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Intelligent Document Processing – Digital Insurance Podcast

In der neuesten Folge des Digital Insurance Podcast diskutiert Moderator Jonas Piela in einer hochkarätigen Runde über die Potenziale und Herausforderungen von Intelligent Document Processing (IDP) in der Assekuranz.

In der neuen Episode des Digital Insurance Podcast begrüßt Moderator Jonas Piela Isabel Martorell Naßl (Versicherungskammer Bayern), Hendrik Funderman (d.velop), Matthias Mainone (ALH Gruppe), René Weseler (Buildsimple) und Frank Strotmann (Materna). Die Branchenexperten analysieren gemeinsam, wie künstliche Intelligenz operative Arbeitsabläufe nachhaltig verändert. Während moderne KI-Technologien unstrukturierte Daten problemlos auslesen und verstehen können, scheitert die vollautomatische Dunkelverarbeitung in der Praxis oft noch an Datensilos, Systemumbrüchen und komplexen Bestandsarchitekturen.

Kulturwandel und Vertrauen als Erfolgsfaktoren

Neben der technischen Anbindung steht der menschliche Faktor im Mittelpunkt der Digitalisierung. Die Experten betonen, dass KI-Systeme vor allem als unterstützende Assistenz für Mitarbeitende agieren, um Entscheidungen vorzubereiten, Prozesswissen bereitzustellen und Richtlinien effizient anzuwenden. Um Berührungsängste abzubauen und den Change-Prozess positiv zu gestalten, setzt die Versicherungskammer Bayern beispielsweise auf spielerische, intern entwickelte KI-Assistenten. Der nachhaltige Erfolg erfordert somit nicht nur technische Innovationen, sondern vor allem Mut zur Veränderung und gegenseitiges Vertrauen innerhalb der Organisation.

Vom klassischen Dokument zum intelligenten Datenmanagement

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass das Dokument als Informationsträger zwar vorerst erhalten bleibt, sich seine Verarbeitung jedoch grundlegend wandelt. Durch die Kombination aus bewährtem Machine Learning und modernen Sprachmodellen verlagert sich der Schwerpunkt vom traditionellen Input Management hin zu einem umfassenden Daten- und Contentmanagement. Damit lassen sich selbst anspruchsvolle Aufgaben wie die automatische Betrugserkennung oder Risikoprüfung in Schaden- und Leistungsfällen skalierbar und verlässlich umsetzen.t-Episode verlinkt ist.

Hier geht es zur Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Smart InsurTech öffnet Plattform für KI-Lösungen seiner Kunden

Die Smart InsurTech AG öffnet ihre Versicherungsplattform Smart Insur für KI-Technologien ihrer Kunden. Über eine neue Schnittstelle können Vermittlerbetriebe eigene Anwendungen sowie externe KI-Lösungen mit ihrem Datenbestand auf der Plattform verbinden. Zudem soll es eine KI-Community geben.

Die Smart InsurTech AG vollzieht mit ihrer Versicherungsplattform Smart Insur den nächsten Schritt in der KI-Strategie und setzt mit einer neuen Schnittstelle auf Flexibilität und Technologieoffenheit: Smart Insur ist künftig offen für externe KI-Lösungen. Über die neue Smart API haben Maklerhäuser die Möglichkeit, eigene KI-Anwendungen sowie externe Technologilösungen mit ihren relevanten Bestandsdaten auf der Plattform zu verbinden. Vermittler können somit selbst entscheiden, welche Anwendungen zu ihrem Geschäftsmodell und ihren Prozessen passen. Neue individuelle Kundenfunktionen müssen laut Smart InsurTech dafür nicht mehr zwingend innerhalb der Plattform umgesetzt werden.

Smart Insur als technologische Basis für digitales Ökosystem

„Der Markt für Large Language Models entwickelt sich so dynamisch, dass wir unseren Kunden bei der Wahl spezifischer Anwendungen maximale Flexibilität ermöglichen möchten“, erklärt Markus Niederreiner, CEO der Smart InsurTech AG. „Unsere Aufgabe als Plattformanbieter ist es, die technischen Voraussetzungen für Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet: sichere und strukturierte Zugänge zu den eigenen Daten und eine Infrastruktur, an die sich neue Technologien flexibel anbinden lassen. Damit ermöglichen wir die flexible Nutzung unserer Plattform, ohne die Datenhoheit unserer Kunden aufzugeben.“

Wie Smart InsurTech mitteilt, soll die Plattform somit neben eigenen Anwendungen künftig verstärkt als technologische Basis dienen, auf der Vermittler bei Bedarf ihr individuelles digitales Ökosystem aufbauen können. Jedes Maklerbüro kann selbst entscheiden, welche Anwendungen es anbinden möchte.

Beispiele für Einsatzfelder

Als denkbare Einsatzbereiche nennt Smart InsurTech folgenden Beispiele:

  • KI-gestütztes Backoffice: Eine externe KI analysiert eingehende E-Mails, erfasst anhand der über die Smart API bereitgestellten Kunden-, Vertrags- und Dokumentendaten den Kontext und bereitet Vorgänge oder Antwortvorschläge vor.
  • Telefonie: Bei einem eingehenden Anruf stehen die passenden Kundendaten unmittelbar zur Verfügung.
  • Eigene Kundenportale und Apps: Vermittler bieten ihren Endkunden Vertrags- und Dokumenteninformationen sowie zusätzliche Services in der eigenen Markenwelt an.
  • Echtzeit-Datenaustausch: Vermittlerunternehmen mit mehreren Anwendungen und Frontends greifen auf eine gemeinsame Datenbasis zu, statt Informationen mehrfach vorzuhalten und zeitversetzt zu synchronisieren. Das reduziert redundante Datenhaltung und Fehlerquellen.
KI-Community für Erfahrungsaustausch

Erste Projekte befinden sich bereits im Einsatz oder in der Umsetzung. Parallel ruft Smart InsurTech eine KI-Community ins Leben. Maklerbüros und Vermittlerorganisationen sollen dort gemeinsam mit dem Technologieanbieter konkrete Anwendungsfälle identifizieren können, Erfahrungen austauschen und Anforderungen an künftige KI-gestützte Prozesse diskutieren.

