitende werden spürbar entlastet und Entscheidungen werden schneller.

Vor diesem Hintergrund öffnete DOMCURA KIM kürzlich auch für andere Versicherer. Der Gedanke dahinter ist pragmatisch: Wenn Schadenprozesse zu großen Teilen identisch sind, ergibt es wenig Sinn, dass jede Gesellschaft dieselben Automatisierungsfragen für sich neu löst. KIM wird deshalb als produktives System angeboten – nicht als Pilotprojekt, sondern im laufenden Betrieb. Erste Unternehmen nutzen die Lösung bereits.

Lesen Sie auch: DOMCURA-KI unterstützt nun auch andere Firmen

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Ein Artikel von
Marcus Wollny

Digital Insurance Podcast: Algorithmen statt Aktenstaub

In der neuesten Folge des Digital Insurance Podcasts spricht Dr. Christian Krams, CEO der Bavaria Direkt, über die ehrgeizigen Ziele des Versicherers und die Rolle moderner Technologien bei der Erreichung eines Beitragsvolumens von 500 Mio. Euro.

Die Bavaria Direkt, ein vergleichsweise junges Unternehmen in der deutschen Versicherungslandschaft, hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen. Dr. Christian Krams, der seit Anfang 2025 als offizieller Vorstandsvorsitzender fungiert, erläutert im Gespräch mit Moderator Jonas Piela, wie das Unternehmen seine Präsenz auf dem Markt für digital affine Kunden konsequent ausbaut. In enger Zusammenarbeit mit den Regionalversicherern der Versicherungskammer Bayern positioniert sich die Bavaria Direkt erfolgreich als digitaler Vorreiter. Das erklärte Ziel ist es, in den nächsten drei bis vier Jahren ein Beitragsvolumen von 500 Mio. Euro zu erreichen. Angesichts eines Anstiegs der Beiträge von 240 Mio. Euro Ende 2024 auf rund 380 Mio. Euro im Jahr 2025 scheint dieses Ziel in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Technologische Exzellenz als Wachstumsmotor

Ein zentraler Pfeiler dieser Wachstumsstrategie ist der konsequente Einsatz moderner Technologien über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Dr. Krams betont, dass Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) nicht nur punktuell, sondern als fundamentale Basis der Unternehmensstrategie dienen. Durch ein hoch entwickeltes und präzises Pricing ist es der Bavaria Direkt möglich, Risiken – insbesondere im KFZ-Bereich – individuell zu kalkulieren und den Kunden attraktive Preise anzubieten. Dabei profitiert das Unternehmen von seiner schlanken Struktur ohne komplexe IT-Altlasten, was eine schnelle Implementierung innovativer Lösungen wie Machine Learning zur Mustererkennung in der Schadenbearbeitung ermöglicht.

Effizienzsteigerung durch Automatisierung

Neben dem Pricing steht die Automatisierung von Service- und Schadenprozessen im Fokus. Während im Servicebereich bereits eine Automatisierungsquote von etwa 80% erreicht wurde, arbeitet das Unternehmen intensiv daran, auch komplexere Schadenfälle mithilfe von KI-Agenten effizienter zu gestalten. Das Ziel ist es, trotz des enormen Wachstums die Kostenstrukturen stabil zu halten und die Kundenzufriedenheit durch schnelle und transparente Prozesse zu erhöhen. Dr. Krams sieht im deutschen Markt, trotz der Konkurrenz durch etablierte Direktversicherer, weiterhin großes Potenzial für digitale Angebote, da die Kunden zunehmend preissensibel agieren und digitale Abschlusswege bevorzugen.

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Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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VEMA baut eigenes MVP weiter aus

Die Maklergenossenschaft VEMA entwickelt ihr Maklerverwaltungsprogramm VEMAoffice weiter. Ziel ist, angeschlossenen Maklern eine eigenständige und dauerhaft verfügbare Lösung für die Verwaltung von Kunden- und Vertragsdaten bereitzustellen.

Der Markt für Maklerdienstleister befindet sich im Wandel. Zusammenschlüsse größerer Anbieter und Beteiligungen von Finanzinvestoren prägen zunehmend auch den Bereich der Maklerverwaltungsprogramme. Vor diesem Hintergrund treibt die VEMA eG die Weiterentwicklung ihres eigenen Systems VEMAoffice voran, wie das Unternehmen mitteilt.

VEMAoffice wurde ursprünglich als Schnittstellenlösung konzipiert, um Versicherer-Intranets, externe Maklerverwaltungsprogramme und das VEMA-Extranet miteinander zu verbinden. Inzwischen hat sich das System zu einem eigenständigen Maklerverwaltungsprogramm entwickelt, das Funktionen zur Verwaltung von Kunden- und Vertragsdaten bündelt und vollständig in die digitale Infrastruktur der Genossenschaft integriert ist.

