Ein Artikel von Daniel Dierkes, Gründer und Geschäftsführer von SureIn und Entwickler der KI-Plattform „Modus“
Die erste Generation generativer KI ist inzwischen im Arbeitsalltag vieler Makler angekommen. E-Mails lassen sich schneller formulieren, Dokumente auslesen, Gespräche zusammenfassen und Informationen innerhalb weniger Sekunden finden. Viele Aufgaben, für die Mitarbeiter bisher Zeit aufwenden mussten, können dadurch schneller erledigt werden. Das schafft spürbare Produktivitätsgewinne, verändert die grundsätzliche Arbeitsweise eines Maklerbetriebs aber zunächst wenig. Der Mitarbeiter führt den Prozess weiterhin selbst aus. Der eigentliche Umbruch beginnt dort, wo KI nicht mehr nur Aufgaben vorbereitet, sondern die daraus entstehenden Arbeitsschritte selbst ausführt.
Von einzelnen Arbeitsschritten zum Autopiloten
Die Arbeit eines Maklers besteht selten aus einer einzelnen Aufgabe. Auf eine eingehende Kundenanfrage folgen meist zahlreiche Arbeitsschritte. Informationen müssen verstanden und eingeordnet, bestehende Kunden- und Vertragsdaten berücksichtigt, fehlende Angaben eingeholt, Dokumente geprüft, Angebote angefragt, nächste Schritte eingeleitet und der Vorgang dokumentiert werden. Ein KI-Co-Pilot kann einzelne Teile davon übernehmen. Er fasst eine E-Mail zusammen, extrahiert Informationen aus einem Dokument oder bereitet eine Antwort vor.
KI-Agenten gehen einen Schritt weiter. Sie erlernen individuelle Prozesse und Arbeitsweisen, können einen Vorgang verstehen, vorhandene Informationen einbeziehen, die nächsten notwendigen Schritte ableiten und diese zunehmend selbst ausführen – und mit jedem Fall und Datenpunkt werden sie besser. Autopilot bedeutet dabei nicht, dass ein Maklerbetrieb von heute auf morgen vollständig autonom arbeitet. Gerade in einer regulierten Branche wäre das weder realistisch noch sinnvoll.
Der Übergang findet schrittweise statt. Zunächst unterstützt die KI bei einzelnen Tätigkeiten, dann bereitet sie vollständige Vorgänge vor und schließlich führt sie Aktionen selbst aus. Mit wachsender Zuverlässigkeit verschiebt sich diese Grenze weiter. Der Mensch wird zunehmend dann eingebunden, wenn ein Fall vom Standard abweicht, eine fachliche Entscheidung erforderlich ist oder persönliche Beratung den Unterschied macht. Wie weit dieser Automatisierungsgrad gehen kann, unterscheidet sich je nach Prozess. Eine einfache Vertragsänderung lässt sich schneller automatisieren als eine komplexe Industrieausschreibung oder eine schwierige Schadenverhandlung. Für die wirtschaftliche Wirkung ist aber keine vollständige Autonomie notwendig. Entscheidend ist, wie viel eines Vorgangs Software zuverlässig übernehmen kann, bevor menschliche Expertise tatsächlich benötigt wird.
Seite 1 Vom Co-Piloten zum Autopiloten: Wenn KI Arbeit übernimmt
Seite 2 Ohne Kontext keine agentische Automation
Seite 3 Ein Alltag, wenn der Autopilot übernimmt
Daniel Dierkes - Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 5 Aufrufe