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KI-Anbieter Afori will in Maklerunternehmen investieren

Afori, Anbieter versicherungsspezifischer KI, startet eine Initiative, um strategischer Wachstumspartner für Maklerunternehmen zu werden. Afori will dabei mit einer Minderheitsbeteiligung in Maklerhäuser einsteigen, der Makler bleibt Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer.

Gibt es einen neuen Konsolidierer am Markt? Jedenfalls einen neuen Investor. Afori geht den nächsten Schritt. Bislang war das Unternehmen als Anbieter versicherungsspezifischer KI bekannt. Jetzt will es sich zum strategischen Wachstumspartner für Maklerunternehmen weiterentwickeln. Afori geht dabei Partnerschaften mit ausgewählten Maklern ein, und zwar Unternehmen, die in ihrem Markt bereits gut vertreten sind und weiter wachsen wollen, heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung.

Neue Strategie, neues Büro

Afori bringt KI, operative Begleitung und Wachstumskapital ein, steigt als Minderheitspartner ein und macht Makler zum Miteigentümer der Afori-Gruppe. Die Zahl der Partner ist bewusst begrenzt, so Afori: Die Partner ergänzen sich in ihren Schwerpunkten und konkurrieren nicht um dieselben Kunden. Ziel ist, dass jedes Partnerunternehmen in seinem Markt größer und wertvoller wird. Für die Betreuung der Partnerschaften in Deutschland eröffnet Afori ein Büro in München.

Fabian Wesemann, Mitgründer und CEO von Afori, erläutert: „Im ersten Jahr haben wir gelernt: Je enger wir mit einem Makler zusammengearbeitet haben, desto erfolgreicher war er. Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf eine begrenzte Zahl an Maklern und unterstützen diese sehr eng mit unserer KI, mit Kapital und mit einem Team, das bei der Umsetzung bei Bedarf mit anpackt.“

Makler kommen in Maklerbeirat

Die Partnerhäuser können außerdem die Gruppe aktiv mitgestalten. Sie erhalten Zugang zum Maklerbeirat des Unternehmens und können die KI-Plattform mit entwickeln. Die bestehende Marke des Maklers bleibt. Langfristig wird das Maklerunternehmen vollständig Teil der Gruppe.

Die Partnerschaft beginnt dabei in einer 90-tägigen „Wachstumspotenzialphase“, so nennt es Afori. Der Makler setzt die KI von Afori im eigenen Unternehmen ein und erlebt im laufenden Betrieb, wo Zeit eingespart und Arbeit vereinfacht werden kann. Gleichzeitig analysieren beide Seiten, welche zusätzlichen Wachstumspotenziale bestehen. Anschließend entscheiden der Makler und Afori gemeinsam, ob daraus eine langfristige Partnerschaft mit Beteiligung entsteht.

Die KI-Technologie von Afori wird am Tech-Standort Barcelona entwickelt. Die Wachstumspartnerschaft wird über die Afori Deutschland GmbH mit Sitz in München umgesetzt. Vom Münchner Büro aus begleitet Afori seine Partner im deutschen Markt. (mki)

 

Wie die Cyberversicherung die Rolle des Maklers verändert

Während klassische Sachschäden meist abgeschlossen sind, wenn die Schadenaufnahme beginnt, kann ein Cyberangriff noch laufen. Hier verändert sich die Rolle des Maklers: Er wird als Betreuer der Cyberpolice auch zum Koordinator zwischen Kunde, Versicherer und spezialisierten Krisendienstleistern.

Ein Artikel von Hanno Pingsmann, Geschäftsführer der CyberDirekt GmbH

Die Arbeit eines Versicherungsmaklers endet nicht mit dem Versand des Versicherungsscheins. Das gilt grundsätzlich für alle Gewerbesparten, wird bei Cyberversicherungen aber besonders deutlich. Im Schadenfall geht es in den ersten Stunden selten um die Prüfung von Rechnungen oder den Umfang der Regulierung. Stattdessen stehen operative Fragen im Mittelpunkt: Wie lässt sich der Angriff eindämmen? Welche Systeme müssen isoliert werden? Kann der Betrieb aufrechterhalten werden? Wer informiert Kunden, Mitarbeitende oder Behörden?

Ein Cybervorfall unterscheidet sich damit grundlegend von vielen klassischen Sachschäden. Nach einem Brand oder Leitungswasserschaden ist das Ereignis meist abgeschlossen, wenn die Schadenaufnahme beginnt. Ein Cyberangriff kann dagegen noch eine akute Bedrohungslage darstellen und lange anhalten. Angreifer bewegen sich möglicherweise weiterhin im Netzwerk, Daten fließen ab oder Systeme bleiben verschlüsselt. Jede unkoordinierte Maßnahme kann Beweise vernichten, die Wiederherstellung erschweren oder zusätzliche Kosten auslösen. Krisenmanagement kommt deshalb vor der Regulierung.