Nach Angaben der VEMA steht VEMAoffice allen Partnern und Genossen kostenfrei zur Verfügung. Damit unterscheidet sich das System von marktüblichen Lösungen, die häufig mit Lizenzmodellen oder externen Eigentümerstrukturen verbunden sind. Die Genossenschaft verweist in diesem Zusammenhang auf ihr genossenschaftliches Modell, das keine renditeorientierten Anteilseigner vorsieht.

Mit der Weiterentwicklung des Programms verfolgt die VEMA nach eigenen Angaben das Ziel, ihren Partnerbetrieben langfristige Planungssicherheit zu bieten. Neben funktionalen Aspekten spielen dabei auch Themen wie Datensicherheit und die Einbindung in bestehende Prozesse der Genossenschaft eine Rolle.

Durch den Ausbau von VEMAoffice will die VEMA ihre Rolle als Dienstleister für Versicherungsmakler stärken. Die Genossenschaft sieht das Programm als Teil ihrer strategischen Ausrichtung, Makler bei der Organisation ihres Geschäftsbetriebs zu unterstützen und gleichzeitig deren unternehmerische Eigenständigkeit zu wahren.

 

Wie KI Versicherungsmakler am Telefon entlasten kann

KI kann Vermittler in verschiedenen Bereichen unterstützen. Christian Imhäuser vom KI-Unternehmen Bots4You erklärt, wo KI im Maklerbüro wirklich entlasten kann, woran man seriöse Anbieter erkennt und wie sich echter Datenschutz von vermeintlichem DSGVO-Marketing unterscheidet.

Herr Imhäuser, KI hält immer mehr Einzug in Maklerbüros und ist noch längst nicht im Alltag angekommen. Mangelt es Ihrer Meinung nach am Interesse oder überschätzen viele den Aufwand und unterschätzen den Nutzen?

Meiner Erfahrung nach fehlt es selten am Interesse. Viele Vermittler sind längst neugierig; nur ist der erste Kontakt mit KI oft nicht gleich ein sauberer Einstieg in den Betrieb. Häufig wird zunächst intern mit ChatGPT & Co. experimentiert, etwa für Texte, E-Mails oder Zusammenfassungen. Und nicht wenige haben bereits Lösungen gesehen, die Großes versprachen, aber im Alltag wenig änderten – sei es, weil die Technik nicht ausgereift war oder weil sie nicht zu den Abläufen im Vermittlerbüro passte. Dann bleibt schnell der Eindruck hängen: viel Aufwand, wenig Entlastung.

Die eigentliche Hürde ist deshalb weniger die Bereitschaft, sondern die Klarheit darüber, was spürbar entlastet, ohne den Betrieb umzubauen. Der pragmatische Weg ist, einen konkreten Engpass zu wählen – z.B. die telefonische Erreichbarkeit für Kunden oder die Kontrolle über das zentrale E-Mail-Postfach – und dann zu prüfen, ob die Kundenzufriedenheit besser wurde und weniger Anfragen liegen blieben. Wenn ja, baut man den KI-Einsatz hier kontrolliert aus. Und wenn nicht, hat man zumindest sauber geprüft, was noch nicht passt, statt Zeit in ein Projekt zu stecken, das am Ende keine Ruhe in den Alltag bringt.

Der telefonische Service ist in etlichen Maklerbüros ein neuralgischer Punkt. Sie bieten hier Unterstützung per KI. Was kann das Tool realistisch leisten?

Gerade in inhabergeführten Maklerbüros ohne klassische Zentrale kann ein KI-Helfer am Telefon auf zwei Arten entlasten. Viele denken zuerst an die Hauptnummer. In der Praxis entsteht der Engpass aber oft an ganz normalen Stellen des Arbeitstags, wenn Berater im Kundengespräch sind, das Backoffice Fristen bearbeitet oder jemand unterwegs ist. Deshalb starten wir nicht selten so, dass jede Durchwahl bzw. jeder Mitarbeiter einen eigenen Telefon-KI-Helfer bekommt, der einspringt, sobald man gerade nicht erreichbar sein kann. Verfügbarkeit und Regeln lassen sich individuell einstellen: wann die KI übernimmt, ob sie direkt durchstellt, einen Rückrufwunsch aufnimmt oder eine Nachricht strukturiert hinterlegt.