Cyberschäden folgen anderen Regeln

Im Cybervorfall treffen IT-Forensik, Datenschutz, Rechtsberatung, Krisenkommunikation, Betriebsfortführung und Versicherung aufeinander. Die Beteiligten sprechen nicht automatisch dieselbe Sprache. Die Geschäftsleitung kennt häufig weder die Details der Versicherungsbedingungen noch den Ablauf einer Incident Response. IT-Dienstleister verstehen die Systeme, wissen aber nicht zwingend, welche Maßnahmen abgestimmt oder dokumentiert werden müssen.

Versicherer kennen das Unternehmen, aber nicht jede technische Abhängigkeit. An diesen Schnittstellen wird der Makler zum verbindenden Element und muss bei Bedarf auch Probleme in der Abstimmung und Kommunikation zwischen Kunde, Versicherer und Krisendienstleister beseitigen.

Der Makler als Koordinator und Übersetzer

Der Makler muss bei einem Cyberangriff nicht mit technischer Expertise einspringen. Seine Aufgabe besteht darin, seinen Kunden Orientierung darüber zu geben, wie die nächsten Stunden und der weitere Ablauf des Incident-Managements aussehen werden. Er kennt den Kunden, dessen Versicherungsschutz und die vorgesehenen Meldewege. Dadurch kann er früh die entscheidenden Fragen klären: Welche Notfallnummer ist zu wählen? Welche Informationen benötigt der Versicherer? Welche Dienstleister dürfen sofort beauftragt werden? Welche Kostenpositionen sind vom Vertrag erfasst und wo ist vor Beauftragung eine Freigabe erforderlich?

In einer Situation, die für den Kunden von Unsicherheit und Zeitdruck geprägt ist, wird diese Übersetzungs- und Koordinationsleistung zum zentralen Mehrwert. Der Makler sorgt dafür, dass Informationen vollständig und an die richtigen Stellen gelangen, Kommunikationswege kurz bleiben und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden. So wird er zur stabilen Verbindung zwischen Kunde, Versicherer und Krisendienstleistern – ohne die Verantwortung der jeweiligen Spezialisten zu übernehmen.

Erfolgreiche Schadenbegleitung beginnt vor dem Angriff

Ob die Zusammenarbeit im Ernstfall funktioniert, entscheidet sich lange vor dem ersten Alarm. Eine Police allein schafft keinen belastbaren Krisenprozess. Unternehmen müssen wissen, wen sie bei einem Verdacht kontaktieren, welche Systeme und Dienstleister für den Betrieb unverzichtbar sind und wer intern Entscheidungen treffen darf. Auch die Versicherungsbedingungen müssen zur tatsächlichen IT-Landschaft und zum Geschäftsmodell passen. Für den Makler entsteht daraus regelmäßig auch Handlungsbedarf im Rahmen seines Beratungsauftrags. Versicherungsschutz und Risikoentwicklung müssen regelmäßig überprüft werden: Haben neue Clouddienste oder externe IT-Partner die Abhängigkeiten verändert? Wurden Standorte, Umsatz oder Geschäftsprozesse erweitert? Entsprechen Versicherungssummen und erwartete Betriebsunterbrechungszeiten noch dem tatsächlichen Schadenpotenzial? Sind Obliegenheiten und Sicherheitsanforderungen bekannt und umsetzbar?

Spezialisierung wird zum Wettbewerbsvorteil

Cyberrisiken, Angriffsmethoden und regulatorische Anforderungen entwickeln sich dynamisch. Gleichzeitig unterscheiden sich Tarife erheblich – etwa bei Versicherungsfalldefinitionen, Sicherheitsanforderungen, Sublimits, Rückwirkung, Betriebsunterbrechung oder der Auswahl von Dienstleistern.

Wer Cyberkunden dauerhaft begleiten möchte, muss deshalb nicht jedes technische Detail beherrschen, aber die relevanten Zusammenhänge verstehen und auf ein belastbares Netzwerk zurückgreifen können.

 

Wie Cyberversicherung Rolle des Maklers verändert

 

Fazit: Cyber verändert das Berufsbild

Cyberversicherungen verändern nicht nur die Anforderungen an Unternehmen und Versicherer, sondern auch die Rolle des Maklers. Sein Mehrwert entsteht immer weniger durch die Vermittlung einer Police allein. Entscheidend wird die Fähigkeit, Kunden über den gesamten Lebenszyklus zu begleiten – von der Risikoerfassung und passenden Absicherung über Prävention und laufende Aktualisierung bis zur Koordination im Schadenfall.

Der Versicherungsmakler muss kein Forensiker oder Krisenkommunikator werden. Aber er muss die wichtigen Prozesse verstehen, Zuständigkeiten kennen und im entscheidenden Moment die richtigen Verbindungen herstellen. So entwickelt sich der Vermittler auch ein Stück weit zum Krisenmanager – und wird für seine Kunden zu einem unverzichtbaren Partner während eines Cybervorfalls.

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Ein Artikel von
Hanno Pingsmann

Die demografische Bombe – Digital Insurance Podcast

Im neuen „Digital Insurance Podcast“ befasst sich Thorben Schwarz von Piela & Co. Digital Consultants mit dem demografischen Wandel im Versicherungssektor. Warum für die neue Maklergeneration Zeit die wertvollste Ressource ist und warum Versicherer Milliarden an Prämienvolumen riskieren.