So geht kein Kontakt verloren, nur weil gerade niemand sofort abnehmen kann. Dringende Fälle werden nach definierten Regeln an einen freien Kollegen weitergeleitet. Alles andere landet als klare Aufgabe mit den nötigen Informationen im E-Mail-Postfach oder im CRM. Das wirkt unspektakulär, sorgt im Alltag aber spürbar für mehr Ruhe und weniger Unterbrechungen.

Kann Ihre Telefon-KI auch Outbound-Anrufe übernehmen, also aktiv anrufen?

Proaktiv organisierte Anrufe durch KI sind längst keine Science-Fiction mehr, sondern Realität. Der KI-Helfer kann zum Beispiel Rückrufe auslösen, Termine bestätigen, fehlende Angaben nachfassen oder Unterlagen anfordern. Das Erstaunliche daran: Proaktive Anrufe, durchgeführt von einer KI, werden in der Praxis sehr gut akzeptiert. Wichtig ist, dass gleich zu Beginn Vertrauen entsteht. Für den Angerufenen darf kein Zweifel bestehen, dass die KI im Auftrag des eigenen Beraters anruft. Das gelingt durch eine eindeutige Begrüßung und einen klaren Bezug zum konkreten Vorgang.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das E-Mail-Postfach. Welche Aufgaben übernimmt Ihre KI-Lösung in diesem Bereich?

Mit uns starten Kunden grundsätzlich nicht mit dem Ziel der Vollautomatisierung. Im Makleralltag sind viele Anliegen individuell, hängen vom konkreten Vertrag, vom Schadenbild oder von der Vorgeschichte ab und erfordern Einordnung. Genau diese Verantwortung bleibt beim Menschen. Die KI übernimmt deshalb vor allem das, was zuverlässig standardisiert werden kann: Sie liest, sortiert und bereitet vor. Wo es sinnvoll ist, beantwortet sie Standardfälle automatisiert. In allen anderen Fällen erstellt sie Antwortentwürfe nach internen Vorgaben, damit Mitarbeitende nur noch kurz prüfen, ergänzen und versenden müssen.

Viele Anbieter werben mit „datenschutzkonform“. Welche Fragen geben Sie Vermittlern als Jurist mit, worauf es hierbei zu achten gilt?

Meist reichen schon ein paar gezielte Fragen, um zu merken, ob ein Anbieter Datenschutz bei KI wirklich ernst nimmt oder es sich eher um DSGVO-Marketing handelt. Ich würde zuerst auf die Datenkette schauen: Welche Systeme sind beteiligt? Telefonie, Sprachumwandlung, KI-Modell? Und bekomme ich dazu eine vollständige Subunternehmerliste? Dann geht es um Ort und Dauer: Wo wird verarbeitet, wie lange wird gespeichert und gibt es Verarbeitungen oder Zugriffe außerhalb der EU, zum Beispiel in den USA? Wenn ja, wie ist das abgesichert und kann ich Speicherfristen und Löschregeln bei mir individuell festlegen? Und schließlich die Umsetzung im Betrieb: Liefert der Anbieter Dokumentation und Mustertexte für Ansage und Datenschutzhinweise und kann er unterstützen, wenn Betroffene Auskunft oder Löschung verlangen? Wenn auf solche Fragen nur Schlagworte als Antwort kommen, ist das ein Warnsignal.

Welche Kriterien sind aus Ihrer Sicht also entscheidend bei der Auswahl eines KI-Anbieters?

Am Ende wollen Makler zwei Dinge: Die KI muss im Alltag funktionieren – also im konkreten Anwendungsfall wirklich entlasten – und es muss beim Datenschutz nachvollziehbar sauber sein. Gerade weil so viele „datenschutzkonform“ schreiben, zählt am Ende, ob man es belegen kann.

Bots4You ist seit 2018 am Markt und wir liefern fertige KI-Helfer für Telefon, E-Mail und Web-Chat auf einer selbstentwickelten, „Software Made in Germany“-zertifizierten Plattform. Der Einstieg ist dabei bewusst pragmatisch. Wir arbeiten nach dem Prinzip „konfigurieren statt programmieren“. Das heißt: Ein Einrichtungsassistent führt Schritt für Schritt durch die Einrichtung. Man beschreibt kurz per Chat, was der Helfer können soll, fehlende Angaben werden abgefragt und der KI-Helfer wird entsprechend aufgesetzt. Weiterleitungen und Regeln stellt man per Klick ein, Dokumente und Tabellen lädt man hoch und gibt sie als Wissensgrundlage frei. Wer intern Kapazität hat, macht das selbst – und wer im Tagesgeschäft keine Luft dafür hat, bekommt das als Rundum-Service inklusive laufender Betreuung und Optimierung.

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