In der neuesten Episode des Digital Insurance Podcast beleuchtet Thorben Schwarz, Practice Lead Insurance Sales bei Piela & Co. Digital Consultants, eine dramatische Entwicklung im Versicherungssektor. Laut AfW Vermittlerbarometer sind rund 67% der unabhängigen Vermittler älter als 50 Jahre. Dies bedeutet, dass in den kommenden zehn Jahren zwei Drittel des gesamten Vertriebsmarktes ihren Besitzer wechseln oder in den Ruhestand gehen. Moderator Jonas Piela übergibt das Wort an seinen Beraterkollegen, um aufzuzeigen, wie Versicherer sich auf diesen historischen Generationenwechsel vorbereiten müssen.

Der digitale Druck der Nachfolgegeneration

Viele Versicherungsgesellschaften wiegen sich laut Schwarz in einer trügerischen Sicherheit, da sie darauf vertrauen, dass langjährige persönliche Beziehungen zu Altinhabern auch nach deren Ausscheiden fortbestehen. Diese Annahme erweist sich jedoch als fataler Irrtum. Während der etablierte Makler Mängel in den Prozessen oft noch über persönliche Kontakte ausglich, schauen junge Nachfolger und Konsolidierungsplattformen primär auf die digitale Infrastruktur.

Für die neue Maklergeneration ist Zeit die wertvollste Ressource. Wenn Daten nicht nahtlos in Echtzeit über API-Schnittstellen und BIPRO-Standards in ihr Maklerverwaltungsprogramm fließen oder die Dunkelverarbeitungsquote zu niedrig ist, droht der Verlust kompletter Kundenbestände. Mangelhafte IT-Kompatibilität führt dazu, dass Nachfolger Verträge ohne Zögern zu technologisch fortschrittlicheren Mitbewerbern umschichten. Die Demografiebombe entpuppt sich somit als eine digitale Selektion.

Dringender Handlungsbedarf für Versicherer

Um diesem immensen Klumpenrisiko entgegenzuwirken, empfiehlt Torben Schwarz drei konkrete Maßnahmen für Entscheider. Zunächst müssen Versicherer umgehend ein demografisches Bestandsaudit starten, um frühzeitig zu erkennen, welche Prämienvolumen bei Maklern über 55 Jahren liegen. Ein proaktiver Dialog Jahre vor der eigentlichen Nachfolge ist essenziell, um die Übergabe mitzugestalten.

Darüber hinaus ist ein rigoroser Schnittstellen-Stresstest aus der Perspektive der Makler erforderlich, bei dem die tatsächliche Qualität der Datenübertragung und Dunkelverarbeitung direkt bei den Vermittlern hinterfragt wird. Schließlich sollten Versicherer ein Nachfolger-Enabling-Programm etablieren. Indem sie ältere Makler bei der digitalen Datenmigration und der Nachfolgesuche unterstützen, sichern sie sich das Vertrauen der jüngeren Generation und wandeln sich vom reinen Produktgeber zum strategischen Partner. Weitere vertiefende Einblicke und technologische Fahrpläne bietet das zugehörige Whitepaper, das in den Shownotes der Podcast-Episode verlinkt ist.

Hier geht es zur Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Wird es den Makler von heute so bald nicht mehr geben?

Wie sehr KI die Maklerwelt beeinflussen wird, hat der BDVM aktuell auf seiner Jahrespressekonferenz dargelegt. Der Verband sieht viele Chancen, erkennt aber auch zahlreiche Risiken und einen Wettbewerb um die Kundenschnittstelle. Daher äußert er auch klare Forderungen zum KI-Einsatz in der Branche.

KI verändert die Maklerwelt umfassend. Wie sehr, wurde auch auf dem diesjährigen BDVM -Pressegespräch deutlich, in dem das Thema künstliche Intelligenz über praktisch allen Themen schwebte – vom Bereich Cyber über das Marktgeschehen im Industrie- und Gewerbemaklerbusiness bis hin zum Stimmungsbarometer des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler e. V. (BDVM).

Die Branche steht vor einem grundlegenden Strukturwandel

BDVM-Präsident Thomas Billerbeck wurde ebenfalls deutlich in seinem Statement, was die Maklerschaft angeht: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Damit bezog er sich auf die Einschätzung des Verbandes, dass die Versicherungsbranche insgesamt vor einem grundlegenden Strukturwandel stehe. Denn KI-Agenten könnten künftig immer häufiger den ersten Kontakt zum Kunden übernehmen und dessen Versicherungsentscheidungen vorbereiten, heißt es vom BDVM.

„Es geht darum, wer künftig den Zugang zum Kunden hat“

„Es geht nicht mehr nur darum, bestehende Abläufe zu digitalisieren. Es geht darum, wer künftig den Zugang zum Kunden hat und wie qualifizierte Beratung wirtschaftlich tragfähig bleibt“, so Billerbeck in einer Pressemitteilung zur Veranstaltung. „Technologie und Regulierung verändern gleichzeitig die Grundlagen unseres Geschäfts.“

Nächsten Stufe: Kunden setzen selbst KI-Agenten ein

Nun setzen beispielsweise Versicherer KI bereits an der Kundenschnittstelle ein, z. B. als Chat. Der BDVM weist darauf hin, dass in der nächsten Stufe auch Kunden persönliche KI-Agenten einsetzen könnten, die ihren Bedarf analysieren, Angebote vergleichen und Prozesse anstoßen. Daraus folgen könnte schließlich ein neuer Wettbewerb um die Kundenschnittstelle, etwa wenn der digitale Assistent des Kunden auf den KI-Agenten des Vermittlers trifft.

BDVM appelliert an Makler

Der BDVM appelliert daher an Vermittler: „Maklerunternehmen müssen ihr Wissen digital nutzbar machen, Datenqualität verbessern und in sichere Schnittstellen investieren. Persönliches Vertrauen bleibt wichtig, darf aber nicht zur Begründung werden, den technologischen Wandel abzuwarten.“

Können kleine Maklerhäuser mithalten?

Doch zeigte die Pressekonferenz auch, dass der Verband die neuen Technologieentwicklungen keineswegs nur verteufelt und davor warnt, sondern auch einen Blick auf die zahlreichen Chancen wirft. BDVM- Vizepräsidentin Julie Schellack etwa sieht für die Zukunft „gute Chancen“ auch für kleine Maklerhäuser, wenn sie „vernünftige Prozesse“ und ein Mindestmaß an Daten vorweisen können. Allerdings müsse man sich dann in den Unternehmen einmal damit beschäftigen, welche Tools unterstützen könnten.

Stimmung unter BDVM-Maklern

Das BDVM-Stimmungsbarometer 2026 zeigt zudem, dass auch die Maklerbetriebe selbst sich bereits viele Gedanken um das Thema künstliche Intelligenz machen, wie Dr. Bernhard Gause, geschäftsführender Vorstand des BDVM darlegt. KI wird in vielen Maklerhäusern schon in unterschiedlicher Weise genutzt, z. B. zur Informationsaufbereitung, zur Korrespondenzerstellung oder zur Vertrags- und Bedingungsanalyse.

KI-Kompetenzen der Beschäftigten müssen gestärkt werden

Mit dem Hinweis, dass letztendlich trotzdem immer noch durch einen Menschen geprüft werden sollte, steht der BDVM diesem Trend grundsätzlich positiv gegenüber und empfiehlt seinen Maklern auch, die KI-Kompetenzen der jeweiligen Unternehmen zu stärken, etwa durch Schulungen der Mitarbeiter. Aus Sicht des BDVM können automatisierte Prozesse außerdem helfen, knappe personelle Ressourcen gezielter einzusetzen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Menschen, die Ergebnisse prüfen, komplexe Risiken einordnen und Verantwortung, z. B. für Empfehlungen, übernehmen, teilt der Verband mit.

Verband fordert beim KI-Einsatz: Nachvollziehbare Entscheidungen, menschliche Kontrolle

Ein wichtiger Aspekt sind in diesem Zusammenhang noch die klaren Erwartungen, die der Verband mit dem KI-Einsatz verbindet: Vor allem müssen Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert und menschliche Kontrolle sichergestellt werden, heißt es. „Unser Leitbild ist nicht der menschenleere Versicherungsmarkt, sondern der technologisch starke Makler an der Seite seiner Mandanten“, sagt Billerbeck. „Wer die Kundenschnittstelle sichern will, muss jetzt investieren.“

Stark machen für neue Leute in der Branche

Unter diesen Veränderungen und Entwicklungen wird schließlich ein Berufsbild entstehen, das der BDVM besonders unter jungen Menschen noch stärker bewerben will, um mehr und neue Fachkräfte in die Branche zu holen. Denn neben den rasanten Entwicklungen durch KI stellt der BDVM noch einen weiteren Punkt in den Fokus, wenn es um die Zukunft der Maklerschaft geht: Menschen kommunizieren weiterhin gerne mit Menschen. (lg)

Lesen Sie auch: Maklermarkt 2030+: Weniger Makler, mehr Tech
 

Inveda integriert neue Funktion in Kunden-App

Die Leipziger Inveda.net GmbH hat an der Anwendung „Versicherungszeiger“ gefeilt: Ab sofort können Makler mehrere Kunden- und Firmenakten aus dem Maklerverwaltungsprogramm Inveda Makler Assistent (IMA) für einen App-Nutzer freigeben.

Private Haftpflicht, Gebäudeversicherung der Firma oder Vertrag des Kindes: Was für Kunden zusammengehört, verwaltet der Makler aus guten Gründen oft in unterschiedlichen Akten. Der Softwareanbieter Inveda hat den „Versicherungszeiger“ nun um eine Funktion erweitert und führt damit diese Bestände jetzt in der App zusammen. Makler haben nun die Möglichkeit, mehrere Kunden- und Firmenakten aus dem Maklerverwaltungsprogramm Inveda Makler Assistent (IMA) für einen App-Nutzer freizugeben. Somit kann ein Kunde künftig beispielsweise seine privaten Versicherungsverträge und die Verträge seines Unternehmens über denselben Zugang einsehen. Ebenso lassen sich Akten von Kindern, Eltern oder Partnern einbinden, sofern der Makler sie entsprechend freigibt. Bislang war der Versicherungszeiger jeweils auf eine einzelne Kundenakte beschränkt.

Datenpflege weiterhin ausschließlich im MVP

„Unsere Kundenbeziehungen enden nicht an einer Aktennummer. Ein Unternehmer ist zugleich Privatkunde, Eltern kümmern sich um die Versicherungen ihrer Kinder und manchmal auch um die ihrer eigenen Eltern“, sagt Dirk Pappelbaum, Geschäftsführer der Inveda.net GmbH. „Genau diese Lebenswirklichkeit können Makler mit dem Versicherungszeiger jetzt abbilden, ohne dafür ihre Bestandsführung verändern zu müssen.“

Die einzelnen Kunden- und Firmenakten bleiben im MVP IMA bestehen, sie müssen laut Inveda weder zusammengefügt noch für die App neu angelegt werden. Der Makler legt nur fest, welche Akten für den jeweiligen Versicherungszeiger freigegeben werden. Die Datenpflege erfolgt weiterhin ausschließlich im Maklerverwaltungsprogramm (MVP) IMA.

Verschlüsselung der Daten innerhalb vom IMA

Über die App können Kunden außerdem ihrem Makler Nachrichten senden, Schäden melden oder auf Versicherungsverträge hinweisen, die bislang noch nicht in dessen Bestand erfasst sind. Diese Informationen erhält der Makler unmittelbar in seinem MVP und sie können dort weiterbearbeitet werden. Damit bleibt laut inveda die Kommunikation dort angebunden, wo bereits Kunden, Verträge und Vorgänge verwaltet werden.

In Sachen Datenschutz weist Inveda darauf hin, dass die Verschlüsselung nicht erst auf dem Übertragungsweg erfolgt, sondern bereits im IMA, bevor sie über das Internet übertragen bzw. bereitgestellt werden. Inveda verwendet dafür eine asymmetrische Verschlüsselung. Der Schlüssel, mit dem die Daten verschlüsselt werden, kann nicht zugleich zu deren Entschlüsselung verwendet werden. Entschlüsselt werden die Informationen erst in der für den Kunden freigeschalteten App.

Auch Nachrichten zwischen Kunde und Makler werden verschlüsselt übertragen. Welche Kunden- oder Firmenakten über einen Versicherungszeiger zugänglich sind, legt der Makler durch die jeweilige Freigabe im IMA fest.

Keine zweite Datenwelt neben dem Maklerverwaltungsprogramm

„Wir wollen dem Makler keine weitere Plattform hinstellen, die er anschließend ebenfalls pflegen muss“, erklärt Pappelbaum. „Der IMA bleibt die zentrale Anwendung. Der Versicherungszeiger bringt die dort vorhandenen und freigegebenen Informationen zum Kunden – und jetzt eben nicht mehr nur aus einer Akte.“ (tik)

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Weitere News rund um neue Services und digitale Lösungen lesen Sie auch in der Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

GEO im Härtetest – Digital Insurance Podcast

Zu Gast bei Jonas Piela im aktuellen „Digital Insurance Podcast“ ist Georgina Neitzel, Leiterin des ERGO Innovation Lab. Beide sprechen über KI in der Produktentwicklung. Neitzel gibt Einblicke, wie ERGO im Innovation Lab KI-Modelle als Sparringspartner für junge Zielgruppen und komplexe Journeys nutzt.

In einer aktuellen Folge des Digital Insurance Podcast diskutiert Moderator Jonas Piela mit Georgina Neitzel, Leiterin des ERGO Innovation Lab, über den gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Produktentwicklung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich komplexe Innovationsprozesse zeitlich drastisch verkürzen lassen, während gleichzeitig die Qualität der Ergebnisse steigt. Während klassische Design Sprints nach dem Google-Modell üblicherweise fünf Tage in Anspruch nehmen, verkürzt das Innovation Lab die gemeinsame Workshop-Zeit mit Fachabteilungen durch den Einsatz von KI-Tools auf anderthalb bis zwei Tage. Auch die vorgelagerte Recherchephase wird durch automatisierte Zusammenfassungen von Studien und Dokumenten erheblich beschleunigt.

Zusammenspiel von menschlicher Expertise und KI-Simulationen

Georgina Neitzel stellt klar, dass KI den Menschen im Entwicklungsprozess keineswegs ersetzt, sondern menschliche Arbeit ergänzt. Die Arbeit im Innovation Lab erfolgt in hybriden Teams: Während ein Teil der Gruppe Aufgaben klassisch bearbeitet, nutzt der andere Teil KI-Werkzeuge. Künstliche Intelligenz wird dabei unter anderem genutzt, um bei homogenen Teilnehmergruppen zusätzliche Perspektiven beim Brainstorming einzubringen oder Nutzerinterviews mit simulierten Personas durchzuführen, wenn aus Zeitgründen keine echten Interviewpartner zur Verfügung stehen. Zwar zeigt KI große Stärken bei der Generierung und Aggregation von Ideen, stößt jedoch bei der Bewertung der technischen Machbarkeit aufgrund individueller Systemarchitekturen an ihre Grenzen.

Zukunftsthemen und Weiterentwicklung im Innovation Lab

Neben KI-gestützten Design Sprints stehen im Ergo Innovation Lab weitere technologische Entwicklungen im Fokus. Dazu gehören insbesondere die Arbeit an agentischer KI sowie die Optimierung der Sichtbarkeit des Unternehmens in großen Sprachmodellen (GEO). Trotz der hohen Geschwindigkeit, mit der neue Modelle auf den Markt drängen, bleiben die zugrunde liegenden Kernmethoden der Innovation laut Neitzel stabil. Der KI-Einsatz habe sich in der Discovery-Phase mittlerweile von der Ausnahme zum Standard entwickelt.

Hier geht es zur Folge:
Generative Engine Optimization (GEO) im Härtetest - Die Zukunft der Kundensuche nach Versicherungen
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

KI als Befreiungsschlag für den Versicherungsvertrieb

KI birgt enormes Potenzial für mehr Entlastung im Makleralltag – wenn sie aktiv und verantwortungsvoll eingebunden wird. Welche Effizienzgewinne sich in der Praxis konkret ergeben und warum der Weg hin zur KI-gestützten Beratung Schritt für Schritt erfolgen sollte, erläutert der folgende Artikel.

Ein Gastbeitrag von Artikel von Nele Wollert, Chief Sales Officer bei muffintech, und Vincenz Klemm, Mitgründer und Geschäftsführer von Baobab Risk Solutions

Die Versicherungswirtschaft steht vor einem fundamentalen Strukturwandel in der Kundenansprache. Während ein beachtlicher Teil der Marktteilnehmer Künstliche Intelligenz (KI) noch immer in vorsichtigen Pilotprojekten erprobt, hat sich das Verhalten der Verbraucher längst gedreht: Immer mehr Endkunden konsultieren KI-Plattformen anstelle klassischer Suchmaschinen, um komplexe Absicherungsfragen zu klären. Für Versicherungsmakler bedeutet das, dass sich ihre Relevanz im Erstkontakt künftig direkt an der Schnittstelle zu digitalen Systemen entscheidet. Wer seine Prozesse und Angebote daher nicht transparent sowie maschinenlesbar aufbereitet, droht in dieser entscheidenden Suchphase unsichtbar zu werden.

Gefangen in der Bürokratiefalle

Die eigentliche Herausforderung im Alltag deutscher Versicherungsmakler liegt tief im operativen Geschäft verborgen. Laut eigenen Schätzungen des InsurTechs muffintech ist die Realität ernüchternd: Erschreckende 60 bis 80% ihrer Arbeitszeit verbringen Vertriebsmitarbeiter nicht mit dem eigentlichen Kundengespräch, sondern mit administrativer Routine. Ständig neue Gesetzesvorgaben, stetig wachsende Produktportfolios und ausufernde Dokumentationspflichten verschärfen diesen Verwaltungsstress. Es ist eine bürokratische Mühle, die wertvolle Ressourcen genau dort bindet, wo sie am dringendsten benötigt würden: in der proaktiven Risikoanalyse und der Betreuung von Bestandskunden.

KI als Befreiungsschlag

KI ist in diesem verfahrenen Szenario daher ein Befreiungsschlag. Die Befürchtung, die Technologie könnte den Berater aus Fleisch und Blut ersetzen, greift zu kurz. Eine vollständige Verdrängung des Menschen im streng regulierten Vertrieb ist allein aus Haftungsgründen unrealistisch. Hinzukommt das tief sitzende Bedürfnisses der Kunden nach persönlicher Absicherung und dem Vertrauen zum Berater. Im herausfordernden Berateralltag ist die Technologie somit eine Entlastung, die den Fokus zurück auf die eigentliche menschliche Wertschöpfung lenkt.

Effizienzgewinne im Praxis-Check

Dort, wo Mensch und KI bereits Hand in Hand arbeiten, zeigen sich deutliche Effizienzgewinne. Analysen von muffintech gehen davon aus, dass durch den gezielten Einsatz von Algorithmen in standardisierten Vertriebsprozessen Bearbeitungszeiten um 30 bis 60% sinken. Drei Kernbereiche prägen derzeit die Praxis: Zum einen fungieren digitale Assistenten als Vernetzer verschiedener Quellsysteme. Sie führen Datenspuren aus Informationsbriefen, Schäden und Altverträgen automatisch zusammen, filtern relevante Kennzahlen für die Gesprächsvorbereitung heraus und stellen passende Dokumente sekundenschnell bereit.

Zum anderen schließen intelligente Chatbots oder Berater gefährliche Servicelücken. Anders als starre Bots nutzen moderne Sprachmodelle unternehmenskonforme Produktinformationen, um komplexe Kundenfragen rund um die Uhr personalisiert zu beantworten.

Einsatz von KI im Spezialvertrieb

Bei Baobab Risk Solutions zeigt sich in der Praxis, wie der Einsatz von KI im Spezialvertrieb aussieht: Das Unternehmen nutzt die Technologie gezielt an den typischen Schnittstellen des Makleralltags. Anstatt Risikofragebögen und Vergleichsangebote von Wettbewerbern mühsam von Hand auszuwerten und zu überführen, erfasst sie die Dokumente vollautomatisch und übersetzt sie direkt in das eigene System. Aus zeitaufwendiger Manufakturarbeit wird so ein hocheffizienter Prozess, der die Reaktionszeiten gegenüber den Maklern spürbar beschleunigt.

In naher Zukunft plant Baobab bereits den nächsten Innovationsschritt im eigenen Maklerportal: Eine KI-basierte Vertriebsberatung soll komplexe, technische Cyber-Risikoinformationen in verständliche, geschäftsrelevante Argumente und konkrete Empfehlungen übersetzen. Der Mehrwert liegt auf der Hand: Berater gewinnen in anspruchsvollen Kundengesprächen deutlich an Sicherheit bei der Vermittlung von Cyberdeckungen.

Das Potenzial von KI in der Bestandsarbeit

Darüber hinaus bietet die Technologie einen enormen Hebel in der proaktiven Bestandsarbeit. Da die Reaktivierung von Bestandskunden im Schnitt siebenmal günstiger ist als die Neukundengewinnung, können Makler über interaktive Dialogformulare Kundenbedürfnisse automatisiert ermitteln. Das System beantwortet Gegenfragen direkt mit vorliegenden Bestandsdaten, was hohe Rücklaufquoten erzielt und Zusatzverkäufe mit minimalem Aufwand ermöglicht. Jedoch gibt es auch Schattenseiten: Ein unbedachter Einsatz öffentlicher Tools birgt erhebliche Datenschutzrisiken. Zudem führt eine mangelhafte Datenqualität in den Kundendatenbanken unweigerlich zu fehlerhaften Systemempfehlungen.

Schritt für Schritt zur KI-gestützten Beratung

Für Makler kommt es nun darauf an, die Technologie aktiv und verantwortungsvoll in den Betrieb zu integrieren. Der Königsweg liegt im schrittweisen Vorgehen: Statt nach der einen All-in-One-Lösung zu suchen, sollten Makler mit klaren Schmerzpunkten wie dem Bedingungsvergleich oder der automatisierten Posteingangsklassifizierung starten.

Gleichzeitig müssen Maklerpools, Versicherer und Dienstleister in die Pflicht genommen werden, datenschutzkonforme Tools bereitzustellen, die sich nahtlos in bestehende Systeme einfügen. Ein zentral gesteuerter Datenschutz mit strenger Anonymisierung schützt vor regulatorischen Strafen. Die durch Automatisierung frei werdenden Kapazitäten sollten Makler schließlich nutzen, um ihre Bestandsdaten sauber zu strukturieren – denn nur präzise Daten garantieren präzise KI-Ergebnisse.

KI entmachtet den Versicherungsmakler somit keineswegs. Richtig eingesetzt wandelt sie den Berater vom überlasteten Verwalter zurück zum geschätzten und fokussierten Risiko-Consultant.

Über die Autorin und den Autor

Vincenz Klemm ist Mitgründer und Geschäftsführer von Baobab Risk Solutions. Der Seriengründer ist Experte für InsurTech, Cyberrisiken und datengetriebenes Risikomanagement. Zuvor baute er das Versicherungs-Startup Gabi in den USA auf.

Nele Wollert ist Chief Sales Officer bei muffintech und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in Technologie, Vertrieb und Business Development. Zu ihren Stationen zählen Google, die Gründung eines RegTech-Unternehmens sowie Positionen im FinTech- und InsurTech-Umfeld.

 
Ein Artikel von
Nele Wollert
Vincenz Klemm

JDC startet KI-Agenten für Versicherungsvermittlung

Die JDC Group bringt einen KI-basierten Agenten für Versicherungsvermittlung auf den Maklermarkt. Die neue KI-Lösung automatisiert wiederkehrende Prozesse im Vertrieb, um Vermittler zu unterstützen. Das Tool kann etwa Neuabschlüsse von Sachversicherungsverträgen eigenständig bearbeiten.

Die JDC Group AG führt einen KI-basierten Agenten für Versicherungsvermittlung auf dem Markt ein. Die neue Technologie kann definierte Prozesse wie Neuabschlüsse von Sachversicherungsverträgen oder Kundenrückfragen eigenständig bearbeiten und entlastet Versicherungsvermittler somit bei wiederkehrenden Aufgaben. Wie das Unternehmen weiter mitteilt, verbindet der KI-Agent die Technologieplattform von JDC und die Datenbank von MORGEN & MORGEN mit den Möglichkeiten moderner generativer künstlicher Intelligenz. Ziel sei, einfacher Neugeschäft zu generieren, administrative Tätigkeiten zu automatisieren, Informationen intelligent zu verarbeiten und Vermittler bei der Betreuung ihrer Kunden zu entlasten. Weiter heißt es von JDC, es geht nicht darum, den Vermittler zu ersetzen, sondern die intelligente Unterstützung und Automatisierung von Prozessen stehe im Mittelpunkt.

Anwendungsmöglichkeiten des KI-Tools

Der neue Agent soll zunächst bei bestimmten Anwendungsfällen zum Einsatz kommen und anschließend sukzessive um zusätzliche Funktionen erweitert werden. Durch die Einbindung in das bestehende JDC-Ökosystem können dabei vorhandene Daten, Prozesse und Schnittstellen genutzt werden. Die neue Lösung steht zunächst internen Teams zur Verfügung und soll nach der erfolgreichen Einführung den Maklern präsentiert werden.

  • Automatisierter Vertragsabschluss: Der KI-Agent liest Online-Leads und Kundennachrichten ein, erkennt deren Inhalt und bietet Kunden automatisch eine passende Vertragslösung an. Er kann bei Sachversicherungsverträgen (zunächst Rechtsschutz, später alle Sparten) ohne weiteres menschliches Eingreifen die Kundenkommunikation inklusive Abschluss übernehmen.
  • Vertragsanalyse: Weiter analysiert das Tool Versicherungsunterlagen zu bestehenden Verträgen automatisiert und identifiziert relevante Vertragsinformationen, Fristen, Änderungen oder Handlungsbedarfe.
  • Kundenanfragen: Der Agent kann eingehende Kundenanfragen verstehen, Informationen aus den vorhandenen Systemen zusammenführen und vorbereitete Antworten bzw. nächste Prozessschritte erzeugen.
  • Vertragsänderungen: Bei Änderungswünschen wie etwa bei Adress-, Bank- oder Kontaktdaten ist der Agent in der Lage, die notwendigen Informationen zu erfassen, den Vorgang vorzubereiten und definierte Folgeprozesse anzustoßen.
  • Wiedervorlagen und Bestandsmanagement: Die JDC-KI erkennt Handlungsbedarfe und Fristen und kann selbstständig Wiedervorlagen oder Folgeaktivitäten anstoßen.

„Mit unseren KI-Tools machen wir künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb konkret nutzbar. Wir schaffen damit einen digitalen Mitarbeiter, der Aufgaben selbstständig bearbeiten kann und unseren Vermittlern mehr Zeit für das Wesentliche gibt: die Beratung ihrer Kunden“, erklärt Dr. Sebastian Grabmaier, CEO der JDC Group AG.

„Wir erleben gerade den Übergang von klassischen Plattformlösungen zu intelligenten Systemen, die nicht nur Informationen bereitstellen, sondern Aufgaben selbstständig ausführen können. Das macht unsere Plattform noch skalierbarer. Wir können steigende Volumina effizient verarbeiten, unsere Partner gezielt entlasten und gleichzeitig die Qualität im Kundenservice sichern“, unterstreicht Dr. Ramona Evens, COO der JDC Group AG. (tik)

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